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Was ist los bei diesem Tweef?

Wenn zwei sich streiten, freuen sich die 100K Follower*innen.

19.05.16 > Netzkultur

Von Hengameh Yaghoobifarah

Wo Menschen sind, gibt es auch Drama. Soziale Medien bieten da nur weitere Schlachtfelder für Streitereien im kleinen oder sehr großen Stil. Die Reize kryptischer Statuseinträge, mehrdeutiger Emojis und natürlich der (Semi-)Öffentlichkeit bringen da viele Finger ins Kribbeln, wenn gerade mal wieder Luft abgelassen werden soll. Das Pingpong funktioniert auf so gut wie allen Social-Media-Plattformen. Twitter ist durch sein Konzept der Kurzbündigkeit jedoch besonders hervorzuheben. Die Herausforderung, in 140 Zeichen vor einem neugierigen Publikum schlagfertig zu sein, zieht nicht nur Promis an, sondern auch die, die ansonsten keine mediale Aufmerksamkeit erfahren. Sie ist so beliebt, dass es für Twitter-Streit einen eigenen Begriff gibt: Tweef, eine Fusion aus „Tweet“, dem Twitter-Eintrag, und „Beef“, englisch für Zoff.

Richtig Katastrophe: Zwischen Amber Rose und Kanye West lief ein krasser Tweef.
Richtig Katastrophe: Zwischen Amber Rose und Kanye West lief ein krasser Tweef.

Streiten sich zwei, meistens prominente, Personen öffentlich, fällt die Medienberichterstattung darüber sehr genderspezifisch aus. Darin werden Frauen sexistische Zuschreibungen wie Stutenbissigkeit, Streitlustigkeit und Hinterlistigkeit zugeschoben, um kleine Auseinandersetzungen zu bombastischen Rosenkriegen aufzublasen. Egal ob die Popstars Nicki Minaj und Taylor Swift gegeneinander wettern oder die deutsche Beauty-Guru Dagi Bee ihre Kollegin Bibi von Bibis Beauty Palace kritisiert, sobald sich zwei Frauen über etwas uneinig sind oder gegeneinander antreten, heißt es „Zickenkrieg“. Ob es sich um ein Missverständnis oder einen tatsächlichen Konflikt handelt, wird ganz außen vor gelassen: Hauptsache, der Skandal geht in sich auf.

Im Fall von Nicki Minaj und Taylor Swift spielte nicht nur die sexistische Berichterstattung um den „Bitch Fight“ eine große Rolle, sondern die Tatsache, dass Minaj in die Position der „wütenden Schwarzen Frau“ gebracht wurde, ein rassistisch-sexistisches Stereotyp, obwohl sie lediglich Kritik an der Musikindustrie formulierte, so Christina Coleman auf „NEWSONE“.

Der riesige Streit zwischen den Rappern Kanye West und Wiz Khalifa hingegen, der Anfang des Jahres noch Amber Rose, Wests UND Khalifas Exfreundin, sowie Kim Kardashian, Wests Ehefrau, in seinen Strudel zog, wurde nie als „Typenterror“ bezeichnet. Erst, als Rose sich einmischte, kippte die Situation und Rose wurde als Schlampe beschimpft. Eine Woche später schrieb sie ihren Essay „Wie ich lernte, mich nicht mehr drum zu scheren, was die Leute von mir denken.“ („How I Learned To Stop Caring What People Think.“) Damit verließ sie das Feld ein für alle Mal als Gewinnerin und feministische Ikone.


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