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All She Can Eat #5: Kelly McClure

Sie schrieb immer die besten schnippischen Musikrezensionen für das Bust Magazine. Feministische Szene, meint sie, ist überall, wo Feministinnen sind. An diesem Abend also in einer Kneipe in Crown Heights.

25.08.14 >

Diese Woche war ich gut beschäftigt, für meinen neuen temporären Arbeitgeber Vice News habe ich über Ebola, die womöglich gefälschten Pässe des Islamischen Staates, Antisemitismus in Deutschland, „Mein Grundeinkommen“ und einen Footballspieler aus Würzburg geschrieben. Außerdem habe ich jetzt ein Fahrrad, mit dem ich in jeder freien Minute durch Brooklyn pedale, auf der Suche nach Buchläden, Food Trucks oder besonders guten Blickwinkeln nach Manhattan, die mir bislang verborgen geblieben sind. Kurz: ich hänge hinterher.

Bevor es also noch länger dauert und weil ich langsam faul werde und weil diese Woche noch zwei weitere „All She Can Eat“ Dates anstehen – geheim –, variiere ich mal das Format: Fragebogen und Illustration statt Porträt.

Kelly McClures Namen habe ich das erste Mal in „Bust“ gelesen, dem feministische US-Magazin, das ich seit einem Jahrzehnt abonniere und das als Vorlage für Missy diente. Kelly war dort jahrelang Musikredakteurin und ihr Name stand unter gefühlt der Hälfte aller Musikkritiken und Interviews. Ihre Texte waren immer sehr lustig, auf eine selbstironische Art und sie erzählten viel von ihrem Leben.  Was in einer Musikrezensionen schon eine ziemliche Leistung ist.

Ich stellte mir damals vor, wie sie in einem schicken Büro in Manhattan, umringt von vielen anderen geschäftigen Feministinnen, ihre Rezensionen tippt, während im Hintergrund die Telefone schrillen und Boten neues Sexspielzeuge zur Rezension vorbei bringen. Bei Bust schienen viele Leute zu arbeiten. Wie sich später herausstellte, saß sie während dieser Zeit vor allem zu Hause und hatte nebenher noch drei weitere Jobs (über die berichtet sie hier) – wie fast alle, die in New York nicht unter einer Brücke leben wollen.

Heute hat sie immer noch drei Job, allerdings nicht mehr bei Bust. Nach einer Zwischenstation bei Vice arbeitet sie jetzt als Redakteurin für das Total Bozo Magazine, das sie mitgegründet hat, und von New York aus für eine Musik-PR-Agentur in Portland.

Vor ein paar Wochen hatte ich ihr auf Facebook geschrieben und angekündigt, dass ich in die Stadt komme. Falls sie es nicht total gruselig fände, von einer Wildfremden auf Facebook angequatscht zu werden, die sie nur durch ihren Rezensionen kennt, sollten wir mal ein Bier trinken gehen. Sie fand es nicht total gruselig.

Letzte Woche stellen wir dann fest, dass wir beide auf unterschiedlichen Seiten des Prospect Parks wohnen – Brooklyns Central Park-Ersatz und Sammelstelle für JoggerInnen, PicknickerInnen, Kindergeburtstage und Familienfeiern aller sozialen Schichten. „Oh great, there’s a place by me called Franklin Park and they have amazing fries and booze shakes!!!“ Ich weiß nicht, was Booze Shakes sind, aber es klingt super, also treffen wir uns auf ihrer Seite in Crown Heights.

Franklin Park ist so eine Art Biergarten, in dem Burger, Bier, Shakes und Pommes serviert werden. An dem Tag regnet es, nein: es schüttet. So sehr, dass ich kaum die Straße zum Laden überqueren kann und mit durchweichten Sneakern und sturmgegerbter Frisur ankomme. Der Garten ist unter Wasser und dampft in der New Yorker Sommerhitze. Zum Glück gibt es drinnen ein paar Tische in einer Art offenen Halle und an einem von ihnen sitzt Kelly. Ich erkenne sie an dieser immensen schwarzen Schaufensterbrille, die seitlich über ihr Gesicht hinausragt und mit der sie aussieht wie Enid Coleslaw aus Ghost World.

Wir warten noch eine Weile, ob vielleicht ein etwas weniger winziger, weniger zugiger und überrannter Tisch frei wird, den wir mit mehr Essen volladen können, geben dann auf und bestellen einen Milchshake mit Bourbon (für mich) und Curly Fries mit scharfer Chipotle Mayonnaise, von denen Kelly behauptet, sie seien das beste, was hier auf dem Menü steht. Die Fries sind tatsächlich sehr gut, aber an den Shake denke ich seit Tagen zurück. (Berliner GastronomInnen, falls ihr das hier lest: Nehmt den Booze Shake in eure Karte auf. Ihr werdet reich. Es ist als würde man eine kühle Zabaione durch einen Halm trinken.)

Weil wir danach den Rest des Abends sehr lustig damit verbringen, über ehemalige Arbeitgeber und die Popmedienbranche zu lästern und Booze Shakes zu trinken (zumindest ich, Kelly trinkt Bier), kann ich den weiteren Verlauf unseres Gesprächs nicht mehr so genau wiedergeben. Dafür habe ich es ein Bild gemalt. Und Kelly gebeten, den Fragebogen auszufüllen, den ich aus Gründen der Arbeitsersparnis entwickelt habe.

 

Who are you and what are you up to?
My name is Kelly McClure and I am a music publicist for Riot Act Media, and the co-creator/editor of Total Bozo Magazine. Formerly the Associate Music Editor for BUST, and the Music Editor for VICE.

How was your day?
It was rainy, so I was damp and my glasses kept fogging up, but I was good.

Where are we eating/drinking today and why did you choose this place?
I picked the bar Franklin Park to hang out because it was close to my apartment and because it’s my favorite bar in my neighborhood. It’s usually much less crowded but because it was raining people weren’t able to sit on the outside patio. I like their food quite a lot (the grilled cheese is amazing, and the chicken sandwich is too), and their happy hour specials are nice. They have a blood orange beer that I like to get sometimes.

What is the best thing on the menu here?
Split between the grilled cheese and the seasoned curly fries, although I think I mostly like the curly fries because of the chipotle mayo that you can get on the side.

How would you describe the crowd that youd meet here in typical night?
As with most bars the crowd differs drastically on weeknights vs. weekends, but it’s usually artsy neighborhood people and weird dates. haha. I’m pretty sure a lot of people pick this bar to take their Tinder and OkCupid dates to because it’s nicer and doesn’t look like a shit hole, plus it has a full menu. One night my fiancé Lindsey and I went there hoping it would be empty so we could sit in peace and read while drinking (which we like to do because we’re 100) but they were having a work party for the fire department and we had to leave because they got so loud. It was like every dad in the world was there with his mustache.

Who would you typically take/not take here?
I’d take mostly anybody here.

What happened the last time you were here?
I had drinks and fries with Molly Simms, the Senior Editor for Bust and we talked about the last time we both did acid. haha.

What are your favorite feminist hangouts in the city?
I think that any place you go to, literally any place – from a gas station bathroom to a bar in Queens – should and can be a feminist hangout. I mean, I’m a feminist, people are feminists, so wherever they go … that’s a feminist hangout at that moment I suppose.

Who are the most interesting people/networks/media in the city right now?
There’s honestly not a whole that that’s impressing me these days but I think Bust is always doing interesting things, Brokelyn is a great sight for cheap and interesting things to do in Brooklyn, and I like New York Magazine’s Bedford and Bowery site for hyper local coverage.

Who else do you think I should meet while I am here?
You should meet Laurie Henzel at Bust. She’s an inspiration.

Sure. Why don’t you set something up, Kelly. Preferably over booze shakes.

Folgt Kelly hier auf Twitter oder lest ihre Artikel für das Total Bozo Magazine, um euch fünf Mal täglich zu amüsieren.

 

  • ExWuschel

    Danke für diesen (und all die anderen) tollen Artikel aus NY! Kurzer Hinweis: Der Link, der zu Kellys Twitteraccount führen soll, führt zu Chris‘ (ebenfalls interessanten) VICE-Artikeln.

  • Chris

    Danke für den Hinweis, ist behoben.


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