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Und wenn sie nicht gestorben sind…

… dann leben sie noch heute. Heißt es am Ende eines Märchens. Doch – was machen die beiden Hauptfiguren eigentlich den ganzen Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr? Hält das Happy End? Und ist es wirklich das Ende? Ich bin ja der Meinung, dass die größte Ungerechtigkeiten heutzutage ist, dass uns mediale Vorbilder für …

25.06.11 >

… dann leben sie noch heute. Heißt es am Ende eines Märchens. Doch – was machen die beiden Hauptfiguren eigentlich den ganzen Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr? Hält das Happy End? Und ist es wirklich das Ende?

Ich bin ja der Meinung, dass die größte Ungerechtigkeiten heutzutage ist, dass uns mediale Vorbilder für gute Beziehungen fehlen. Ob in Büchern oder Filmen – der Mainstream blendet doch gerade dann weg, wenn es zum Alltag geht. Wir sehen nur den spannenden Teil, das Annähern, das um-das-Glück-ringen, den Streit und die Versöhnung. Wir lesen von Trennung und Betrug. Wir lesen nicht vom grauen Alltag. Von nervigen Kindern, stressigen Jobs, davon wie Menschen älter werden. Natürlich, das wäre auch langweilig. Oder? Wo sind denn all die „good news“? Die Bezeichnung der Menschen, die miteinander glücklich sind und das über einen längeren Zeitraum. Wo sind die Erläuterungen, die zeigen „Hey, es geht“? Auch ohne, das eineR von beiden gerade die Welt retten oder eine sich die neuesten Pole-Dance-Positionen aneignen muss. Der Ratgebermarkt für Paare und Beziehungen ist riesig. Denn die meisten Menschen wollen miteinander glücklich werden. Und wollen sehen, was nach dem „Happy End“ kommt.

Wie bereits angedeutet, kommt zuerst einmal die Realität. Ich kann von meinem Partner/meiner Partnerin nicht erwarten, dass er/sie alles weiß und mich immer glücklich machen kann – einfach so. Denn PartnerInnen sind auch nur Menschen. Wenn zwei sich gefunden haben, kommt also nicht das Glück, sondern erst mal die Arbeit. Sie müssen lernen einander anzuvertrauen, überhaupt zu Vertrauen und sich zu öffnen. Denn meiner Meinung nach ist Beziehung vor allem eins: Kommunikation.
Wie soll denn die andere Person wissen, was ich mag und möchte – und was nicht? Wenn ich es nicht sage oder zeige? Woher soll ich wissen, was er/sie mag und möchte und was nicht? Wenn er/sie es mir nicht sagt? Oder ich nicht danach frage? Und das reicht nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder. Denn Menschen ändern sich und ihre Meinungen gelegentlich.
Mir ist eine möglichst gleichberechtigte PartnerInnenschaft wichtig. Ich möchte einen Partner, mit dem ich auf einer Augenhöhe reden kann, diskutieren, auch mal streiten und dann wieder versöhnen. Einen Menschen, der mich respektiert und wertschätzend behandelt – unabhängig wie wir etwas sehen. Und muss ihm sagen, was ich darunter verstehe.

Das „Happy End“ ist erst der Anfang.
Nach langer Fernbeziehung, die das miteinander-reden auf einer bewussten Ebene aus Prinzip erfordert, versuchen der Mensch an meiner Seite und ich seit unserem Zusammenziehen eine Methode, die ich aus einem Paarberatungsseminar für mich/uns entdeckt habe: Das Zwiegespräch.
Klingt auf den ersten Blick ziemlich einfach. Ein Paar nimmt sich jede Woche eine Stunde Zeit und redet miteinander.
Ist in der Praxis aber gar nicht so einfach. Denn es sollte möglichst jede Woche am selben Tag sein, weil Routine Sicherheit gibt. Diese Stunde darf nur unter besonderen Umständen abgesagt oder verlagert werden. Sie dient dazu, die PartnerInnenschaft zu pflegen. Das ist so angelegt, dass erst eine Person etwa 15 min lang über die letzte Woche und ihre Sicht der Paarbeziehung reflektiert. Erzählt, was gut war, was schlecht war und wie sie bestimmte Situationen erlebt hat. Die andere Person sagt nichts bzw. hört aktiv zu. Dann wechselt es und die andere Person spricht. Und wird nicht unterbrochen. Die zweite halbe Stunde reden dann beide miteinander. Vergleichen ihre Sichtweisen, setzen sich damit auseinander, wenn sie etwas unterschiedlich wahrgenommen haben und versuchen Lösungen zu finden. Oder wenn es keine Probleme gibt, dann kann ja auch einfach miteinander geschwiegen und gekuschelt werden. Hauptsache, die Zeit wird miteinander genutzt.
Das Prozedere hat seine Tücken. Erst mal die Zeit füreinander finden, nehmen und einfordern! Ohne nebenbei Haushaltstätigkeiten zu erledigen, mal was wegzuräumen oder die Wäsche zusammen zu legen. Handy aus und PC aus und Telefon ausgestöpselt, evtl. vorhandene Kinder irgendwo abgeben – wirklich einen ungestörten Raum schaffen! Und dann 15 Minuten lang aktiv! zuzuhören – das ist für viele nicht leicht. Einander nicht korrigieren, nicht ins Wort fallen. Nicht die eigenen Gedanken gleich einwerfen. Gerade bei Paaren, bei denen eine Person dazu neigt viel zu reden, werden 15 Min zu einer Herausforderung der besonderen Art. Genau wie es eine Herausforderung ist, sich eine Stunde wirklich miteinander beschäftigen.

Natürlich ist mir klar, dass dies eine besondere Art der Herangehensweise an Beziehung und PartnerInnenschaft ist. Auch Paare, die sich nicht wöchentlich hinsetzen und über ihre Wochen reflektieren können gleichberechtigt und/oder glücklich sein. Ebenso hält sich das Gerücht hartnäckig, dass glückliche Paare oder Paare, die an ihrer Beziehung arbeiten und sehr kommunikativ miteinander umgehen, sich nicht trennen. Natürlich können auch diese sich unterschiedlich entwickeln und trennen. Aber ich wage zu behaupten, dass es weniger „was ist nur passiert“-Trennungen, sondern für beide tragbare bewusstere Entscheidungen sind. Die einvernehmlicher ablaufen und weniger hasserfüllt. Ich mag diese Methode, weil sie hilft, ein Bewusstsein für die eigenen Wünsche und Bedürfnisse und die des Partners/der Partnerin zu entwickeln. Unstimmigkeiten nach Möglichkeit gleich anzusprechen oder sich eben einmal in der Woche den Raum dafür zu nehmen.

Ich finde es wichtig, solche Versuche und Ansätze mal in den Raum zu stellen. Zu zeigen, dass „Juhuu, ich habe eine Beziehung“ nicht das „Happy End“ ist, sondern der Anfang.
Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Und die Ewigkeit ist eben verdammt lang.

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