Eine Toilette ist eine Toilette ist eine Toilette ist eine Toilette?
Neulich ging ein Aufschrei durch das Germanistische Institut in Münster. „Wer darf denn nun diese Toilette benutzen?”, hieß es da, als das Institut in ein ehemaliges Gymnasium umgezogen war. Im Keller gibt es da einen Toilettenraum, der zunächst nicht beschildert war. Studenten, wie Studentinnen standen jetzt also davor und rätselten. Wem es zu dringend wurde, ging einfach rein (oder eben eine Etage nach oben, wo alles “normal” ist). Mann, wie Frau. Das hat sich dann auch so durchgesetzt. Inzwischen ist es offiziell ein Unisex-Klo, mit Schildchen für beide Geschlechter.
Behinderte Menschen sind übrigens grundsätzlich geschlechtslos. Auf diese Idee kann man wenigstens kommen, wenn man sich die Toiletten für Behinderte anschaut. Da gibt es kein Zeichen für Männer und keines für Frauen, einfach eines für Rollstuhlfahrer_innen. Da ist eben noch Nachholbedarf, könnte man jetzt denken. Vielleicht aber auch grade nicht. Vielleicht haben die Toiletten für Behinderte auch eine Vorreiterfunktion.
Inzwischen wird in vielen AZs auf geschlechtergetrennte Toiletten verzichtet, weil die künstliche Gender-Trennung in männlich/weiblich auch auf dem Klo unnötig ist. Und schaut man sich die Argumente an, die zum Beispiel eine Initiative an der HU Berlin hervorbringt, leuchtet das auch ein. Da ist für jede_n das passende Argument dabei. Väter können ihre Kinder nicht wickeln, ohne doof angeschaut zu werden, weil die Wickeltische häufig noch in den Toilettenräumen für Frauen untergebracht sind, Kosten werden eingespart, weil nur ein Toilettenraum instand gehalten werden muss und darüber, dass alle gleichbehandelt werden sollen (Mann, Frau, Transgender), sind wir uns ja ohnehin alle einig. Klappt bei euch zuhause und im Zug auch.
Jede_r Mensch, der sich irgendwie „dazwischen” fühlt, ist bis dato immer noch ausgegrenzt. Da geht unter anderem das Café Garbo/Programmkino Cinema, ebenfalls in Münster, einen Schritt weiter. Hier gibt es seit geraumer Zeit ein Transgender-Klo.
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Thomas vom Cinema hat mir dazu ein paar Fragen beantwortet:
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Transgender-Toilette zu installieren?
Es waren zwei Anregungen. Die eine war in einem Soziologie-Seminar zu Gender. Und in diesen werden ja immer gerne als Beispiel die klassischen Toilettenschilder (Frau mit Rock und schmalen Schulter, Mann breitbeinig mit Hose) diskutiert. Die andere ist der Film “Das verordnete Geschlecht” von Oliver Tolmein, den wir gezeigt hatten. In dem Film geht es um Zwitter und eben nicht die eindeutige geschlechtliche Zuordnung.
Warum ist eine Transgender-Toilette wichtig?
Eigentlich hätten wir ja insgesamt lieber Steh- und Sitztoiletten – vollkommen unabhängig von der geschlechtlichen Identität. Das ist aber a) noch verboten und b) sind wir gesellschaftlich noch nicht so weit – so muss die Transgender-Toilette halt noch ein Politikum sein.
Wie sehen die Reaktionen auf die Toilette aus?
Viele trauen sich nicht rein. Sie können sich vielleicht auch nicht vorstellen, was die Toilette soll. Wir müssen aber auch mal eine Erklärung dazu schreiben.
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Bei Ally McBeal gibt es die Unisex-Toiletten schon lange:
24.3.2011 von Differentneeds unter Gastblog Differentneeds.
Comments
Comment from Lachs
Time: March 25, 2011, 11:02 am
Hier wird zensiert. Ganz üble Masche…
Comment from Steffi
Time: March 25, 2011, 11:33 am
Kommentare wie: “Du gehörst mal in den Mund gefickt”, “Süße, darf ich mal deine Nummer haben” oder “Ich will dich im Klo durchbumsen” sind keine Kommentare, sondern sexistische Beleidigungen und fallen somit nicht unter “Zensur”. In der Öffentlichkeit könnten die “Kommentatoren” dafür vor einem ordentlichen Gericht verklagt werden. Andere Meinungen bleiben natürlich stehen.
Comment from Crystal-Cath
Time: March 25, 2011, 11:52 am
Na toll, welche Frau möchte sich denn gerne von den Typen auf der Toilette begaffen lassen? Mal ehrlich, manche geilt es doch schon auf, wenn sie eine Frau pinkeln hören! Und ich müsste mir dann ebenfalls ansehen, wie die Männer an der Pissrinne stehen und ihre stinkenden, ungewaschenen und unrasierten Teile rausholen (außer es gibt in Unisextoiletten dann keine Pissoirs). Ich “warte” nur darauf, dass dann der Typ im Häuschen nebenan sich einen runterholt, wenn ich gerade Wasser lasse. Nein, danke!
Comment from mona
Time: March 25, 2011, 12:09 pm
@Cathy: Naja, wenn du Männer generell eklig findest, ist das natürlich nichts für dich. Ich denke aber auch nicht, dass die große Lust haben beim Pinkeln von Mädels beobachtet zu werden.
Wären Unisex-Toiletten seit Jahrzehnten Standard, würden wir hier wahrscheinlich getrennte Toiletten fordern und die Übergriffe beklagen in den diskriminierenden Einheitstoiletten..
Comment from norman
Time: March 25, 2011, 12:20 pm
bei mir an der Uni gibt es auch haufenweise diese naiven Grünwählerinnen, die sich sowas ausdenken und sich damit für unglaublich fortschrittlich und freigeistig halten. Es gibt definitiv tausend mal mehr Frauen (auch Männer) die sich davon diskriminiert fühlen, mit dem anderen Geschlecht die Toilettenräume zu teilen, als es Transgender-Menschen gibt. Ergo müsste man überall 3 Toiletten bauen. Abgesehen von der irrsinnigen Kostenfrage interessieren die armen Putzkräfte wohl auch nicht, die die alle sauber machen müssten.
Comment from aykay
Time: March 25, 2011, 12:28 pm
wow hier ist was los… ich nehme mal an, dass in gernder toiletten ne kleine abschirmung zu den pissoirs aufgebaut ist, sodass erstens der herr sich nicht begafft fühlt und zweits die dame nicht gaffen kann (schonmal überlegt, dass auch Frauen Männer sexuell belästigen könnten?)
es kann schon sein, dass es in manchen toiletten dieser welt gefährlich sein könnte, aber würde die anzahl sexueller übergriffe wirklich durch nicht geschlechtergetrennntetoilette steigen? wenn mir nen typ nachsteigen wöllte, kann er das auch einfach auf ner frauentoilette tun, oder?
finde die idee ganz gut und werde mir mal die transgendertoilette im cinema “ansehen”
Comment from norman
Time: March 25, 2011, 12:41 pm
aber würde die anzahl sexueller übergriffe wirklich durch nicht geschlechtergetrennntetoilette steigen?
klare Antwort: ja! Auch bei solchen Typen macht Gelegenheit “Diebe”. Auf gut Glück einer Dame in die Damentoilette ist weniger “erfolgs”versprechend und auffälliger, als wenn einem potentiellen Täter in einer verlassenen Toilette hinter 2 Türen allein mit einem potentiellen Opfer ist. Die Zahl von Übergriffen oder geringfügigen Belästigungen, dazu Frauen die sich einfach unwohl fühlen, würde exorbitant steigen zu Gunsten von ein paar vereinzelten Transgender-Menschen, die sich in der Neutralität wohler fühlen. Das ist grotesk und menschenfeindlich, aber Hauptsache man hat sich als modern und weltoffen profiliert…
Comment from norman
Time: March 25, 2011, 12:43 pm
edit: Auf gut Glück einer Dame in die verbotene (womöglich gut besuchte) Damentoilette folgen ist weniger “erfolgs”versprechend und auffälliger, als wenn ein potentieller Täter in einer verlassenen Unisex-Toilette hinter 2 Türen auffällt, dass er da allein mit einem potentiellen Opfer ist.
Comment from norman
Time: March 25, 2011, 12:49 pm
die Lösung: Unisex-Toiletten videoüberwachen!
Comment from Sis
Time: March 25, 2011, 2:13 pm
Liebe Schwestern, heute ist übrigens Equal Pay Day!!!
Comment from Anna
Time: April 7, 2011, 7:23 pm
Hallo Differentneeds,
Sehe das Posting erst jetzt und freue mich, dass du die homepage unserer alten Initiative verlinkt hast
Die Initiative nach einer schlusendlich gestoppten Tour durch verschiedene Gremien inaktiv, aber die Argumentesammlung ist ja noch verfügbar.
Schön, dass die Münsteraner_innen da erfolgreicher waren.
Viele Grüße auch dorthin
Anna
Comment from Andreas
Time: April 7, 2011, 9:41 pm
Hey, freut mich, daß die Unisextoilettenidee weiter im Umlauf ist
Ganz egal wie man übrigens zu der Sache steht, es ist erstaunlich auf wieviele Vorurteile gegenüber Männern und Frauen man stößt, wenn man sich in die Debatte vertieft. Eine echte Fundgrube!
Comment from onyx
Time: April 9, 2011, 9:06 pm
@ Steffi
“Kommentare wie: “Du gehörst mal in den Mund gefickt”, “Süße, darf ich mal deine Nummer haben” oder “Ich will dich im Klo durchbumsen” sind keine Kommentare, sondern sexistische Beleidigungen ”
Falls derartige Kommentare noch in irgendeinem Spamordner vor sich hingammeln, ist da:
der richtige Platz dafür.

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