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„Wir brauchen dringend ein regelmäßiges Shuttle“ – Die Kampfoperette „Planet der Frauen“ am Theater Freiburg

Zugegeben, da muss die Freiburgerin bitter schlucken und sich fragen: Warum stehe, singe, spiele, tanze ICH nicht da unten mit diesen ganzen außergewöhnlichen Damen? Wo doch diese Bühne gerade in diesem Augenblick und bei diesem scheinbar gerade perfekten Song der einzig wichtige Ort in der ausnahmslos einzig richtigen Runde zu sein scheint. Zunächst also: Fragen …

28.03.12 > Theater,
©M.KORBEL2012

Zugegeben, da muss die Freiburgerin bitter schlucken und sich fragen: Warum stehe, singe, spiele, tanze ICH nicht da unten mit diesen ganzen außergewöhnlichen Damen? Wo doch diese Bühne gerade in diesem Augenblick und bei diesem scheinbar gerade perfekten Song der einzig wichtige Ort in der ausnahmslos einzig richtigen Runde zu sein scheint. Zunächst also: Fragen über Fragen und deutliche Gespanntheit und Vorfreude auf die „Kampfoperette“ nach dem Libretto von Maxi Obexer und mit der Musik von Bernadette La Hengst, die endlich auch wieder am Theater Freiburg ist.

Am 23. März hatte der „Planet der Frauen“ im „Kleinen Haus“ des Theater Freiburg Premiere und Uraufführung zugleich. Diese war restlos ausverkauft und auch viele Angestellte des Hauses hatten sich eingefunden. Sehr schön: Bereits am Eingang wurde mensch durch eingestrickte und dadurch verschönert-bunte „Planet der Frauen-Schriftzug“-Säulen begrüßt. Die Gespanntheit steigt. Es sieht viel versprechend aus.

Um „der weiblichen Vielfalt Ausdruck und Stimme und dem Kampf in eigener Sache Öffentlichkeit zu geben“, begann im Herbst 2011 die Erschaffung und Erkundung des Planeten durch 35 Freiburgerinnen, sowie Regisseurin Viola Hasselberg und Dramaturgin Heike Müller-Merten. Auf neu komponierte und arrangierte oder durch die Freiburgerinnen ergänzte Songs von La Hengst folgten mehrere Wochen intensiver Proben, bis am Ende das Ensemble aus sechs Schauspielerinnen und 23 Freiburgerinnen (zwischen 19 – 83 Jahren) feststand und die Reise mit „Fahrstuhlführerin“ La Hengst endlich beginnen  konnte. Eine Reise durch mehrere „Themen-Level“.

©M.KORBEL2012

Zunächst mit den Schauspielerinnen  Marie Bonnet, Lena Drieschner, Iris Melamed, Charlotte Müller, Nicole Reitzenstein und Stephanie Schönfeld als Gottesmutter Maria,  Botticellis Venus oder Jeanne D´Arc (Bühne & Kostüm: Viva Schudt). Schon das ist zu Beginn des Stückes extrem unterhaltsam und witzig für das durchmischte Publikum. Dann wird es gleich sehr persönlich mit der kurzen Vorstellung einer jeden Frau und gleich wieder skurril durch den Eingriff der Damen in die klassischen Darstellungen der Schauspielerinnen.

Das „gearschte Geschlecht“ (Frauen) ist sich doch uneins. Während die Jüngeren das fiese F-Wort am besten gleich gar nicht mehr hören wollen, wird ihnen genau das von den Älteren als eine Art „Verrat“ der Sache vorgeworfen. „Aber, aber, meine Damen“ mag da der eine oder andere denken. Doch wie Dramaturgin Müller-Merten weiß, gibt es eben so viel Feminismus wie es Frauen gibt.

Die durchweg mitreißenden Songs von La Hengst an Gitarre oder Computer geleiten anregend durch den Abend. Getragen wird das Ganze zudem über die durchweg überzeugenden Leistungen der Schauspiel-Profis, sowie die starken Stimmen der Freiburgerinnen. So wächst alles, Level für Level, zu einem wahren Frauenplaneten zusammen. Klassisch-klischeehafte Männerfiguren wie der Manager werden bizarr (überzeugend: S. Schönfeld) oder der männliche, wie weibliche Sexus vollkommen überzogen dargestellt (wunderbar: C. Müller). Ein fiktives Fahrzeug voller feiernder Guerilla-Prinzessinnen mit der völlig unverhüllten Venus (ausgefallen: N. Reitzenstein) am Steuer und das ohrwurmverdächtige „Rolling Role Models“ singend fährt über die Bühne und mancherlei Haushaltsutensilien werden zu Instrumenten.

Schön ist auch die Sicht der Freiburgerinnen auf gesellschaftliche Schönheitsideale und der gesamte Chor mit La Hengst´s „Kill your idols“. Spätestens bei „Brot und Rosen“ (nach einem Gedicht von J. Oppenheim) ist auch der/die letzte ZuschauerIn mitgerissen. Bei Obexers klugen und La Hengsts interessanten Texten ist es manchmal etwas schade, dass diese, ob der Lautstärke, unterverstanden bleiben und, bezüglich der Songtexte, auch nicht alle im Programmheft abgedruckt sind – dafür jedoch Textauszüge von Meredith Haaf oder Katja Kullmann.

©M.KORBEL2012

„Planet der Frauen“ ist von Anfang bis Ende dynamisch, smart, perfekt-sanft provokant und parteiisch inszeniert. Selbsterklärend durften die Damen nach ihrer starken Premiere die Bühne auch erst nach einer Zugabe verlassen. Und : JA! Auch die Männer im Publikum waren begeistert und feierten mit dem Ensemble auf der nachfolgenden Premierenfeier. Viola Hasselberg meint im Programmheft dazu ganz passend: „Planet der Frauen an Erde: Hier ist es lustiger als da unten. Wir brauchen dringend ein regelmäßiges Shuttle.“ Bleibt zum Schluss nur eine Frage: Wie sieht er für dich aus, der Planet der Frauen?

Text: Dorothee Annette Kreuzer

Weitere Aufführungen jeweils 20 Uhr am 28.03., 31.03., 04.04., 16.04., 05.05., 06.05., 19.05. und am 14.06. 2012 im Theater Freiburg, Bertoldstraße 46

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