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Mäusestepptanz im Jugendzimmer

Hallo miteinander! Ich bin über Ostern ins Nordost-Saarland gereist und trete von hier aus mein Gastbloggerinnen-Engagement bei der Missy an. Zuerst wollte ich als Eröffnungspost der Reihe etwas über das Frauen-haben-keine-Ahnung-von-Technik-Klischee schreiben. Aber ach, warum immer so negativ? Als ich mich eben bei Pfälzer Rosé in meinem alten Zimmer vors Macbook setzte, dachte ich daran, …

02.04.10 >

digitallife-rahmen
Hallo miteinander! Ich bin über Ostern ins Nordost-Saarland gereist und trete von hier aus mein Gastbloggerinnen-Engagement bei der Missy an. Zuerst wollte ich als Eröffnungspost der Reihe etwas über das Frauen-haben-keine-Ahnung-von-Technik-Klischee schreiben. Aber ach, warum immer so negativ? Als ich mich eben bei Pfälzer Rosé in meinem alten Zimmer vors Macbook setzte, dachte ich daran, wie ich schon als Oberstuflerin spät Abends hier vor meinem Rechner saß. Die Schule ging um 7:45 los, und um 6:15 musste ich aufstehen. Ich war in den ersten beiden Stunden immer sehr müde.

Die Tatsache, dass ich Ende der 1990er einen PC mit Internetzugang in meinem Zimmer hatte, war für mein damaliges Indierocknerdtum ziemlich wichtig. Neulich meinte eine Freundin von mir, dass ich sie, als wir uns damals kennenlernten, beeindruckte: „Du kanntest so viele Bands, und du hattest Internet!“ Ich hatte sogar eine Flatrate. Die wurde später begrenzt auf 90 Stunden/Monat. Das habe ich der Telekom bis heute nicht verziehen. Die Geschwindigkeit war noch nicht so toll (ISND), aber um bei Napster einzelne Songs von irgendwelchen Bands runterzuladen, reichte es. Im Plattenladen in der Kleinstadt, in der ich zur Schule ging, gab es nichts. Aber plötzlich machte das nichts mehr.

Wie schnell ich auf einmal tippen konnte, ist meiner Mutter aufgefallen, die einmal zu mir meinte: „Wenn du tippst hört sich das an wie Mäusestepptanz!“ Es lag am stundenlangen Chatten auf der Seite eines Musikmagazins. Da traf ich Leute aus ganz Deutschland, und mit einigen habe ich bis heute Kontakt. Es tauchte dort aber auch einer aus meinem Nachbardorf auf, den ich noch nie getroffen hatte, und auch niemals kennenlernte. Mit denjenigen, die ich besonders mochte, chattete ich parallel per ICQ oder AIM. Darunter waren Christian und Daniel: Ich im Saarland, einer in Hamburg, einer in NRW – wir hatten uns noch nie getroffen, aber zusammen das Onlinefanzine Nillson gegründet, dass es (ohne uns) bis heute gibt.

Das Internet war mir nie suspekt, weil ich damit eigentlich immer tolle Sachen erlebt habe. Im Gästebuch des Hamburger Labels LADO hinterließen einige Fangirls und Fanboys wie ich damals den lieben langen Tag über kurze Nachrichten. Das war eigentlich wie Twitter oder ein kleines, privates Gemeinschaftsblog: Wir schrieben, was wir so machen. Es war ein fester Kreis und ich hatte die coolsten Emailfreundinnen in Graz und Berlin. Als ich die Berlinerin einmal besuchte, habe ich das erste Mal Falaffel gegessen.

Ich habe eben mal die Way Back Machine des Internet Archive angeworfen. Die alte LADO Seite kann man dort noch sehen, aber das Gästebuch gibt es nicht. Ich hätte Screenshots machen sollen, denke ich manchmal, wenn ich an diese Jahre zurückdenke. Um mich zu erinnern an die Leute, das Webdesign und den Kram, den wir so ins Internet geschrieben haben, als plötzlich alles so nahe war.

Als ich meinen Eltern heute davon erzählte, dass ich im April für Missy blogge, fragte meine Mutter „Wo ist das denn? In Hamburg? … Ach nee, ins Internet schreiben kannste ja von überall!“

  • melmun

    nostalgie, liebe kathrin, du hast mir damals beim einrichten meiner ersten emailadresse geholfen (die ich immer noch habe) … meine mutter hat auch langsam einen „zugang“ zum internet, ist wohl aber noch nicht so weit wie deine. ob ich auch anfangen sollte zu bloggen? warte aufs tutorial :-)

  • hihihi, schöner einstieg. ich musste an einige stellen schlimm schmunzeln und denken: „wie ich“. neulich lachte ich noch über meine erste website mit (achtung nerdettes&alle) FRAMES. hihiha. beschaffte mir aber 15 punkte im info-kurs, als eines von zwei mädchen neben circa 20 jungen.

    und nillson hast du mit… krass. das wege kreuzen im netz ist so faszinierend.

    meine mama hat nun auch dsl – ein schnelleres als ich. neid & ein grund mal öfter zu ihr zu fahren und ich „das internet zu erklären“.

    wie dem auch sei: ich freue mich auf mehr zu lesen :)

  • nfoonf

    Toller Beitrag!

    Erinnert mich sehr an meine eigene Jugend und meine ersten Schritte im Netz.

  • IHeartDigital

    @melmun Ich benutze auch meine erste Emailadresse noch. Die habe ich damals in einem Internetcafé, das ausgerechnet ein Projekt der örtlichen JU war, eingerichtet.

    Wie war das bei euch? Erzählt doch mal ein bisschen!

  • Hach ja, das waren noch Zeiten :-) Schon komisch, dass wir alle nicht mehr Nillson machen. Manchmal schau ich vorbei und weine eine kleine Träne. Freue mich auf Deine Beiträge.

  • (war ich eigentlich angetrunken als ich das da oben geschrieben habe?)

    gut, dann plapper ich mal, hocke ja bei muttern…
    meine allererste e-mail-adresse: eines trödeligen nachmittags war ich bei einer freundin zu besuch, deren familie schon einen 56kb-internetzugang hatte. WOW! ich war beeindruckt. sie selbst weniger. ich: „wir brauchen dringend email-adressen, dann können wir uns was schreiben“. damals war ich süße äh… 15. der name der adresse bei der bild-zeitung unter den mail-providern (gmx/web) entstand aus einem niesen oder räuspern heraus = spannende sachen gehen anders, schätze ich. ab dem darauf folgenden tag hockte ich immer nachmittags im computerraum der schule rum und gurke in der netzweltgeschichte herum. irre wo ich so war; immer aus neugier, weniger aus interesse. kennt jemand „bet.tv“? hihi.
    am elften september 2001 passierte etwas… ich bekam internet zu hause. nach der schule brachte ich stunden damit zu alles zu installieren und pro websitenaufbau zehn minuten in die röhre zu glotzen. unterbrochen von der aussage meiner mutter: „du, komm mal mit vor den fernseher, da ist was passiert“. ich hingegen blieb klebend: „mhm, gleich“. das gleich realisierte sich zu einem zeitpunkt zu dem turm eins bereits zu staub war. weirdo.

    auch nett: meine erste ebay-auktion. ich wollte meiner besten freundin original chucks schenken. da diese teuer und taschengeld gering war, wollte ich dieses ebay kennenlernen. ab ins internetcafé mit den horenden preisen: 50cent pro halbe stunde, was für vorhaben bei ebay etwas schwierig ist. insbesondere musste das ende der auktion ja innerhalb der öffnungszeiten liegen. bekam ich alles hin, ersteigerte sie dennoch teuer und am ende war es ein fake und bekam weder schuhe noch geld zurück. was glaubt ihr wie enttäuscht ich war?

    und in der tat war ich seit gefühlten drei leben nicht mehr bei nillson. gutes ding jedenfalls @ euch drei.

    das nur zu schrulligen anfangserlebnissen. mittlerweile sind tage ohne permant vorhandenen internetzugang (er muss ja nicht mal genutzt werden) tatsächlich unangenehm…
    ach, das digitale leben, eine supersache ;)

  • Haha, die erste E-Mail-Adresse. Wollte sparsam mit meinen Daten sein und habe bei web.de eine falsche Adresse angeben. Die wär aber wichtig gewesen, weil man einen Code zur Registrierung (oder so ähnlich) per Post bekommen sollte. Als ich mich nicht einloggen konnte, wandte ich mich an den Kundenservice. Der mir einen bösen Brief mit Code schickte und schimpfte, weil ich die AGB verletzt hatte.
    Dann: den Computer mit der ganzen Familie teilen, u.a. einer chatsüchtigen Mutter. (irc-Hintergrund und das obligatorische „Wann darf ich endlich drahaan?“)

    So peinlich wie Backstreet Boys, aber es gehörte dazu:
    Beepworld-Seiten! (Davor geocities. Uiuiui.)
    Die eigene Seite in Suchmaschinen eintragen!

    Bevor wir Internet hatten (Modemmelancholie), sammelte ich x-beliebige Internetadressen in meinem Kalender. Könnte man ja mal brauchen.

    Those were the days. Thank god they’re over.

  • Robin

    Ach Kathrin, ich werde unsere Zeiten in besagtem Internetcafe nie vergessen ;-)
    Besonders als der SZ-Chat gerade In war :D

  • jessy

    hehe… und melmun hat mir dann beim einrichten meiner ersten e-mailadrese geholfen…..: )

  • ich war die erste in meiner klasse, die einen isdn-anschluss zu hause hatte, dank meines informatiker-papas.
    die erste e-mail-adresse hatte ich von web.de und ich weiß noch, wie toll ich es fand, dass so eine super erfindung wie e-mail kostenlos ist. schnell tippen habe ich im chatroom der lokalen tageszeitung gelernt, wo ich mich fast jeden nachmittag mit nem schulfreund traf. das tippen dann per icq weiter verschnellert. ich tippe immer noch nicht zehn-finger-nach-lehrbuch… im kindernetz habe ich während dieser zeit auch abgehangen. kennt das noch jemand (ich erinnere mich, dass ihr da im ersten NRRDZ-podcast drüber geredet habt…)?
    ende 99 dann angefangen, immer neue versionen einer eigenen webseite zu bauen und mich mit anderen mädels im „netzmeisterinnen“-webring zusammenzuschließen.
    die faszination von HTML und CSS führte dann zu meinem medieninformatik-studium. oh internet.

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