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Sechs Gründe, um morgen gegen den „Marsch für das Leben“ zu demonstrieren

Es gibt noch mehr.

16.09.16 > Inland

Von Anna Mayrhauser

Am 17. September ziehen wieder einmal selbsternannte „Lebensschützer*innen“ beim „Marsch für das Leben“ durch Berlin und demonstrieren gegen das Recht auf Abtreibung und für ein christlich-rechtskonservatives Familienbild. Seit 2002 findet der Marsch statt, der Protest dagegen ist so wichtig wie eh und je. Weil das Recht auf Abtreibung immer noch ein feministisches Thema ist. Weil längst noch nicht alles erreicht ist. Weil weltweit Frauen* in ihren Reproduktiven Rechten beschnitten werden.

© David Vogt
© David Vogt

Hier sind sechs gute Gründe, um morgen gegen den „Marsch für das Leben“ zu demonstrieren.

1. Alles schon erreicht? Von wegen: Eine Schwangerschaft abzubrechen ist in Deutschland immer noch illegal, wenn auch unter gewissen Bedingungen straffrei möglich. Nach aktueller Rechtslage wird ein Schwangerschaftsabbruch nach der Fristenlösung nicht bestraft, wenn er bis zur 12. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird und zuvor ein Beratungstermin stattgefunden hat. Diese Beratung ist bevormundende Pflicht, kein freundliches Angebot.

2. Der Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, und unabhängigen Beratungsstellen ist in ländlicheren Gegenden immer noch nicht gewährleistet. Zum Beispiel in der katholisch geprägten Kreisstadt Paderborn, wo eine Pro-Familia-Beratungsstelle dieses Jahr um ihr Bestehen kämpfte. Oder in Westösterreich: Hier führt kein öffentliches Krankenhaus einen Schwangerschaftsabbruch durch.

3. Auch wenn es seit ein paar Jahren mehr Texte, Filme und popkulturelle Produkte gibt, in denen eine Abtreibung nicht nur als großes Trauma und moralisches Dilemma verhandelt wird: Eine Schwangerschaft abzubrechen ist immer noch ein Tabu. Darüber gesprochen wird wenig, das Thema wird ins Private verdrängt. Das muss sich ändern. Denn: „Der Schwangerschaftsabbruch gehört zum Leben dazu„, wie es die Autorin und Expertin für Reproduktive Rechte Sarah Diehl schon 2007 konstatierte.

4. Lebensschützer*innen? Dieses Wort ist zynisch. Nach Schätzungen der WHO sterben jährlich 47.000 Personen weltweit an den Folgen unsachgemäß durchgeführter Abtreibungen, nach Schätzungen des Guttmacher-Instituts liegt die Zahl im Bereich von 22.500 bis 44.000. In den USA übten radikale Abtreibungsgegner*innen wiederholt Attentate auf Abtreibungskliniken aus.

5. Der „Marsch fürs Leben“ besteht nicht aus ein paar Ü80-Fundamental-Christ*innen. Unterstützung kommt etwa von CDU/CSU-Politiker*innen wie Elmar Brock und Julia Klöckner. Auch AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch beteiligte sich in den letzten zwei Jahren rege. Der Marsch wird von neurechten Bewegungen unterstützt. Kein Wunder: Rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien in ganz Europa sprechen sich im Moment in ihren Parteiprogrammen für die Beschneidung Reproduktiver Rechte aus.

Zur Gegendemo und einem Aktionstag rufen das queerfeministische Bündnis whatthefuck und das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung auf.

6. Weil die Debatte um den Schwangerschaftsabbruch immer noch ein feministisches Thema ist. Gerade in einer Zeit, in der mithilfe von Pränataldiagnostik Ängste geschürt werden und Behindertenrechte und Reproduktive Rechte gegeneinander ausgespielt werden sollen. Denn wir brauchen mehr Selbstbestimmung für alle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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