Wer keine „Mean Girls“-Zitate kennt, hat die 00er-Jahre verpasst

Denn kein Teenie-Film kann mit den Meme-Girls mithalten.

Von Hengameh Yaghoobifarah

Wer im Jahr 2004 ein Teenie war, kam schwer an Mark Waters Highschool-­Movie „Mean Girls“ (auf Deutsch: „Girls Club – Vorsicht bissig!“) vorbei. Mit Lindsay ­Lohan in der Hauptrolle und klassischen Jugendthemen im Plot war er nämlich der heiße Scheiß, der für die besten Gespräche auf dem Schulhof sorgte. Die siebzehnjährige Cady betritt nach jahrelangem Homeschooling zum ersten Mal eine öffentliche Schule und macht ihre ersten Erfahrungen in Sachen giftige Gruppendynamiken, Freund_innenschaft und romantische Liebe. Nach Vorlage von Rosalind Wisemans Elternratgeber „Queen Bees and Wannabees“ schrieb Tina Fey das Drehbuch eines Films, der Satire und Ernst zugleich ist.

Bild: Filmstill "Mean Girls"/Paramount Pictures
© Mean Girls/Paramount Pictures

Noch heute, elf Jahre später, bestehen seine Relevanz und sein Kultstatus. Ob im Netz oder offline: Wer noch nie ein „Mean Girls“-Zitat gehört oder selbst gemacht hat, hat die 2000er-Jahre verpasst. Sei es der Ausdruck „fetch“, den Gretchen Wieners dann verwendet, wenn andere „cool“ sagen. Oder der ­pinke Dresscode mittwochs, der Hype um den mysteriösen Glen Coco und die Ausschluss­klausel „You can’t sit with us“ – akkurat aufs Leben passend bietet der Film Sätze und Ausdrücke für jede Situation.
Mittlerweile ist „Mean Girls“ längst ein weltweites Netzphänomen. Dieses versucht Angela Water­cutter für „Wired“ zu erklären. Sie meint: Kultige Teenie-Filme gab es auch schon zuvor, doch ohne Tumblr und Twitter war das Internet in den 90ern noch nicht bereit dafür. Bei „Mean Girls“ war es anders. Die sarkastische Stimme des Films konnte das Internet einfach übernehmen, die entstehenden Memes hatten Plattformen zur Verbreitung.

Profilfoto Hengameh Yaghoobifarah

Hengameh Yaghoobifarah

Hengameh verbrachte den Großteil der Jugend vor dem Fernseher, im Internet und zwischen Bücherseiten. Nach dem Abi machte Hengameh einen BA in Medienkulturwissenschaft und Skandinavistik in Freiburg und Linköping. Nach einem Praktikantum bei den an.schlägen landete Hengameh in Berlin, wo Hengameh Missy-Redakteur*in ist, schreibt und bloggt, u.a. für QUEER VANITY, Mädchenmannschaft.net, taz und an.schläge.

Mehrere trafficreiche Twitter-Accounts widmen sich dem Zitieren aus diesem Film, der Account @MeanGirlsTexts etwa hat 60.000 Follower. Zum zehnjährigen Filmjubiläum gab es sogar auf dem offiziellen Twitter-Account des Weißen Hauses ein „Mean Girls“-Zitat.
Auf zig Webseiten kann man Ranglisten mit den besten Zitaten lesen, darunter auf MTV.com, „Thought Catalogue“ und „BuzzFeed“. Auf „BuzzFeed“ wird jedes einzelne Zitat auf einer eigenes angelegeten Fetchness-Skala verortet – Gretchen Wieners würde das sehr gefallen.

„BuzzFeed“ geht noch weiter: Autor Matt ­Stopera bewies mit dem Artikel „Definite Proof That Every­thing Is Better With ‚Mean Girls‘“, dass einfach alles, also Filme, Hausaufgaben, Demonstrationen und Politiker_innen durch das Einsetzen von „Mean Girls“-Zitaten eine Aufwertung von bis zu 300 % erfahren. Die kunsthistorische Relevanz bleibt dabei auch nicht auf der Strecke: Ebenfalls auf „BuzzFeed“ entdeckte Nia Alavezos die passenden Zitate für Kultgemälde wie „Medusa“ von Caravaggio oder Picassos „Les Desmoiselles d’Avignon“. So fetch!

Es geht auch offline weiter. Mariah Careys Song „Obessesed“ (2009) bezieht sich auf das „Mean Girls“ Zitat „Why are you so obsessed with me?“, Jennifer Lawrence zitierte 2013 in ihrer Rede bei den People‘s Choice Awards die finale Abschlussballszene des Films. 2010 gab es dann das Remake „Mean Girls 2“, das aber kaum mit der Resonanz des Vorgängers mithalten kann. Derzeit arbeiten Tina Fey und Jeff Richmond an einem „Mean Girls“-Broadway-Musical.

Auf Netflix hat es der zeitlose Klassiker in die Bibliothek geschafft und wer ihn sich am 3. Oktober zum internationalen „Mean Girls“-Tag nicht angeschaut hat, sollte es bald nachholen.


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