Ja-ja-jaaaaa! Ja? Wie virtuelle Vulven den Orgasmus entmystifizieren

Ein junges Start­up will zur weiblichen Lust aufklären – denn scheinbar ist diese auch 2016 noch ein Rätsel.

Von Osia Katsidou

Auf der Webseite OMGYes können Nutzer_innen Techniken lernen, wie sie – allein oder mit Partner_in – zum Höhepunkt kommen. Kurze Clips und virtuelle Anwendungen stellen dafür instruktiv und interaktiv diverse Methoden vor wie für das richtige Handanlegen. Und so behandelt die erste Episode das Thema Berührung und klitorale Stimulation und ist unterteilt in unterschiedliche Kategorien. Da gibt es etwa „Edging“ (kurz vor dem Kommen pausieren und noch mal von vorn anfangen), „Hinting“ (nicht direkt die Klitoris berühren, sondern sie umfahren) oder „Surprise“ (zwischen verschiedenen Berührungen wechseln und keine Routine entstehen lassen).

© 2015 For Goodness Sake LLC
In verschiednen Clips erzählen Frauen von ihrer Masturbations-Technik. © 2015 For Goodness Sake LLC

Jede Kategorie zeigt eine oder mehrere Vorführerinnen, die demonstrieren, wie und wo sie sich selbst berühren, um zum Orgasmus zu gelangen. Mit den interaktiven Anwendungen kann man als Nutzer_in an der virtuellen Klitoris in Großaufnahme ausführen, was zuvor gelernt wurde. Über die Anwendung geben die Vorführerinnen dann Feedback, zum Beispiel „Genau so, mach weiter” oder „Nicht so schnell, sonst komme ich gleich.” Der Vorgang ist anfangs etwas merkwürdig, schließlich klickt man an einer fremden Klitoris rum. Nach kurzer Zeit möchte man allerdings der Anwendung zeigen, dass man auch aufgepasst hat und die zuvor gelernten Lektionen umsetzen kann.

Die Mitgliedschaft bei OMGYes kostet einmalig 39 Dollar (etwa 36 Euro) und gibt Zugang zu allen Videos, Anwendungen und Interviews. Nach der ersten Episode zur vaginalen Berührung sollen in Zukunft die Themen Penetration, Wechseljahre und Sex nach der Geburt aufgearbeitet werden.

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Mit der App könnt ihr entspannt im Bett noch mal checken, ob ihr lieber mit der „Sunrise“- oder „Edging“-Technik starten wollt. © 2015 For Goodness Sake LLC

Gegründet wurde OMGYes Ende 2015 als Startup in San Francisco von den Freund_innen Lydia Daniller und Rob Perkins, die dem Mangel an wissenschaftlichen Erkenntnissen beim weiblichen Höhepunkt entgegenkommen wollten. Dabei ging es ihnen nicht um biologische Faktoren oder was genau im Körper während des Orgasmus geschieht. Viel mehr wollten die Köpfe hinter OMGYes herausfinden, wie Frauen dort überhaupt hinkommen.

Die lesbische Lydia und der heterosexuelle Rob befreundeten sich während des Studiums. Während eines Gesprächs in der gemeinsamen Clique nahmen sie die weibliche Lust auseinander und entwickelten die Idee zur eigenen Lehr-­Webseite. Ganz konkret um OMGYes wurde es, als die Zwei 1.000 freiwillige Teilnehmerinnen im Video­Chat zu ihren sexuellen Vorlieben befragten. Die Erkenntnisse daraus im Sack, stellten sie ihre Idee dem renommierten Sex-­Institut Kinsey der Universität Indiana vor, mit dem sie anschließend weitere 1.000 Teilnehmerinnen im Alter zwischen 18 und 95 dazu interviewten, wie diese zum Höhepunkt kommen.

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Ein zufriedenes Lächeln nach dem Orgasmus. © 2015 For Goodness Sake LLC

Somit ist OMGYes das Resultat von genauer Forschungsarbeit. Dennoch bleibt die große Aufklärung beim Besuch der Webseite aus, besonders die virtuellen Anwendungen fühlen sich eher wie eine technische Spielerei an. Doch was die Webseite ganz sicher erzielt, ist der weiblichen Befriedigung ihr Tabu zu nehmen und den Austausch unter Frauen zu fördern.

Mehr als das technische Know­-How fehlt vielen nämlich aktuell das Bewusstsein über die eigene Lust und der Anspruch zum eigenen Orgasmus. OMGYes normalisiert den Höhepunkt von Menschen mit Vaginas, eine wichtige Zielsetzung, die ihre 39 Dollar absolut wert ist.


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