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Murder on the dancefloor

Rückblick Perspectives Festival 2013

16.09.13 > Musik, ,

Rückblick Perspectives Festival 2013

Wie bereits von uns angekündigt fand letzte Woche das von female:pressure initiierte Perspectives Festival im about:blank in Berlin statt. An zwei Tagen wurde über den genderwise bedenklichen Zustand der elektronischen Musikszene diskutiert. Diverse Workshops wirkten dem vorherrschenden Vorwurf der vermeintlich mangelnden Musiknerdiness bei Frauen entgegen. Besonders fulminant gings am zweiten Tag beim Bookers’ Panel zu, der, moderiert von Missy-Sonja Eismann, Organisatoren von diversen Musikfestivals zu ihren Buchungspraktiken erzählen ließ.

Perspectives Panel: Bookers‘ Practices and decision making

Während der männliche Vorzeigebooker aus Schweden betonte, dass Gender Equality bei ihnen eine große Rolle spiele und maßgeblich von female:pressure geprägt sei, zeige das schwedische Volt-Festival doch immerhin einen Frauenanteil von 39%, redeten sich die Bookerjungs vom CTM und Melt!-Festival, so schien es, um Kopf und Kragen.  In vorsichtiger Verteidigungshaltung wurden die allseits bekannten Sachlichkeitsargumente vorgeschoben: Es gehe eben um die Musik. Nicht um die Einhaltung einer Quote. So eine Festivalplanung bestehe aus einem komplexen Geflecht vieler Parameter, führte Jan Rohlf vom CTM-Festival an. Es müsse terminlich, finanziell, und vom Programmablauf hinhauen, die Partner sowie Gastkuratoren müssten zustimmen. Ein großes Geflecht eben. Stefan Lehmkuhl griff die Verteidigungshaltung auf, beim diesjährigen Melt!-Festival, so hieß es, wollte eine angefragte Künstlerin nicht auftreten, weil ihr die Gage zu gering war. Raunen im Publikum, wütende Rufe. Man solle hier konstruktive Lösungsansätze entwickeln und sich nicht ständig mit Ausreden und Schuldzuweisungen aus der Problematik winden.

Den Organisatorinnen vom Listen up!-Festival, das kommendes Wochenende in Berlin stattfindet, gehe es jedenfalls darum, Berlins vielfältige Musikszene vorzustellen, die eben nicht nur weiß und männlich sei.

Quelle: listenupberlin.de

Und was waren die Standpunkte der eingeladenen Künstlerinnen? Fast alle waren sich einig, dass sie es von Anfang an als Musikerinnen nicht leicht hatten. Gudrun Gut, der dienstälteste weibliche Dj in der Runde hob die unheimliche Kumpelei innerhalb der Szene hervor. „Die Strukturen müssen frauenfreundlicher werden. Ich habe mich immer gefragt, wie frau beschaffen sein muss, um in der männlich dominierten Musikwelt Fuß zu fassen”. Ihr 1997 gegründetes Label Monika Enterprise beweist dabei, dass es ihr geglückt ist. Auch Angelika Lepper aka Acid Maria warf ein, dass sie schon Auftritte hatte, bei denen sie von männlichen Besuchern gefragt wurde, wer ihr denn die Plattenkiste gepackt habe.  Die dienstjüngste Dj Sarah Farina vom ebenfalls männlich dominierten Through my speakers Kollektiv räumte ein, dass sie sich immer sehr freue, wenn sie eine Frau kennenlerne, die ebenfalls so musiknerdimäßig unterwegs sei wie sie. „Das kommt aber selten vor”. Glücklicherweise verkehre sie selbst in einem Umfeld, das sie als Künstlerin sehr unterstütze.

Schaut man auf die Zahlen in den Künstlerdatenbanken von female:pressure und den Labels Monika Enterprise und Comfort Zone, stellt man fest, dass es zutrifft, was die Mädels von female:pressure auf ihrer Internetpräsenz schreiben:

It’s not our number, it’s about how we are recognized!

Wir freuen uns sehr, dass es dem Perspectives Festival gelungen ist, dieses sensible Thema endlich einem öffentlichen Diskurs zu unterziehen. Möge dies der Startschuss für viele weitere Plattformen dieser Art und einer Welle an Veränderungen sein. Herzlichen Dank an alle Beteiligten!

 

 


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