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Berlinale: Fifty Shades of Grey

„Fifty shades of fucked up“, sagt Gelegenheitssadist Christian Grey (Jamie Dornan). Was für ein Omen für diesen Film!

12.02.15 > , Film & Serien,

Von Annette Walter

Irgendwann, als er die Peitsche mal kurz abgelegt hat, sagt Jamie Dornan als smarter Milliardär und Hinternversohler Christian Grey diesen Satz und er klingt wie eine einzeilige Rezension des Films: „Fifty shades of fucked up.“ Wenn man nur die Sexszenen verwendet und alle Dialoge zwischen Dakota Johnson und Dornan eliminiert hätte, dann wäre aus dem Roman von E.L. James, der sich bisher 70 Millionen Mal verkauft hat, vielleicht ein durchschnittlicher Soft-Porno geworden. Doch die Dialoge sowie die Mimik der beiden Hauptakteure sind so unfreiwillig komisch, dass bei der zweiten Pressevorführung auf der Berlinale gelacht wurde, als säße man in einem Monty-Python-Film.

Copyright: Universal Pictures
Filmstill: Universal Pictures

„Ich schlafe nicht mit jemandem. Ich ficke. Hart“, klärt Grey die naive Literaturstudentin Anastasia Steele gleich am Anfang auf. Womit der Gute nicht so ganz recht hat, denn in seinem Designerloft haben die beiden dann doch erst mal hollywoodtauglichen Sex. Jeder bedeutungsschwanger daherkommende Dialog läuft in dem über zweistündigen Film ähnlich ab: Dornan versucht verzweifelt, finster zu blicken, er, der Schuft, der dieser blümchenblusentragenden Sex-Novizin ständig eine SM-Beziehung aufquatschen will. Manchmal entschlüpft ihm doch ein Grinsen, als müsse er selbst über diese alberne Rolle lachen. Johnson, blaue Kulleraugen, beißt sich permanent auf die Unterlippe – „Sie will es doch auch“ – und runzelt die Stirn zum nächsten unmoralischen Angebot: Huch, Analfisting im Vertrag, der die Beziehung der beiden regeln soll? Ach nö. Zu dieser Farce passt der weichgespülte Soundtrack. Was hat sich Sam Taylor-Johnson bloß bei den schwülstigen Songs, die fast jede Szene penetrant bedudeln, gedacht? Die Frau ist doch mit den Pet Shop Boys befreundet. Hätte sie die doch mal für den Soundtrack konsultiert.

Na gut, irgendwann hat Christian Anastasia dann so weit. Als er sie dann aber statt mit der Pfauenfeder mit sechs Peitschenschlägen – schön mitzählen – bearbeitet, hat Anastasia die Schnauze voll. Striemen auf dem nackten Hintern zu zeigen wie in „Nymphomaniac“ würde sich dann aber doch doof machen. Könnte ja noch einer auf die Idee kommen, dass hier gerade eine Frau geschlagen wurde. Aber am übelsten geht es sowieso Grey nach diesen Hieben. Er will das ja alles gar nicht, aber seine Mutter war eine cracksüchtige Prostituierte, deshalb. Anastasia hat sich aber eh schon verliebt. Aber auch die BDSM-Faxen dicke. So schließt sich der Aufzug, zumindest für diesen Film. Möge er für immer geschlossen bleiben!


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