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Liebe Schüler und Studenten! Liebe Leser und Konsumenten!

Im letzten Semester an einer Hochschule in Nordrhein-Westfalen: Ich war mit meiner Schwester an einer uns bis dahin unbekannten Uni unterwegs. Wir suchten das Studierendensekretariat. Wir fragten nach dem Studierendensekretariat. Die angesprochene Frau antwortete wirsch „Das heißt Studentensekretariat“, und erklärte uns den Weg. Tatsächlich, da stand es schwarz auf fast weißem Beton: „Studentensekretariat“. Das hat …

16.03.11 >

differentneeds-rahmen5
Im letzten Semester an einer Hochschule in Nordrhein-Westfalen: Ich war mit meiner Schwester an einer uns bis dahin unbekannten Uni unterwegs. Wir suchten das Studierendensekretariat. Wir fragten nach dem Studierendensekretariat. Die angesprochene Frau antwortete wirsch „Das heißt Studentensekretariat“, und erklärte uns den Weg. Tatsächlich, da stand es schwarz auf fast weißem Beton: „Studentensekretariat“.

Das hat mich genervt. Also habe ich dem Gleichstellungsbüro der Uni eine E-Mail geschrieben und vorgeschlagen, dass das Studentensekretariat künftig Studierendensekretariat heißen könnte. Zwei Wochen lang passierte gar nichts. Nach zwei Wochen kam eine E-Mail zurück in welcher sich die Gleichstellungsbeauftragte für die Anmerkung bedankte. Sie habe einen Antrag auf Namensänderung eingereicht. Passiert ist aber nichts, wie ich soeben festgestellt habe. Das besagte Studierendensekretariat der besagten Hochschule heißt immer noch Studentensekretariat.

Warum mich das immer noch nervt? „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“, sagte einst Ludwig Wittgenstein. Und nein, der hatte damit sicher nicht in erster Linie gendergerechte Sprache im Sinn (,wahrscheinlich auch nicht in zweiter Linie). Aber es ist ja offenkundig noch heute so, dass Frauen eben nicht immer mitgesprochen und -geschrieben werden (von allen, die sich zwischen den zwei Polen männlich/weiblich bewegen im wahrsten Sinne des Wortes ganz zu schweigen).

Das so genannte generische Maskulinum reiche ja aus und Frauen seien immer mitgemeint. Aber wenn ich Arzt sage, hat mein Gegenüber eben keine Frau im Kopf und wenn ich Fußballspieler schreibe, denkst Du nicht an eine Frau. In der Regel jedenfalls.

Und umgekehrt? Wenn ein Mann Krankenschwester werden will, wird er Krankenpfleger und wenn ein Mann Hebamme werden will, wird er Geburtshelfer und wenn ein Mann Putzfrau werden will, wird er Raumpfleger und wenn ein Mann Politesse werden will, wird er Hilfspolizist und wenn ein Mann Prostituierte sein will, ist er Callboy.

Exkurs: Noch so eine spannende Sprach-Sache ist das Phänomen der Pejorisierung (Bedeutungsverschlechterung). So meinte das mittelhochdeutsche „wîp“ schlichtweg „Frau“. Heute wird „Weib“ nur noch abwertend benutzt. Ähnliche Abwärtsbewegungen nahmen die Worte mittelhochdeutsch „vrouwe“ für „Adelige“, heute „nur noch“ „Frau“ und mittelhochdeutsch „dierne“ für Mädchen, heute „Dirne“ für „Prostituierte“ (mit der Pejorisierung geht hier sogar noch eine Sexualisierung einher). Meliorisierungen (Bedeutungsverbesserungen) dagegen kommen bezeichnenderweise vor allem bei Worten vor, welche den Mann betreffen.

Fazit: Die deutsche Sprache scheint einfach keine faire Sache zu sein. Bisher jedenfalls. Es gibt ja auch positive Entwicklungen. Zum Beispiel werde ich nicht mehr Fräulein genannt, weil ich nicht verheiratet bin, sondern „Frau“. In Zeitschriften werde ich grundsätzlich als „Leserin“ begrüßt. Und an meiner Uni darf ich zum Studierendensekretariat gehen.

Trotzdem hilft es nichts. Sprache muss reflektiert werden. Eingeschliffenes muss durchdacht werden. Auch und gerade an den Universitäten wie in Bonn, Tübingen , Göttingen, Chemnitz, Trier…, wo Student_innen immer noch zum Studentensekretariat gehen müssen.

Die Sprachwissenschaftlerinnen Luise Pusch und Senta Trömel-Plötz machen sich zu gerechter Sprache schon lange Gedanken. Lesen kannst Du diese Gedanken zum Beispiel hier (Leider ist die Homepage nicht sonderlich aktuell. Der Aufsatz ist dennoch lesenswert.).

  • Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Keine Blumen für Lesben, kein Knochenmark von Schwulen. Die Blogschau()

  • lehmann

    niemand denkt beim studentensekretariat, dass dort nur männliche studenten hingehen dürfen. das ist spitzfindig. das maskulinum im plural ist de facto eine generische bezeichnung, die alle einschließt.

    „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt”, sagte einst Ludwig Wittgenstein. ja, dann erweitere deinen begriff „studenten“ für dich dergestalt, dass du dich damit angesprochen und gemeint fühlst. denn du bist gemeint, nicht MIT-gemeint. diese chimäre von MIT-meinen ist eine petitesse.

    frauen beklagen sich häufig, sie seien die ausnahme, der mann die norm. dann macht euch auch zur norm. aber fordert nicht ein, als ausnahme immer mit-genannt zu werden. erst das macht euch zur ausnahme. sichtbar seid ihr nicht im wort studierende, sondern wenn ihr studiert.

  • sarah

    ähhhh… soweit ich weiß, gibt es ziemlich schon studentinnen an den unis. also mir sind da auf jeden fall schon mal ein paar frauen begegnet… verrückt!

  • sarah

    das ging natürlich an meinen vorredner… sorry, vergessen, dass dazu zu schreiben.

    lehmann, die art wie du ziemlich von oben herab denkst, hier mal grade erklären zu können was das problem ist und wie es gelöst werden kann, regt mich auf. und du entscheidest also, was eine „petitesse“ ist und was nicht??

    „niemand denkt beim studentensekretariat, dass dort nur männliche studenten hingehen dürfen“ –> darum gehts doch gar nicht. das problem ist doch, dass hinter dem wort „studenten“ die studentinnen verschwinden. was u.a. das problem daran ist, steht im text. hast du den überhaupt ganz gelesen??

  • lehmann

    „das problem ist doch, dass hinter dem wort “studenten” die studentinnen verschwinden.“

    nö, die sind da drin enthalten. und jeder weiß das. frag mal auf der straße rum, ob in einem studentenwohnheim nur männer wohnen oder in einer studentenkneipe nur männer sitzen. das glaubt niemand!

  • Fairfis

    @Lehmann

    Was Du gerade betreibst ist schlicht Realitätsverweigerung. Du behauptest gegen belegbare wissenschaftliche Erkenntnis an. Empirische Daten zeigen eindeutig und ohne Zweifel, dass bei der Verwendung des generischen Maskulinums im Deutschen die mentale Representation in einem substantiellen Anteil der Fälle auf Männer beschränkt bleibt. Das heisst, dass Menschen die von Managern, Polizisten und Doktoren hören, lesen und sprechen nur an männliche Exemplare denken.

    Das wiederum hat belegbaren Einfluss auf viele Entscheidungen, zum Beispiel die Entscheidung von Individuen für sich selbst die Karrierelaufbahn ins Auge zu fassen, Polizistin, Doktorin oder Managerin zu werden. Oder auch der immer wieder vorkommende Planungsfehler, dass man für Gebäude schlicht vergisst, Frauenklos vorzusehen, weil man halt nur an Penisträger dachte. Oder für ein unbestimmtes Gefühl von unbehagen wenn man für gewisse Posten Leute zur Auswahl hat, die nicht der dominierenden mentalen Representation entsprechen (abnormal).

    Deine Behauptung also, dass Menschen wenn sie „Studentenkneipe“ hören automatisch auch weibliche Gäste assozieren ist schlicht falsch. Ein substantieller Teil stellt sich bei dem Wort nur Männer vor (unter anderem naheliegend da viele klassische Bilder von „Studentenkneipen“ nur Männer enthalten). Jede und Jeder aber der sagen wir „StudentInnenkneipe“ liest oder hört wird zwangsläufig eine multigeschlechtliche mentale Representation entwicklen.

  • sarah

    @ Lehmann

    Es geht nicht darum, ob irgendwelche glauben, dass in Studentenkneipen tatsächlich nur Männer sitzen.

    Es geht darum, dass bei den Worten Student, Arzt, Manager, Politiker usw. das Bild welches im Kopf entsteht, das eines männlichen Students, Arztes, Managers, Politikers ist. Was daran das Problem ist kannst Du im Text und in Fairfis Kommentar nachlesen und verstehen. Falls es Dich wirklich interssiert.

  • poetin

    Ich denke, man muss hier differenzieren und vieles hängt schon heute sehr von der persönlichen Einzelerfahrung ab. Nehmen wir an, ich bin in einer zahnärztlichen Praxis, dessen Betreiberin weiblich ist – ich habe also meine Zahnärztin, zu der ich immer gehe. Höre ich dann, dass jemand „zum Zahnarzt“ geht, so fällt mir meine Zahnärztin ein und ich habe eine weibliche Person vor dem inneren Auge. „Student“ war für mich (Latein-Nerd, die ich bin) immer sehr bewusst vom lateinischen Partizip „studens“ hergeleitet (zu Deutsch exakt jenes „studierend“, welches nominalisiert als Alternative vorgeschlagen wird) – dieses hat im Maskulinum wie im Femininum dieselbe Form. Und weil ich außerdem als Tochter einer Akademikerin mein Recht zu studieren nie in Frage gestellt hätte, war für mich selbstredend, dass mit „Studenten“ immer beide Geschlechter gemeint sind. Wo Frauen präsent sind und die Leute das in ihrem Alltag als selbstverständlich erleben, fällt diese Präsenz auch automatisch mit in das geistige Bild, das bei einem bestimmten – generischen, oft aber nicht immer maskulinen – Begriff entsteht. In nach wie vor männlich dominierten Domänen mag es sein, dass der generisch männliche Begriff die Aufnahme von Frauen zusätzlich erschwert (die Uni gehört auf Studentenebene nicht unbedingt dazu, bis zum Abschluss der Promotion sind die Zahlen weiblicher und männlicher Studenten glaube ich etwa gleich) – dann ist es sicher sinnvoll, auf die Anwesenheit (oder gar das Anwesenheitsrecht) von Frauen mit einer Extra-Erwähnung hinzuweisen, um das Bewusstsein dafür zu stärken. Aber langfristig hoffe ich, dass gerade diese Maßnahme mit dazu führt, dass dieses Anwesenheitsrecht, dieses Genauso-Gemeintsein so selbstverständlich wird, dass eine Extra-Nennung unnötig wird. Wenn sich die politisch korrekte Sprache dann aber überlebt – oder zumindest von der Öffentlichkeit als überflüssig wahrgenommen wird – kann es passieren, dass ihr umständlicher Aspekt als einzig bemerkenswert hervortritt (meist sind absolut inklusive Formulierungen umständlicher – länger oder funktionieren nur in der Schriftsprache) und die Menschen nervt, damit schadet solch inklusive Sprache aber unserer Sache eher. Vielleicht ist das bei den Studenten / Studierenden schon der Fall. Übrigens: Schaut man sich die Sprachen und zugeordneten Kulturen der Welt im Vergleich an, so findet man keinesfalls eine eindeutige Korrelation zwischen der Verwendung grammatischer Geschlechts-Markierung und der jeweiligen Gleichberechtigungssituation. Da spielen eine Menge andere Faktoren auch eine Rolle, und inklusive Sprache kann gehörig nach hinten losgehen.

  • sarah

    @poetin
    was ich mich die ganze zeit schon frage: was wäre denn, wenn ab heute immer die rede wäre von studentinnenkneipe, ärztinnenkongress, schülerinnen usw. und männer und jungs eben mitgemeint sind? ich bin mir sicher, dass es da einen aufschrei geben würde und dass es dann doch plötzlich wichtig wäre eine extra-nennung für jungs und männer zu berücksichtigen…

    ich versteh nicht genau, was du damit meinst einzelerfahrungen in betracht zu ziehen. sollten dann alle, die zu einer zahnärztin gehen, davon sprechen, dass sie einen zahnarzt haben weil sie ja eine frau dabei im kopf haben? wo ist denn da der vorteil? und was sage ich, wenn ich schonmal einen zahnarzt hatte und dann zu einer zahnärztin gewechselt bin? und woher weiß ich ob mein gegenüber einen männlichen zahnarzt oder weibliche zahnärztin im kopf hat und also dass ankommt was ich eigentlich sagen will?

    dass es für dich als tochter einer akademikerin selbstverständlich war zu studieren ist schön. für mich zum beipiel war es nicht selbstverständlich. ich habe mein studium abgebrochen, weil ich es mir im grunde nicht zugetraut habe. ein teil dieser unsicherheit wäre mir durch mehr sichtbarkeit von frauen in allen möglichen bereichen erspart geblieben.

    es wäre doch schön wenn alle mädchen die heute groß werden, von klein auf durch alle möglichen kanäle (und ein wichtiger davon ist sprache nunmal) vermittelt bekommen, dass es selbstverständlich ist, dass sie machen können was sie wollen.

  • Avatar

    Ich finde es grundsätzlich krümelkackerisch ständig auf das „Innen“ zu bestehen. Als Schülerin habe ich mich angesprochen gefühlt, wenn die Rede von „uns Schülern“ war. Heute fühle ich mich als Mitarbeiterin angesprochen wenn die Rede von Mitarbeitern ist. Das man sofort einen männlichen Fußballer, Schwimmer, Wissenschaftler im Kopf hat , wenn man das generische Maskulinum hört liegt auch daran das es kaum weibliche Exemplare gibt.

    Außerdem bei den Gebrüdern Grimm denkt man an Jakob und Willhelm Grimm. Bei den Geschwistern Scholl an Hans und Sophie Scholl. Niemand wird Hans Scholl, einen Mann/Bruder ausschließen. Auch in der Alltagssprache verhält es sich nicht anders. Auf die Frage: „Hast du noch Geschwister“ bejaht man die Frage wenn man Schwestern und/oder Brüder hat.

  • Ach ja.

    „Außerdem bei den Gebrüdern Grimm denkt man an Jakob und Willhelm Grimm. Bei den Geschwistern Scholl an Hans und Sophie Scholl. Niemand wird Hans Scholl, einen Mann/Bruder ausschließen. Auch in der Alltagssprache verhält es sich nicht anders. Auf die Frage: “Hast du noch Geschwister” bejaht man die Frage wenn man Schwestern und/oder Brüder hat.“

    Dir ist jetzt aber schon aufgefallen, dass das eher ein Beleg für geschlechtergerechte Sprache ist?
    Selbstverständlich schließt man bei den Geschwistern Scholl nicht den Mann aus, immerhin ist es ja die geschlechtergerechte und passende Variante, die sich auf beide bezieht – es heißt doch nicht die Schwestern Scholl.
    Und genau darum geht es ja – nach Geschwistern fragen, nicht nur nach Brüdern, was ja auch ohnehin niemand tut und genau so Studierende anzusprechen, nicht Studenten.

    Und dass du gemerkt hast, dass man dich im Maskulinum mit anspricht, mag ja sein, geht aber an der Sache komplett vorbei. Es geht nicht darum, dass sich Studentinnen nicht angesprochen fühlen, sondern darum, dass sie nicht genannt werden. Hast du den Text und die anderen Kommentare überhaupt gelesen?

  • sarah

    @avatar

    „Das man sofort einen männlichen Fußballer, Schwimmer, Wissenschaftler im Kopf hat , wenn man das generische Maskulinum hört liegt auch daran das es kaum weibliche Exemplare gibt“

    ich glaube nicht, dass es kaum fußballerinnen, schwimmerinnen, wissenschaftlerinnen usw. gibt, sie sind halt nicht so sichtbar wie ihre männlichen kollegen. unter anderem durch die sprache. darum gehts doch!

    und weil sie durch die verwendung der männlichen form unsichtbar bleiben und nicht in die köpfe der meisten leute gelangen, wird es nicht normal, dass frauen auch zum beipiel gute wissenschftlerinnen sein können. dadurch können sie keine vorbildfunktion einnehmen für junge mädchen und dadurch kommen weniger überhaupt auf die idee wissenschaftlerin werden zu wollen.

  • Ernesto

    Jaja, die Geisteswissenschaftler_innen;)
    Dein linguistischer „Exkurs“ taugt nicht wirklich für feministische Gegenwartskritik. Was die beschreibst ist die Euphemismus-Tretmühle, das ist allerdings recht umstritten. „Dirne“ war noch nie ein Begriff für „Frau“ im heutigen Sinn, sondern tauchte in der Renaissance schon im Zusammenhang mit Prostitution auf. Dass Begriffe ausgetauscht werden, ist natürlich Audruck von veralteten Frauenbildern, oder möchtest du etwa heute noch „Weib“ genannt werden, was damals zwar weniger abwertend, aber eben immer schon Unterwerfung und Besitztum illustrierte (siehe z.B. 10. Gebot Mose). „weiblich“ ist übrigens positiv konnotiert. Dass die Begriffe ausgetauscht werden ist eher ein Zeichen dafür, dass sich Rollenild und gesellschaftliche Verhältnisse ändern, oder unterlag der Begriff „Frau“ in den letzten 100 Jahren einer Pejoration (meinst du wahrscheinlich mit Pejorisierung)? Damit hat es sogar ein positiv konnotierter Begriff in den Sprachgebraucht geschafft, heute ist er natürlich (zurecht!) folgerichtig neutral, wie auch „Mann“. Du könntest ja auch mal Beispiele für Meliorationen nennen, nur ist die Entwicklung eben eher umgekehrt. „Männlichkeit“ wird heutzutage assoziiert mit Gewalt, Machismus, Unsensibilität und emotionaler Unterentwicklung.
    Du regst dich über das „Studentensekretariat“ auf, wie perfide diskriminierend aber auch! Schon mal irgendwo gelesen „die Täter_INNEN sind noch unbekannt“? „Nach der Unfallsverursacher_IN wird gesucht“ Kinderschänder_INNEN (ja, gibt es), Betrüger_IN, Umweltsünder_IN, Falschparker_IN usw
    Denk mal drüber nach…

  • Sonnenvolt endlos multiplizieren!

  • Jaja, die Kritiker_innen…
    Ernesto, mit dem Begriff Pejorisierung beziehe ich mich auf Damaris Nübling et al.: Historischer Sprachwandel des Deutschen. Eine Einführung in die Prinzipien der Sprachwissenschaft. Tübingen 2008. 116 f. Der Begriff ist in der Linguistik durchaus üblich und etabliert. Und ja, auch Meliorisierungen gibt es. Da wäre dann zum Beispiel der “mar(a)hscalc” zu nennen, der Pferdeknecht, aus dem dann der Marschall wurde, also ein Mann mit hohen militärischen Rang (ebd. 117). Wichtig sind hier nicht die Assoziationen, die Du mit Männlichkeit siehst (”Gewalt, Machismus, Unsensibilität und emotionaler Unterentwicklung”), sondern semantischer Wandel der Worte. Es ist also nicht “Mann” = “Gewalt”, sondern eben “Dirne” = “Prostituierte”.
    Und Du hast natürlich Recht. Konsequenterweise muss dann auch von Täter_innen etc. die Rede sein.

  • Aktuellere Homepage / Blog von Luise F. Pusch: Laut und Luise

  • lehmann

    „Es geht nicht darum, ob irgendwelche glauben, dass in Studentenkneipen tatsächlich nur Männer sitzen.“

    doch, genau darum geht es!

    „Es geht darum, dass bei den Worten Student, Arzt, Manager, Politiker usw. das Bild welches im Kopf entsteht, das eines männlichen Students, Arztes, Managers, Politikers ist.“

    bei einem und konkreten arzt / politiker usw. ist das der fall und das ist auch bewisen. aber im plural bzw. wenn es um keinen konkreten arzt geht, sieht es schon anders aus. wenn jemand sagt, ich gehe zum arzt, dann ist klar, dass „arzt“ den beurf meint und nicht das geschlecht.
    natürlich ist es z.b. im fall von stellenazeigen wichtig, von männern und frauen zu reden, weil es da auch wieder um konkrete einzelpersonen geht. das gilt aber nicht im plurals oder bei allgemeinen sachverhalten.

    „Falls es Dich wirklich interssiert.“

    du braucht nicht pampig zu werden, nur weil du dich im recht glaubst.

    „was ich mich die ganze zeit schon frage: was wäre denn, wenn ab heute immer die rede wäre von studentinnenkneipe, ärztinnenkongress,“

    @sarah frauen haben sich das maskulinum quasi angeeignet und ihm sein biologisches geschlecht genommen. studentenkneipe ist ein ort für männer und frauen. sobald von einer studentinnenkneipe die rede ist, kannst du sicher sein, dass man dort tatsächlich nur frauen vermutet, weil im grammatischen feminimum männer nicht enthalten sind.

    „sollten dann alle, die zu einer zahnärztin gehen, davon sprechen, dass sie einen zahnarzt haben weil sie ja eine frau dabei im kopf haben? wo ist denn da der vorteil? und was sage ich, wenn ich schonmal einen zahnarzt hatte und dann zu einer zahnärztin gewechselt bin? und woher weiß ich ob mein gegenüber einen männlichen zahnarzt oder weibliche zahnärztin im kopf hat und also dass ankommt was ich eigentlich sagen will?“

    normalerweise ist es das geschlecht des zahnarztes völlig irrelevant. da „zahnarzt“ frau und mann sein kann, genügt es, „zahnarzt“ zu sagen, denn dessen geschlecht spielt für das zahrztsein keine rolle. du besuchst ihn oder sie ja nicht wegen seines / ihres geschlechts, dondern wegen deiner zähne.

    „es wäre doch schön wenn alle mädchen die heute groß werden, von klein auf durch alle möglichen kanäle (und ein wichtiger davon ist sprache nunmal) vermittelt bekommen, dass es selbstverständlich ist, dass sie machen können was sie wollen.“

    das bekommen mädchen vermittelt, inden sie frauen in allen möglichen berufen SEHEN nicht HÖREN.

    „ich glaube nicht, dass es kaum fußballerinnen, schwimmerinnen, wissenschaftlerinnen usw. gibt, sie sind halt nicht so sichtbar wie ihre männlichen kollegen. unter anderem durch die sprache. darum gehts doch!“

    sprache macht gar nichts sichtbar. vorhandensein macht sichtbar: sichtbar sein macht sichtbar. man muss nicht expilzit von fußgängerinnen reden, um zu verdeutlichen, dass frauen auf der straße unterwegs sind, das weiß jeder, weil es zur alltagsefahrung gehört. gehören aber fußballerinnen nicht zur alltagserfahrung, dann kann man sie auch nicht herbeireden.

  • Jetzt ich auch noch mal abschließend zum Thema mit Dank für Deine Gastbloggerinnenschaft: Unglaublich, dass so etwas Selbstverständliches wie inklusive Sprache auch heute noch so erbitterte Widerstände hervorruft. Aber so ist das eben bei Wandel und Emanzipation, die machen den Rückständigen Angst (vor Verlust der Privilegien) und müssen deswegen unerbittlich weiter erkämpft werden. Ich habe heute auch einen Beschwerdebrief an das Büro der Wiener Festwochen geschrieben, die im Programm ihres ach so avancierten Kulturfestivals nur die „Lieben Leser“ adressieren und von „Schauspielern“ sprechen. Also: wo immer Ihr ausschließende Sprache seht, beschwert Euch!

  • Ist echt schräg, dass sich seit Jahren nichts an den „Argumenten“ gegen gendersensible/geschlechtergerechte Sprache ändert.
    – generisches Maskulinum meint alle
    – Sprachveränderung bringt nichts
    – Sprache sagt nichts über gesellschaftliche Verhältnisse aus
    Und ganz gern:
    – gendersensible/geschlechtergerechte Sprache ist doof
    – gendersensible/geschlechtergerechte Sprache ist umständlich (ja, immer überlegen, wen spreche ich an, wen meine ich, wer ist gemeint ist schon anstrengend ;))
    Ach ja und:
    – gendersensible/geschlechtergerechte Sprache verlängert die Texte

    Das war zu Puschs früheren Äußerungen nicht so, das war vor 5 Jahren so und ist heute nicht anders. Schade eigentlich, dass es immernoch nicht alle begriffen haben.

    Danke für den Beitrag :)
    Ach ja, an meiner Hochschule wurde das einfach komplett umbenannt in „Info Point“. So geht man den ganzen Sachen auch aus dem Weg…

  • männlich

    die gesellschaft wird sich wohl kaum von der sprache her verändern lassen — und durch solche prinzipienreiterei schon gar nicht. gerade weil die (alltags)sprache nur machtverhältnisse abbildet, wird sich an solchen definitionen erst etwas ändern, wenn der frauenanteil in machtpositionen deutlich zunimmt. ich frage mich nur, was mann und frau sich von solchen definitionskorrektionen eigentlich erhoffen. irgendeine arme sau wird auch in einer gesellschaft, in der sich beide geschlechter die herrschaft teilen, immer noch als raumpfleger/raumpflegerin den dreck wegwischen dürfen. glaubt irgendjemand wirklich daran, dass eine weiblich mitbeherrschte welt in irgendeiner form „humaner“ wäre (nebenbei wäre dies übrigens auch sexistisch)? oder geht es ganz allgemein einfach nur um die weibliche partizipation einer bestimmten schicht an machtpositionen?

  • Mondgestein

    Erdwärts!

  • phranz

    micki meister micki

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