Who’s that Basic Bitch?

Seit Monaten ist es kaum möglich, der ­Basic Bitch zu entkommen. Sie durch­flutet das Netz wie die Schlange vor dem Hollister-­Store das Einkaufszentrum. Aber wer ist sie?

20.08.15 > Netzkolumne

Von Hengameh Yaghoobifarah

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© How To Tell If You’re A Basic Bitch

Früher bekannt als „H&M-Mädchen“ ist die Basic Bitch dem Mainstream zuordenbar. Ihre Interessen sind so klischeehaft, wie man es von einem Klischee erwarten darf: Sie liebt Duft­kerzen, trägt Ugg-Boots und freut sich im Herbst auf die saisonale Starbucks-Spezialität „Pumpkin Spiced Latte“.

Demografisch betrachtet fallen vor allem weiße, heterosexuelle Cisfrauen aus klein- bis großstädtischen Gebieten in das Schema.

Die genaue Typologie der Basic Bitch in den USA untersucht Erin Gloria Ryan auf einer Landkarte für das Online-Magazin „Jezebel“. Daraus geht einerseits hervor, dass Konformität natürlich auch mit regionalen Normen einhergeht. Das zeigt sich zum Beispiel in den unterschiedlichen Celebrity-Aspirations: Die Chicago Basic fühlt sich von Jennifer Aniston inspiriert, die Brooklyn Basic von Lena Dunham und die Dallas Basic ist mehr so Jessica Simpson. Ryan benennt auch das männliche Pendant zur Basic Bitch: den Bro. Ein bärtiger Typ im Karohemd, der als Interessen Fußball, Bier und die Serie „How I Met Your Mother“ angeben würde. Er ist so auffällig wie Zement, trotzdem darf er sich auf seiner Gewöhnlichkeit ausruhen. Frauen hingegen – Sexismus sei Dank – leben in ständiger Konkurrenz zueinander und spüren den Druck, unbedingt auffallen zu müssen. „Nicht wie die anderen Frauen“ zu sein, hatte schon immer einen bitteren Bei­geschmack.

Daisy Buchanan schreibt im „Guardian“, warum sie stolz darauf sei, eine Basic Bitch zu sein – denn der Hass auf die Basic Bitch sei klar antifeministisch. Abwertung erfahren vor allem stereotyp feminin konnotierte Dinge. Sie findet tatsächlich nichts so Normcore wie die Basic Bitch – obwohl der Unterschied ja genau darin liegt, dass das eine ironisch und das andere todernst gemeint ist, so Anna Eube für welt.de. Die einen sehen aus wie eine überspitzte Nachahmung weißer Mittelschichtseltern aus den 1990ern. Die anderen sehen aus wie alle.

Auch im „Thought Catalog“ warnt Guiliana Caranante davor, den Begriff zu nutzen. Warum sollte man Frauen, die genau das tun, was sozial von ihnen erwartet wird, dafür fertigmachen? Im Prinzip können Frauen nur verlieren: Sind sie angepasst, werden sie als Basic gedisst. Sind sie es nicht, haben sie andere Sanktionen zu fürchten.
Das Gegenstück zur Basic Bitch ist laut dem viel geklickten Video „How To Tell If You’re a Basic Bitch“ die Bad Bitch: eine auf allen Ebenen erfolgreiche, selbstbewusste, intelligente, stilbewusste Frau. Es herrschen hohe Ansprüche, um in Ruhe existieren zu dürfen.

In einer Generation, die danach strebt, als Special Snowflake außerordentliche Individualität auszudrücken, ist die Basic Bitch auch eine misogyne Abwertung. Gibt es noch politisch korrekte Möglichkeiten, Gewöhnlichkeit und Anpassung auszudrücken? Vielleicht, indem man den Spieß umdreht und nicht nur Frauen diffamiert. In der Berliner Clubszene etwa ist die Basic Bitch der nervige Typ, der sich für besonders hält, weil er mit seinen Bros die Toiletten für seinen Drogenkonsum
blockiert. Selbst, wenn er es nicht auf Instagram teilt, fühlt er sich in dieser Situation sicherlich #blessed wie keine andere Basic Bitch der Welt.


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