Astrid Farnsworth aus „Fringe“

Astrid Farnsworth ist fast der perfekte Nerd: FBI-Junioragentin, BA in Musik und Linguistik, Nebenfach Informatik. Nur ist sie eben schwarz und eine Frau.

Astrid Farnsworth ist fast der perfekte Nerd: FBI-Junioragentin, BA in Musik und Linguistik, Nebenfach Informatik. Nur ist sie eben schwarz und eine Frau.

 

Wäre sie keine schwarze Frau, wäre Astrid Farnsworth (Jasika Nicole) aus der Science-Fiction-Serie „Fringe“ der stereotype Nerd. Die FBI-Junioragentin hat einen Bachelor-Abschluss in Musik und Linguistik mit Nebenfach Informatik. Ihr besonderes Interesse gilt Verschlüsselungstechniken und Computer nimmt sie auseinander, seit sie sechs ist. Außerdem spricht sie fünf Sprachen fließend, darunter Latein. Ihr Gegenpart im alternativen Universum wird einmal als „lebender Computer“ bezeichnet: Diese „Alt-Astrid“ berechnet in Windeseile Wahrscheinlichkeiten.

Leider bleibt Astrid zugleich die am wenigsten entwickelte Figur der ganzen Serie. Trotz ihrer überragenden Fähigkeiten beschränkt sich ihre Rolle darauf, auf den aus einer Nervenheilanstalt entlassenen Wissenschaftler Walter Bishop aufzupassen. Wenn sie nicht kompetent bei seinen Experimenten assistiert, muss sie mit ihm Kuchen backen. Dabei kann er sich nicht einmal ihren Namen merken und nennt sie „Aspirin“, „Asterix“ oder „Afro“. So bleibt Astrid das Klischee der schwarzen Mammy, die sich stets selbstlos um ihr Team kümmert, harmlos, niemals sexualisiert, und nie als eigenständige Persönlichkeit in Erscheinung tretend.

Dieses Versagen scheint auch den Autor-Innen der Serie bewusst zu sein. Sie lassen Astrid kommentieren, wie respektlos Walter sich ihr gegenüber verhält. Zu einer Änderung kommt es trotzdem nie. Die ständige Fremdbezeichnung schwarzer Menschen durch weiße ist zwar eine rassistische Tradition, die SerienmacherInnen fanden es aber offenbar zu „lustig“, um darauf zu verzichten. Dies beklagte auch die Darstellerin Jasika Nicole nach dem Serienende auf ihrem
Tumblr-Blog. Dass es in fünf Staffeln „Fringe“ bei nur einer Astrid zentrierten Folge blieb, ist eine Schande. Astrid Farnsworth hätte mehr verdient. Text: Helga Hansen

Die Sci-Fi Serie „Fringe“ wurde in Deutschland von 2009 bis März 2013 auf ProSieben ausgestrahlt. Die ersten vier Staffeln sind bereits auf DVD erhältlich.

  • Evamaria

    Astrid! Echt, wenn es einen Tiefpunkt gab bei Fringe, dann war es, wie wenig wir von ihr zu sehen bekamen!

    Sie ist ein wichtiger Teil des Teams, sei es während der Arbeit mit ihrem Genie oder als verlässliche Schulter bei persönlichen Problemen, aber nach 5 Jahren wissen wir immer noch fast nichts über sie. In der 5. Staffel war es besonders schlimm, fand ich – mir gefiel das „Object of the Week“-Jagen sowieso nicht wirklich, und Astrid blieb wortwörtlich aussen vor, alleine im Labor und oft nur kurz durch ein Video-Telefon gesehen, während die anderen herumrannten. Ohne sie ging es nicht – aber ich hätte so gerne etwas mehr von ihr als PERSON erfahren!

    Morgen geh ich auf die FedCon in Bonn, wo Jasika Nicole Gast sein wird – ich hoffe, ich kann sie fragen, was für Gedanken sie sich zu Astrids Geschichte gemacht hat…

  • Rookie

    Och bitte, sie wurde ausschließlich von Walter nicht bei ihrem richtigen Namen genannt, der ganz offensichtlich ein völlig überzeichneter Charakter ist. Und alle, also das gesamte Team, kümmert sich um den alten Bishop! Wirklich sexualisiert werden die restlichen Charaktere doch auch nicht, oder? Ich finde auch die Entwicklung der restliche Fringe-Charaktere nicht unbedingt tiefgehend – Astrid bildet an dieser Stelle also keine Ausnahme. Wir sprechen hier schließlich auch über „Fringe“, eine Serie, die jetzt in ihrer Gesamtheit nicht wirklich für die komplexe Entwicklung ihrer Charaktere steht…

    Auch ich hätte gerne mehr über Astrid erfahren – versteh mich nicht falsch – aber deine Kritik bleibt dann ebenso oberflächlich, wie die Figur. Ich finde, dass trotz dieser eindimensionalen Darstellung, deutlich wird, wie wichtig Astrids überdurchschnittliche Fähigkeiten innerhalb des Fringe-Szenarios sind: Kein Fall wird gelöst, ohne das vorher Astrid kontaktiert wird!

  • Helga

    Ob sie im Labor bleibt (5. Staffel) oder raus muss (in der alternativen Zeitlinie) – die Serie schafft es leider immer, sie zu vernachlässigen.

    FedCon, whoopwhoop, da würde ich gerne wissen, was Nicole sagt!

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  • Anna

    Wie wärs mit Hermine Granger und wednesday Addams? :)

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