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Solo-Süffeln für alle!

Warum der Geselligkeitsterror in Bezug auf Frauen und Alkohol in der Werbung nervt.

18.11.15 > Satire

Von Ella Carina Werner

Manchmal laufe ich abends durch die Straßen und hätte übel Lust, mich an irgendeine Theke einer schummrigen Bar zu klemmen und gepflegt ein paar Bierchen zu trinken. Nur ich und die Thekenkraft und das Gebimmel des Spiel­automaten. Oder draußen allein in der Nacht zu hocken, bei Grillengezirp oder Wellenrauschen, und eine Flasche Schnaps an die Lippen zu führen, wie es die raubeinigen Outcasts und Waldbrüder auf den ­Whiskey- oder Tequila-Flaschen tun.

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Saufen mit Bier statt Piccolöchen. @ Édith Carron

Aber darf ich das? Nein! Als Frau hat man im Kreise der Freundinnen zu picheln, wenn man der Alkoholwerbung Glauben schenkt, vor allem der Werbung für Perl- und Schaumweine in pastellfarbenen Flaschen. „Gewinne dein best-friends-weekend!“, steht auf einem rosafarbenen Flaschenhals, oder „9 von 10 Testerinnen würden diesen Sekt ihren Freundinnen empfehlen“. Am geselligsten gibt sich die Marke Jules Mumm: „Mit Jules Mumm stoßen Frauen auf ihre Freundschaft an“. Im Werbespot „Manifest der Frauenfreundschaft“ beschwört eine Stimme: „So prickelnd wie wir“ und „Wenn wir zusammen sind, dann gibt es kein euch. Dann gibt es nur uns!“

Immer dieser Freundinnenterror. Immer dieser Sozialdruck. Als ob in einer Bierwerbung je Männer eng umschlungen in die Kamera riefen: „So herb wie wir!“ oder eine Rod-Steward-Stimme den Kumpels zuraunte: „Ihr seid meine Insel!“

Und warum sind Frauen überhaupt so sehr auf Piccolöchen & Co. abonniert? Weil die Werbung ihnen Bier vorenthält. Oder hat irgendwer schon mal eine Becks- oder Krombacher-Werbung in der „Brigitte“ oder der „Meine Familie & Ich“ gesehen? Die Frauenzeitschriften könnten den Biermarken den Werbeplatz umsonst anbieten, die Biermarken winkten dankend ab. Biermarken machen keine Deals mit Frauenzeitschriften. Weil sie Angst haben, dass die Frauen dann auf dumme Ideen kommen und kistenweise Bier kaufen. Weil dann das herb-männliche Image futsch wär.

Schön wäre ein Werbespot, in der eine junge Frau in eine Hafenkneipe schlunzt, „Moin“ grummelnd den Friesennerz in die Ecke pfeffert und ein Bierchen nach dem anderen wegschädelt. Schön wäre eine alte Señora mit übergroßem Sombrero, die unter einer Riesenkaktee hockt und sich seelenruhig Tequila reinpfeift. Und garniemand quatscht sie dabei an.


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