Gegensätze, Gletscher und Geldprobleme

Auch 2014 erfreut die „Diagonale“, das Festival des österreischischen Films, wieder mit einer großen Auswahl an weiblichen Filmschaffenden.

01.04.14 > Film & Serien

Auch 2014 erfreut die „Diagonale“, das Festival des österreischischen Films, wieder mit einer großen Auswahl an weiblichen Filmschaffenden.
Von Hedi Lusser und Ulrich Reiterer

Filmstill: Grand Central (Les Films Velvet)

Ein besonderes Highlight des Festivals war der neue Spielfilm von Johanna Moder. „High Performance“ ist Moders Abschlussarbeit an der Filmakademie Wien und handelt von einem ungleichen Brüderpaar, dass sich trotz scheinbarer Gegensätze ähnlicher ist, als man annehmen könnte. In ihrem humorvoll-leichtfüßigen Langspielfilmdebüt konfrontiert Johanna Moder grundverschiedene Lebenswelten und die ihnen zugrunde liegenden Werte. Es ist eine österreichische Komödie wie man sie kennt und liebt. Jedoch mit erfrischend neuen Gesichtern. Moder umgeht angenehmerweise, die allzu abgenutzten Gesichter des alpenländischen Films. Es gibt fantastische Off-Theater Szenen im goldenen Bikini und herrliche Gesprächskreise in der hippiesken „Guerilla Garage“. Eine dringende Empfehlung.

Außerdem gab es auch Alpen-Horror mit Abtreibungsproblematik: Blutgletscher“ von Marvin Kren setzt mit bewährter Schauspielerriege auf eine dramatische Bergkulisse, in der allerlei mutierte Bergtiere ihr Unwesen treiben. Der Besuch der Ministerin verleitet die ForscherInnen dazu, die Existenz blutrot gefärbter Gletscherregionen inklusive mutierter Riesenasseln zu vertuschen – ein tödlicher Fehler! Zwar entbehrt der Film nichts an Humor oder Schreckmomenten – aber die Glaziologin, die bereits in ihrer ersten Szene traurig eine trächtige Kuh beäugt, nur um in weiterer Folge dem Held des Filmes zu gestehen, sein Kind abgetrieben zu haben und schlussendlich (Achtung Spoiler!) eine Hund-Mensch-Mutation adoptiert – ist bei aller Liebe zum Trashkino – doch zuviel des Guten.

Eine Liebe im Schatten des Atomkraftwerkes: Der zum Teil in Österreichs einzigem, aber nie in Betrieb gegangenen AKW gedrehte Film „Grand Central“ von Rebecca Zlotowski umreißt in sorgfältig arrangierten Bildern eine Dreiecksbeziehung von ZeitarbeiterInnen. Gary ist auf der Suche nach Geld und nimmt den risikoreichen Job an, befreundet und verliebt sich. Um seinen Traum aufrecht zu erhalten geht er bis ans Äußerste und manipuliert sogar seinen Dosimeter… In der weiblichen Hauptrolle die großartige Léa Seydoux aus „Blau ist eine warme Farbe“.


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