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Geschichten aus dem Elektronik-Fachmarkt

„Na Mädels? Ihr seht aus, als hättet ihr ein großes Fragezeichen im Gesicht!“, sprach der Verkäufer im Elektronikmarkt eine Freundin von mir an. Sie war mit ihrer Begleitung zielstrebig zu einer Auslage mit externen Festplatten gelaufen und hatte gerade zu ihr gesagt, dass sie einfach so eine nehmen solle. „Ein Terabyte Speicher für 60 Euro. …

08.04.10 >

digitallife-rahmen
„Na Mädels? Ihr seht aus, als hättet ihr ein großes Fragezeichen im Gesicht!“, sprach der Verkäufer im Elektronikmarkt eine Freundin von mir an. Sie war mit ihrer Begleitung zielstrebig zu einer Auslage mit externen Festplatten gelaufen und hatte gerade zu ihr gesagt, dass sie einfach so eine nehmen solle. „Ein Terabyte Speicher für 60 Euro. Das ist ein guter Preis für die Größe, kannste nehmen.“ Ächz! Ihr merkt schon: Nachdem die ersten beiden Posts hier noch österlich entspannt davon handelten, warum ich das digitale Leben so mag, wird es Zeit für eine feministische Beschwerde.

Die Vorstellung, dass Frauen im Zweifelsfall völlig planlos sind, hält sich hartnäckig, und nicht nur Männer scheren gerne alle Frauen über einen Kamm, wenn es um Technik geht. Hat eine Frau ein Problem mit einem Gerät, liegt das nicht daran, dass sie gerade individuell auf dem Schlauch steht, das Ding kaputt oder schlecht gemacht ist. Das wurde mir kürzlich wieder deutlich gemacht, als ein mir unbekannter junger Mann sich in ein Gespräch zwischen mir und einer Kollegin einmischte. Er verkündete, bei einer Digitalkamera darauf angewiesen zu sein, dass die Einstellung zufällig gerade stimmt, sei „typisch Frau“. Das meine Freundin vorher die mangelhafte Usability der Menüführung beschrieben hatte, hat ihn nicht interessiert. Für ihn war klar: Sie versteht es nicht, sie hat sich nicht ausreichend eingearbeitet und von der Kunst der Fotografie hat sie auch keinen Schimmer – weil sie eine Frau ist.

Sehr gerne wird auch präventiv Zeug erklärt, wenn niemand eine Frage gestellt hat. „Ich schicke ihm dann einfach die Zugangsdaten und dann läuft das.“ Punkt. Kein Fragezeichen. Antwort: „Ja, denn Sie müssen verstehen… wie erklär ich das denn? Also das funktioniert ja so und so …“ Leute meinen, sie müssen die Klischees von Technikkompetenz und Geschlecht im Alltag immer wieder aufführen. Das spielt mit Sicherheit eine gewichtige Rolle, wenn Mädchen einen weniger selbstverständlicheren Zugang zu Technik lernen als Jungs das oft tun – die im Gegenzug immer so tun müssen, als hätten sie einen Plan. Ein Teufelskreis.

Die Entscheidung, ob zum Beispiel ein cooles „Danke, ich komme klar“ die beste Strategie ist oder ob ich Sexismus einfach mal beim Namen nenne ist nicht so einfach. Hin und wieder ist es ganz gut, ein bisschen zurückzunerden und ein paar Fachbegriffe einzuwerfen. Und dann gibt es Geschichten, die sind so absurd, dass nur noch Lachen geht: Als Festplatten noch richtig teuer waren, hatte die Freundin vom Anfang des Textes tatsächlich eine Frage an einen Verkäufer und folgender Dialog kam dabei raus:

„Die Festplatte ist ziemlich groß und trotzdem preiswert. Gibt es da einen Haken?“
„Die ist ganz normal groß, das ist nur die Verpackung.“

  • Chris

    Hey Kathrin. Danke für den Post. Ich glaube du hast Recht, dass genau diese Art von Umgang Mädchen und Frauen eine (wenige subtile) Botschaft sendet: Wenn ihr euch mit Technik nicht auskennt, ist das schon okay, das erwartet ja auch niemand. Dass dabei eine smart kaschierte Arschkarte involviert ist, weil man heute ohne Technikkompetenz eben verdammt viel schlechter durch den Alltag oder an Geld kommt, checken die meisten erst viel später.

  • Rob

    Guter Post.
    Daran, dass es uns möglich ist, uns von veranlagten Verhaltensweisen und eingefahrenen Gewohnheiten zur oberflächlichen Einordnung distanzieren zu können, muss ständig neu erinnert werden, da wir leicht wieder den durch Veranlagungen begünstigten Gewohnheiten verfallen. Und das betrifft offensichtlich zahlreiche gesellschaftliche Fehlmechanismen.

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