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Offener Brief an Pro Quote: Hauptsache Frau?

Warum wir nicht einfach feiern können, dass Sabine Rückert als erste Frau Mitglied der Zeit-Chefredaktion wird

04.11.12 > Missyverse

„It is not enough to have women in top positions of power, it depends upon what kind of women they are and what they are going to do when they get there.“ (Nina Power)

Liebe Kolleginnen.

Im März diesen Jahres antwortete Giovanni di Lorenzo auf den Aufruf von „Pro Quote“ mit dem Versprechen, binnen der nächsten fünf Jahre 30 Prozent der Führungspositionen bei der Zeit mit Frauen zu besetzen. „Was also, wenn guter Wille und gute Frauen allein keine guten Ergebnisse erzielen? Dann ist eben doch die Zeit für eine Quote gekommen.“

Begründet hat er diesen Schritt damals nicht nur als eine Frage der Chancengleichheit und Gerechtigkeit, sondern vor allem mit dem Argument, dass nur eine divers aufgestellte Zeitung auch eine gute Zeitung sein könne. „Verschiedenheit, das ist etwas, woran es gerade in Zeitungen mangelt. Merkwürdig, wie homogen und hermetisch Redaktionen oft noch sind, und das in einer Branche, die von der Neugier und der Verschiedenheit lebt,“ und: „Wir müssen den besten Journalismus machen, der uns möglich ist. (…) Mit Sicherheit fördert eine Quote die Qualität von Zeitungen.“

Jetzt wird klar, was die Zeit unter dieser Diversifikation versteht: Wie der Verlag am Freitag bekannt gab, steigt Sabine Rückert als erste Frau in die Zeit-Chefredaktion auf. Eine Journalistin also, die sich während ihrer gesamten Karriere nur mit antifeministischen Positionen profilierte. Die die feministische Bewegung diskreditierte, wo sie nur konnte. Die im Fall Kachelmann die Zeuginnen auf zutiefst frauenfeindliche Weise verhöhnte und mit dem gängigen Vorwurf „selbst schuld“ für unglaubwürdig erklärte. Die für diese und andere unsägliche Kampagnen, in denen sie sich stets auf Seiten der vermeintlichen männlichen „Opfer“ von Vergewaltigungsprozessen stellte und Zeuginnen/Klägerinnen als rachsüchtige Lügnerinnen vorverurteilte, zurecht in den Foren von Maskulisten gefeiert wird.

Jetzt geht es um die Wurst, liebe Kolleginnen. Reicht euch das? Gebt ihr euch damit zufrieden, einfach mehr Menschen mit einer Vagina Frauen in leitender Position in den Redaktionen installiert zu sehen? Oder steht ihr mit „Pro Quote“ für eine tatsächlich feministische Kritik, die dann zwingend auch beinhalten müsste, für einen Journalismus einzutreten, der Sexismus und Ungleichbehandlung anprangert und für bessere Lebensbedingungen von Frauen eintritt? Falls letzteres, so hoffen wir sehr, dass ihr euch zu dieser Personalentscheidung kritisch verhaltet.

Wir freuen uns auf eure Antwort,

Chris Köver und die Missy-Redaktion

  • Gast

    Dieser Spruch: “It is not enough to have women in top positions of power, it depends upon what kind of women they are and what they are going to do when they get there.” (Nina Power) sagt ganz klar, wie es praktiziert wird: In überwiegend männliche Führungsetagen kommen nur Frauen, die von Männern auf “deren Tauglichkeit“ und insbesondere auf “deren Nützlichkeit“ im Sinne ihrer Ziele und Interessen getestet und für gut befunden wurden.

  • http://www.pro-quote.de Die ProQuote-Ladys

    Liebe Chris Köver, liebe Missy-Redaktion,

    wir von ProQuote haben nur ein gemeinsames Ziel: 30 Prozent Frauen, bis in die Chefredaktionen. Für alle anderen Ziele können wir nicht unsere 4000 Unterstützer und Unterstützerinnen nicht vereinnahmen, dazu haben wir kein Mandat!

    Wir glauben, dass uns gerade diese Klarheit stark und erfolgreich macht. Und ja, das Ziel mag auch der „kleinste gemeinsame Nenner“ sein – aber wollen wir das nicht mal erst erreichen, bevor wir gegenseitig unsere Gesinnungen prüfen?

    Viele Grüße und auf gute gegenseitige Unterstützung!

    Annette Bruhns und die ProQuote-Vorstandsladys

  • http://hanhaiwen.wordpress.com Helga

    Na, wenn frau sich die Tweets von @quote_pro anschaut, sind da ja keine Zweifel mehr, was die wollen: https://twitter.com/quote_pro Und auch auf Ihrer Facebookseite machen Sie es noch mal deutlich: https://www.facebook.com/pro.quote.de/posts/162032303941930

  • Pingback: Bloß keine kritische Mediendebatte – warum ich Pro Quote nicht mehr unterstütze « Drop the thought()

  • MrsMister08

    Liebe Annette Bruhns, liebe Kolleginnen.

    Nur um das noch mal ganz deutlich zu machen: Wir fordern keine „Gesinnungsprüfung“. Natürlich wären wir sehr glücklich, wenn Frauen in Führungspositionen nicht nur Frauen wären, sondern zugleich auch gegen Sexismus – wie wir uns das ebenso von männlichen Führungskräften wünschen. Vor dem Hintergrund der derzeitigen Zahlen in der Branche freuen wir uns aber schon über jede weitere Frau, sofern sie nicht dezidiert antifeministisch agiert. Dass wir uns über die Personalentscheidung für Sabine Rückert empören, hängt nicht mit ihrem Frausein zusammen, sondern damit, dass sie in ihren Texten sexistische Haltungen propagiert. Wäre Frau Rückert ein Mann und hätte diese Positionen vertreten, so wären wir ob dieser Entscheidung ebenso aufgebracht. Dass irgendeine JournalistIn mit solch einer Haltung in eine Führungsposition kommt – noch dazu bei der Zeit, die als klug und aufgeklärt gilt –, halten wir wir empörend.

    Zumindest von Seiten der Missy-Redaktion geht uns mit der Kritik auch nicht darum, Pro Quote als Initiative per se anzugreifen. Dass in einer Demokratie Instrumente geschaffen werden, um sich gegen strukturelle Benachteiligung zu engagieren, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Dass Pro Quote diese Selbstverständlichkeit laut und deutlich einfordert, finden wir grandios – das war höchste Zeit.

    Wir wollen diese Personalentscheidung trotzdem gerne zum Anlass nehmen, eine Debatte darüber anzustoßen, was wir mit der Quote erreichen wollen. Geht es allein darum, mehr Frauen in Führungspositionen zu haben, ungeachtet ihrer Handlungen? Oder wollen wir tatsächlich etwas ändern an den sexistischen Strukturen im Journalismus – sowohl in den Redaktionen als auch der Berichterstattung? Oder womöglich sogar in unserer Gesellschaft als Ganzes? Das wollen wir gerne mit euch diskutieren und deswegen richten wir uns mit unserer Kritik auch nicht an die Zeit oder an Frau Rückert, sondern an Pro Quote als diejenige Organisation, die die Debatte um die Quote zuletzt wie keine andere in die Öffentlichkeit getragen hat.

  • Pingback: Jörg & Miriam Kachelmann: Recht und Gerechtigkeit – mehr als eine Rezension (IV) | gabrielewolff()

  • John

    Eine Frauenquote ist Sexismus in Reinform, schließlich ist einen Frauenmindestquote zwangsläufig auch eine Männerhöchstquote.
    Wie man dann pro Quote sein kann, aber gegen Sexismus, das hätte ich gerne mal erklärt bekommen.
    Zudem ist eine Frauenquote auch aus anderen Gründen sexistisch, denn diese benachteiligt u.a. Transgender-Menschen.

    Nebenbei: Frau Rückert hat mal den EMMA-Journalistinnenpreis gewonnen, und Frau Schwarzer verteilt diesen bestimmt nicht an antifeministische Frauen.

  • fabie

    Frauen als Menschen mit Vagina zu definieren ist aber ein bisschen überholt und trans*feindlich, ne?

  • Pingback: Promenade durch parzellierte Landschaften | CLEAN RECORD()

  • Miria

    Halllo,
    irgendwie bin ich mir noch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll, wo ist der Vorteil, wenn man einfach nur mehr Frauen hat, diese aber genauso handeln wie Männer. Andererseits, welches Kriterium sollte man denn noch einführen (wie sollte das überhaupt funktionieren ohne eine Art „Gesinnungsprüfung“)?
    Meine Meinung zur Quote habe ich mal auf meinem neuen Blog zusammengefasst: http://nur-miria.blogspot.de/2012/11/quotensalat.html

    Viele Grüße,
    Miria

  • Pingback: Menschen mit einer Vagina | katrin schuster()

  • Clara

    Es ist falsch verstandener Feminismus, einer journalistisch und juristisch erfolgreichen Frau die Führungsposition zu neiden, nur weil Sie (nachweislich) zwei unschuldig wegen Vergewaltigung verurteilte Männer aus dem Knast geholt hat (2007) und sich nicht bedingungslos gegen Kachelmann gestellt hat. Die „Verhöhnung“ des (angeblichen) Opfers kann ich nicht sehen, ebenso die angeblich antifeministische Haltung während „der gesamten Karriere“. Das „selbst schuld“ bezog sich auf die freiwillig eingegangene Beziehung mit einem untreuen Sado-Maso-Prominenten aus dem Fernsehen. Feminismus heißt für mich nicht, alle Männer im Knast verrecken zu lassen, die „ein Mensch mit Vagina“ nicht mag. Es ist immer das Gleiche, erfolglose Frauen gönnen anderen Frauen den Erfolg nicht und hetzen dagegen, die Männer lachen sich ins Fäustchen. Hat eine Frau Erfolg, so hat sie sich den sicher durch Antifeminismus erkauft, das erklärt dann auch gleich die eigene Erfolglosigkeit. Euch geht es nur um Gesinnungsschnüffelei, Wer ist am feministischsten, am kompromißlosesten, nicht im Sinne einer Gleichberechigung sondern im Sinne einer Dominanz und Vernichtung der „bösen“ Seite.

  • keine

    „Menschen mit einer Vagina“: Es heisst „Vulva“, zumindest das ganze Geschlecht – „Vagina“ ist nur die „Scheide“ (oder schlimmer das „Loch“)… oder spielt es hier keine Rolle? Aus männlicher Sicht zählte Jahrtausendelang nicht, was Außen lag. Ich hoffe doch für euch nicht. Zumindest ein feministisches Magazin sollte die Begriffe richtig hinkriegen… In dem Artikel geht es ja gerade darum, dass eine Frau nicht nur der Besitz dieses Loches ausmachen sollte, da darf man den Rest schon vergessen?

  • Claudia

    Erstmal würde ich gern „selbst schuld“ in „selbst verantwortlich“ ändern wollen. Zweitens finde ich es zwar lobenswert und legitim danach zu fragen, was Frau Rückert für die Gleichberechtigung/ Gleichwertigkeit weiblicher Menschen getan hat bzw. tut bzw. tun könnte oder vermutlich tun wird. Aber… Frauen sind doch keine eierlegenden Wollmilchsäue! Auch Frauen können es nicht allen recht machen, und auch unter Frauen gibt es ausgesprochene A*piep* und Dumpfbacken, aber hallo!! Womit ich auf keinen Fall Frau Rückert als solche bezeichnen möchte, ich kenne sie nicht und möchte mir über ihre Person ohne je mit ihr gesprochen zu haben kein Urteil bilden. Ich meine nur, dass es a) in Deutschland (!) ohne Zwangsquote nie dazu kommen wird, dass Frauen einen nennenswerten Anteil an Führungspositionen inne haben (jedenfalls nicht zu meinen Lebzeiten, und das dürften noch so um die vierzig Jahre sein) und b) Frauen nicht die besseren Menschen sein müssen. Die sind genauso divers wie Männer und alle, die etwas anderes sind. Alles Menschen. Hauptsache ist erstmal, dass wir (und damit meine ich alle, die sich nicht der Kategorie „klassischer Mann“ zugehörig fühlen) eine kritische Masse hinbekommen, ab der überhaupt eine spürbare Zivilisierung des Wirtschaftslebens möglich wird. Frau wird ja wohl noch träumen dürfen… ;) Claudia