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Eltern ABC # 26: Z wie Zeit

Mit Kind wird Zeit zu Mangelware. Und häufig gibt es Streit, weil sie ­ungerecht verteilt scheint. Wir versuchen, das alles komplett gerecht aufzuteilen. Und finden das manchmal ganz schön anstrengend.

24.02.15 >

Von Stefanie Lohaus und Tobias Scholz
Als wir ein Kind bekommen haben, wurde schnell klar: Zeit ist ab sofort ein potenzieller Streitgrund. Also haben wir beschlossen, die 24 Stunden des Tages gerecht zu verteilen: X Stunden Arbeitszeit, Y Stunden Zeit mit dem Kind, Z Stunden Haushalt. Ein bisschen Freizeit gibt es auch noch.

Illustration: Ana Albero

Wir, eine Missy-Macherin und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter, waren der Meinung, wir wären privilegiert und geradezu prädestiniert für dieses „50/50-Modell“. Weil wir im Job Spielräume haben, die Menschen, die in „richtigen“ Jobs arbeiten, nicht kennen. Aber: Das macht es nicht automatisch leichter. Wir sind neidisch geworden, als wir ein Paar kennengelernt haben, für die das viel leichter funktioniert. Er ist Tischler, sie Pädagogin. Beide haben feste Anstellungen mit 37,5 Wochenstunden. Er geht jeden Tag um sechs aus dem Haus, ist um 15 Uhr fertig, holt das Kind ab. Sie macht die Vierjährige morgens fertig, beginnt die Arbeit um zehn, ist um 18 Uhr mit dem Job durch. Abendessen – er kocht – steht um 19 Uhr auf dem Tisch. Ganz vorbildlich gleichberechtigt, wie es im feministischen Lehrbuch steht.

Bei uns hingegen herrscht oft Chaos. Ständig überschneiden sich die Termine. Der Missy-Büroalltag beginnt selten vor zehn Uhr. Kolloquien und Ringvorlesungen finden außerhalb der Kita-Öffnungszeiten statt. Ständig müssen wir uns absprechen. Ständig muss eine/r zurückstecken. Anstrengend. Dabei gilt doch gerade gemeinhin die Flexibilisierung der Arbeitszeit als besonders familienfreundlich.

Stimmt nicht, glauben wir. Je nachdem wie das Unternehmen so tickt, sind Festangestellte klar im Vorteil. Auch der Begriff Home Office bräuchte dringend eine Neubewertung. Wenn Kinder so klein sind, dass sie sich nicht über signifikant lange Zeiträume alleine beschäftigen können, sollte man Home Office getrost vergessen. Das Kind kann man ja schlecht ins Bad einschließen, wenn der/die ChefIn die Power-Point-Präsi bis 17 Uhr sehen will. Also wird dann abends gearbeitet, wenn das Kleine endlich schläft. Der Abend endet vor dem Rechner, die Augen sind müde, man schleppt sich mit letzter Kraft ins Bett. Und so ist auch dieser Artikel entstanden. Denn die Deadline war eigentlich gestern. Gute Nacht.

„Papa kann auch stillen. Wie Paare Kind, Job & Abwasch unter einen Hut bekommen“ Stefanie Lohaus & Tobias Scholz, Goldmann Verlag, 224 Seiten, 8,99 Euro.

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