Who’s that fuckboy?

Wir kennen alle mindestens ein solches Exemplar. Hier die Symptome und Erkennungsmerkmale.

10.03.16 > Netzkolumne

Von Gabriela Kielhorn

Früher einfach schnöde „Arsch“ genannt, heißt der passende Anglizismus heute „fuckboy“. 2004 tauchte der Begriff das erste Mal im Internet auf, mittlerweile muss er für allerhand Spott im Netz herhalten. Immerhin hat er es im letzten Jahr in den Mainstream des Internetjargons geschafft. Nicki Minaj rappt über ihn, der kanadische Rapper Drake schreibt in seinen Songs, dass er ganz sicher kein „fuckboy“ sei. Aber was genau ist das?

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Fuckboy setzt sich aus den beliebten Netzwörtern „fuck“ und „boy“ zusammen. „Fuck“ fungiert hier als Präfix für alle Betonungen und Superlative im Positiven wie auch Negativen – dem „Fuck Yeah!“ und dem „Fucking terrible“. Das „boy“ beschreibt die infantile Art des Benehmens.
Fuckboys sind die, die dir in Clubs viel zu nahe kommen. Die dich angeregt nach deiner Nummer fragen und dann ausrasten, wenn sie die nicht bekommen. Die dir danach hinterherrufen, dass sie dich eh nicht kontaktieren würden, weil du ohnehin hässlich seist. Sie benutzen die Zwinkersmilies inflationär, schicken dir Bilder von ihren Geschlechtsteilen, auch wenn du definitiv nicht danach gefragt hast. Sie betonen, dass sie Make-up völlig inakzeptabel finden, denn Frauen müssten ja natürlich aussehen, allerdings missfallen ihnen ungeschminkte Frauen. Das sexuelle Verhalten von Frauen kann von ihnen nicht unkommentiert bleiben, aber natürlich gelten für sie persönlich völlig andere Regeln.
Ihr Flirtverhalten zeigt sich besonders in sozialen Netzwerken, wo sie (natürlich neben dem shirtlosen Profilbild) betonen, dass sie doch eigentlich auf der Suche nach der großen, monogamen Liebe sind. Sie philosophieren ewig über Respekt, belügen die Frauen um sie herum aber schamlos. Gemischt mit einer Portion Homo- und Transfeindlichkeit, ist der Fuckboy auch schon komplett.
Auf Blogs und Twitter regen sich die User daher gerne über diese Angewohnheiten der Fuckboys auf. Besonders die „Straight White Boys Texting“-Memes sind auf Erfolgskurs, etwa auf dem gleichnamigen Tumblr-Blog. Hier werden typische Anmachsprüche der Fuckboys via Textnachrichten als Screenshots gesammelt, analysiert und kommentiert, um das grenzüberschreitende Verhalten der Namensgeber bloßzustellen und sich darüber lustig zu machen. Auch unter dem Hashtag #fuckboys versammeln sich die verschiedensten Real-Life-Erfahrungen in memefizierter Weise; ebenfalls auf Tumblr hilft „How to Spot a Fuckboy“ dabei, diese frühzeitig zu erkennen. Kurz: Der Fuckboy ist zum Inbegriff des Lächerlichen geworden.
Auf Communities wie Reddit gibt es schon die ersten Stimmen, die den Begriff als männerdiskriminierend lesen, weil sie meinen, dass dieser zu verallgemeinernd sei und Männer auf ihr sexuelles Verhalten reduziere. Im Sinne der Gleichberechtigung verlangen sie eine entsprechende weibliche Form. „Fuckgirl“ hat allerdings bisher keinen richtigen Anklang gefunden. Vielleicht benennt Fuckboy einfach zu spezifisch ein männlich-privilegiertes Verhalten und hat gerade deswegen auch im deutschen Sprachraum so viel an Beliebtheit gewonnen.

Disclaimer: Der Text ist aus der Ausgabe 02/15. Mittlerweile wurde der Begriff durch „bratboy“ ersetzt, da eine Begriffsherkunft nicht so weit verbreitet war, nämlich die Verwendung in Männergefängnissen. Dort bezeichnen sie jene Männer als „fuckboy“, die sexualisierte Gewalt von anderen Insassen erfahren. Da der Text sich jedoch auf die Verwendung von „fuckboy“ bezieht, haben wir uns entschieden, ihn in seiner Originalfassung beizubehalten und dazuzuschreiben, dass der Begriff nun überholt ist und für diese Bedeutung „bratboy“ genutzt werden sollte.

  • jd

    „Vielleicht benennt Fuckboy einfach zu spezifisch ein männlich-privilegiertes Verhalten und hat gerade deswegen auch im deutschen Sprachraum so viel an Beliebtheit gewonnen.“

    Das finde ich interessant. Ich will das dämliche Verhalten sicher nicht rechtfertigen, aber ich frage mich bei solchen Aussagen wie der hier zitierten immer, warum etwas als „Privileg“ gelesen wird, wenn es ganz offensichtlich doch ein Betteln um Anerkennung oder um sexuelle Aufmerksamkeit, wie auch immer, ist. Was an dem Verhalten ist denn auch nur irgendwie privilegiert? Das ist doch eher die Bestätigung jeder Abwesenheit von Privilegien.

  • Pinguinlöwe

    ich bezweifle das es fuckgirls gibt, außer vielleicht im Spam-Mail-Ordner. Es fühlt sich doch nach einem sehr männlichen Phänomen an und ein Blick auf die unterschiedliche Erziehung von Männern und Frauen kann meiner Meinung nach Rückschlüsse darauf geben.

    und ich empfinde das als priviligiertes Verhalten. Würde tausende dieser Nachrichten existieren wenn es nie klappen würde? (Ich weiß es nicht. Aber ich denke mir immer, es können doch nicht so viele so sein, wenn dieses System nicht funktionieren würde, denn sonst wäre das doch einfach Wahnsinn)

    Es scheint mir eine Art männliche Erlebniswelt zu sein, in der dem der brat oder fuckboy glaubt, dass er etwas bestimmtes verdient auf Grund von (Geschlecht, Hautfarbe, keine Ahnung)

    Unsere Gesellschaft erzieht generationen von Fuckboys (so kommt es mir manchmal vor).. und irgendwie will die doch eigentlich niemand haben. Also wie lässt sich das eigentlich ändern?


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