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„Dann mache ich eben das Gegenteil“

Hier kommt der eindrückliche Beweis dafür, dass Zine-Kultur nach wie vor quicklebendig ist.

05.02.12 > DIY

Text Sonja Eismann
Interview Katrin Gottschalk

Hier kommt der eindrückliche Beweis dafür, dass Zine-Kultur nach wie vor quicklebendig und vor allem weiterhin by all means necessary ist. Denn im Girl Gang Zine gibt es Themen und Ausdrucksformen, die im Malestream einfach nicht vorkommen. Das Heft, von Maren Karlson (als Frl. Zucker unter anderem auch für das Design der wunderschönen Missy-Stoffbeutel zuständig) und Kristina Hens von der schnuckeligen ersten Ausgabe im rosa Miniformat zu einem beeindruckenden Zine-Magazine ausgebaut, ist dabei viele Subgenres in einem: zuallererst Grrrl-Zine, das unter dem Titel „The Role Model Issue“ Girlpower noch mal neu buchstabiert; Interview-Zine durch die zahllosen Gespräche mit coolen Frauen und höchst ungewöhnlichen Fragen, Musik-Zine wegen der vielen gefeaturten Musikerinnen wie Kate Nash, Karin Dreijer Andersson oder Marnie Stern (aber auch die übercoole Modebloggerin Tavi oder Liv Willars von Shebang Mag kommen zum Glück vor); und Art-Zine aufgrund der umwerfend liebevollen Aufmachung mit Zeichnungen, einem Poster und einem Mini-Zine im Zine (!). Ein absolutes Goldstück.
(Aus: Missy Magazine 04/11)

Mittlerweile haben Maren Karlson und Kristina Hens vom Girl Gang Zine schon über 300 Hefte verkauft und müssen in dem Copyshop ihres Vertrauens bald neue Exemplare ausdrucken. Missy hat die beiden auf einen Kaffee und ein Interview getroffen.

Missy: Zeigt die „Role Model“-Ausgabe eine Rundschau eurer liebsten Vorbilder?
Maren: Auf jeden Fall. Das ganze Heft ist total persönlich und subjektiv.
Kristina: Aber es kann natürlich nie komplett sein. Natürlich gibt es noch 20 weitere, die wir auch gerne da drin gehabt hätten. Maren hätte zum Beispiel gerne Joanne K. Rowling mit drin gehabt. Maren: Joanne K. Rowling hab ich auch angeschrieben! Aber da kam nie was zurück. Miranda July wäre auch toll gewesen.
Kristina: Und ich glaube, wir hätten beide gerne Carrie Brownstein von Sleater-Kinney mit drin gehabt. Kathleen Hanna auch. Wir haben einfach ganz viele Leute gestalkt und nach ihren E-Mail-Adressen gesucht. Wir haben auch unglaublich viele Leute angeschrieben dafür und sie gefragt, ob sie in unserem Heft über „Role Models“ dabei sein wollen.

Worauf seid ihr besonders stolz im Heft?
Kristina: Also ich glaube, wir finden beide besonders das Interview mit Khaela Maricich von The Blow sehr witzig. Das von Jess Scott übrigens auch. Das haben wir ja eigentlich alles schon tausendmal gelesen – das ist eigentlich fast schon wieder ein bisschen peinlich, dass wir da noch drüber lachen können. Manchmal zitiere ich in Gesprächen auch aus unseren Interviews.

Was war bisher das schönste Kompliment, das ihr für das Heft bekommen habt?
Kristina: Ich finde es immer gut, wenn Leute sagen, dass sie sich durch das Heft inspiriert gefühlt haben. Oder sich die Musik von Leuten in unserem Heft anhören, weil sie die Interviews gut fanden.
Maren: Jemand hat auch mal gesagt, wir würden mit unseren Fragen das Interessanteste aus den Leuten herausholen. Dass man auch bei Null anfangen kann – man braucht kein Vorwissen, um unsere Interviews zu verstehen.

Hat das Heft euer Leben beeinflusst?
Maren: Ich fand es gut, mal nicht immer nur alleine zu arbeiten. Das war voll schwierig für mich, aber auch sehr gesund. Man macht ja eh immer schon so viel alleine für die Uni. Aber das war auf jeden Fall richtig gut. Da hab ich viel über mich gelernt. Man muss ja nicht immer alle Entscheidungen alleine treffen, sondern kann sich auch mit einer anderen Person absprechen. Und man sieht auch mehr. Und: Der Name Girl Gang Zine macht mehr Sinn, wenn es mehrere sind, die das machen.

Wem würdet ihr das Heft gerne mal schenken? Welcher Person würde das Heft gut tun?
Kristina: Ich würde mir manchmal wünschen, dass Freundinnen von mir das lesen, die manchmal so wenig Antrieb haben und sich die ganze Zeit den Kopf über etwas zerbrechen. Da würde ich mir wünschen, dass sie das lesen und sich dadurch motiviert fühlen. Vielleicht bekommen die das einfach als Weihnachtsgeschenk aufgezwungen.
Maren: Ich fände es auch schön, wenn so 15-Jährige das lesen würden. In dem Alter fühlt man sich oft so unwohl und braucht jemanden der sagt: Es ist ok wie du bist – mach einfach etwas!
Kristina: Ich wünschte, ich hätte mit 15 so etwas lesen können!

Warum ein ausschließliches Girl Gang Zine?
Kristina: Ich weiß nicht. Ich hab schon viel darüber nachgedacht, warum das so ist. Ich glaube, weil ich irgendwann aus Trotz gesagt habe: Wenn ihr eben alle nur Typen gut findet, nur über Typen schreibt und nur Typen hört, dann mache ich eben das Gegenteil. Dann war ich immer so die Außenseiterin, weil ich nur Frauen gehört habe, obwohl die anderen auch nur Männerbands gehört haben. Ich war dann die Engstirnige. Und dann sind aber auch alle davon ausgegangen, dass ich jede Musik mit weiblichem Gesang gut finde.

Auf welches Konzert freut ihr euch im nächsten Jahr?
Maren: Wild Flag im Februar! Die würden wir auch gerne interviewen. Aber was fragt man da? Warum seid ihr so cool? Heiratet ihr uns? Oh ja, lass uns das gleich mal aufschreiben.

Neue Damen mit dem Zeug zum Vorbild findet ihr auf dem Blog des Girl Gang Zines.