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Summer Fun, dein Ernst?

Über die Playmobil-Figur, die alle möglichen Stereotypen auf einmal verkörpert.

02.09.16 > Beruf

Von Leyla Yenirce

Vor drei Wochen bin ich mit meiner Familie in den Urlaub gefahren. Europäische Landschaften entdecken, an der atlantischen Küste die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und sich in Restaurants bedienen lassen. Das war Summer Fun! Was garantiert kein Fun ist, sind Toiletten putzen. Seriously Playmobil?! Als ich die „Summer Fun“-Edition sah, bin ich fast vom Hocker gefallen. Rassistisch, sexistisch und obendrein noch realitätsverzerrend bis zum get no. Waschen, bügeln, kehren, wischen. Natürlich macht das alles eine Frau und natürlich macht das alles eine Frau mit schwarzen Haaren. Denn für Schwarzköpfe besteht Fun daraus, für die weißen zu putzen. Die haben nämlich einen anderen Fun. Wie der aussieht, habe ich zu Beginn beschrieben.

© Fabien AUDRY
Summer Fun. © Fabien AUDRY

Die Reproduktion rassistischer Klischées tut ja niemandem weh, es ist ja nur Spielzeug. Denn die Aufgabe einer Frau mit schwarzen Haaren ist ziemlich monofunktional, sie besteht eben aus Putzen. Dass sie eine komplexe Identität besitzen könnte oder vielleicht auch nicht immer Putzfrau ist, wäre wahrscheinlich zu kompliziert, vor allem für Vier- bis Zehnjährige. Für die Kinder ist es nämlich schön einfach, die wissen dann, dass Reinigungskräfte – wie sie freundlicherweise genannt werden – Migrantinnen sind. So können sie ganz leicht kategorisieren und sorgenfrei weiterspielen mit ihrer Ayşe-Figur. WTF.

Meine Mutter ist eine Reinigungskraft. Wenn ich sie frage, ob ihr das Putzen Spaß mache, sagt sie natürlich nein. Denn es ist harte physische Arbeit und geht auf den Rücken. Sie macht ihren Job trotzdem gerne, weil sie beim Putzen ihre Ruhe hat, sich mit ihren Kolleginnen gut versteht und finanziell unabhängig ist. Denn genau das ist für sie Fun; Respekt, ein freundliches soziales Umfeld und am Ende Ca$h auf dem Konto. Aber noch mehr Fun ist für sie, wenn sie keine Putzfrau ist, sondern wie alle Menschen da draußen in einem neoliberalen Wirtschaftssystem fett in den Urlaub fährt.

Aber seriously, was ist das für eine Spielindustrie, an der anscheinend die letzten Millionen Diskurse unserer Gesellschaft vorbeigezogen sind? Ok, dass wir in einer strukturell rassistischen und sexistischen Gesellschaft leben, haben wir mit Menschenverstand bis heute nicht lösen können, aber es fühlt sich ein bisschen an wie Steinzeit, wenn wir immer noch solche Rollenbilder verhandeln müssen. Wahrscheinlich hätte ich auch einfach auf meinem Hocker sitzen bleiben können. Playmobil hat die Figur mittlerweile aus dem Sortiment genommen, dies jedoch ohne Begründung. Online wird die Putzfrau immer noch weiterverkauft.

Vor einiger Zeit habe ich mit anderen akademisierten Freunden bei einer Lesung in einem Café mitgemacht. Die Mehrheit der Vortragenden davon waren People of Color mit ziemlich schwarzen Haaren, obwohl ne, eine hatte die schwarzen Haare rot gefärbt, auch das gibt es nämlich. Nach der Veranstaltung hat dann aber niemand von uns oder unsere Mütter geputzt, sondern Steffen. Er ist Grafikdesignstudent ohne Kohle, weil Hamburg und Studium teuer sind und verdient sich was mit Putzen dazu. Das ist wahrscheinlich nicht der Regelfall, aber ja, auch weiße Männer putzen und nein, für ihn ist es garantiert kein Fun, wenn er die Flecken unserer Weingläser von den Tischen schrubbt. Er freut sich wahrscheinlich, wenn er seine Kohle am Ende in ein Tütchen Gras investieren kann und erst mal hart chillt nach seinem No-Summer-Fun-Putzmannjob.


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