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#BlackLivesMatter und die Leerstellen in der Berichterstattung

Weil rassistische Polizeigewalt auch ein deutsches Problem ist.

11.07.16 > Inland, Welt

Von Maryam Qasim

Berlin, London, Amsterdam: Die Betonlandschaften dieser drei Städte boten die Kulisse für laute Proteste, ausgelöst durch die rassistischen Morde in den USA. Was allerdings in der Berichterstattung ausgeblendet wurde: #BlackLivesMatter gilt überall, also auch hier, auf der anderen Seite des Atlantiks. Das haben die Demonstrierenden auch auf der gestrigen Veranstaltung klargemacht, wie auf dem Bild über der Meldung in der „Berliner Morgenpost“ zu sehen ist. Auf dem Schild steht: „Deutschland, du hast ein Rassismusproblem!“

Liegender Protest am Potsdamer Platz während der #BlackLivesMatter-Demonstration am 10. Juli 2016 in Berlin © Chris Schulz
Liegender Protest am Potsdamer Platz während der #BlackLivesMatter-Demonstration am 10. Juli 2016 in Berlin © Chris Schulz

(Bildbeschreibung: Die Demonstrierenden liegen auf dem Potsdamer Platz in Berlin und zeigen Solidarität mit den Betroffenen. Einige halten Schilder mit den Aufschriften „Deutschland, du hast ein Rassismusproblem“, „White Silence Is Violence“ und „Alton Sterling“ hoch.)

Trotzdem steht sowohl im Text als auch in der Überschrift, dass die Organisator*innen gegen Rassismus in den USA protestieren. Der Leser*innenschaft vorzuenthalten, dass die Aktivist*innen sich auch gegen rassistische Polizeigewalt in Deutschland aussprechen, verstößt gegen die journalistische Sorgfaltspflicht, die im Pressekodex festgeschrieben ist:

„Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben.“

#BlackLivesMatter-Demonstration am 10. Juli 2016 in Berlin © Chris Schulz
#BlackLivesMatter-Demonstration am 10. Juli 2016 in Berlin © Chris Schulz

(Bildbeschreibung: Demonstrierende gehen mit erhobenen Fäusten die Route entlang. Vorne halten einige Personen das Banner mit der Aufschrift „#Black Lives Matter“ fest.)

Dass falsche Zahlen (laut Polizei sind es 500, Fotograf*innen und Veranstalter*innen geben 1.200 an) im Umlauf sind, ist die eine Sache. Es lässt den Protest kleiner und damit unbedeutender erscheinen. Was aber hier und auch sonst in der Diskussion der rassistischen Morde aus der letzten Woche vorkommt, ist die Tatsache, dass das Thema Rassismus und rassistische Polizeigewalt in Deutschland nicht erwähnt wird. Es wird so getan, als würde die Musik nur in den USA spielen. Das funktioniert über Outsourcing: aus den Augen, aus dem Sinn. Rassismus ist demnach etwas, das nur in den USA stattfindet, rassistische Polizeigewalt kommt somit nicht in Europa vor. Auch in Deutschland leben Schwarze Menschen und auch sie erleben Rassismus und rassistische Polizeigewalt, die auch tödlich enden kann: Oury Jalloh, Christy Schwundeck, Laye Condé, Jaja Diabi und viele andere beweisen das.


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