Lies ein Buch – oder viele

Am Lies-ein-Buch-Tag teilt die Missy-Redaktion mit euch die Literaturtipps für den Herbst.

Von Patricia Bonaudo

Heute ist Lies-ein-Buch-Tag und sowieso rückt der Herbst immer näher. Ihr fragt euch vielleicht schon, welche Bücher es sich zu lesen lohnt. Wir haben in der Redaktion ein paar Tipps zusammengetragen, die euch nicht nur durch den Tag, sondern durch die gesamte kalte und dunkle Jahreszeit bringen.

© Fred Guillory/Flicker/CC by SA-2.0
© Fred Guillory/Flicker/CC by SA-2.0

Mithu M. Sanyal, Vergewaltigung, Edition Nautilus
„Die Art, wie wir über Vergewaltigung denken, steht in einem erschütternden Verhältnis zu der Art, wie wir über Sex denken – und damit sind Sexualität und Geschlecht gleichermaßen gemeint.“ In unserem aktuellen Heft durften wir bereits einen Auszug ihres Buches abdrucken. Nun ist endlich das ganze Buch zu haben. Es ist unser absoluter Lesetipp für den Herbst, denn Mithu M. Sanyal bringt damit den wichtigsten Beitrag in die Debatte um Vergewaltigung ein, der so was von überfällig ist.

Margarete Stokowski, Untenrum frei, SEX. MACHT. SPASS. UND PROBLEME, Rowohlt
In ihrem Buch, das am Donnerstag erscheint, schreibt Margarete Stokowski von den kleinen schmutzigen Dingen und über die großen Machtfragen. Es geht um Schamgefühle und wie sie uns einschränken – und dass wir sie loswerden können. Über Margarete Stokowski müssen wir eigentlich nicht viele Worte verlieren. Ihre SPON-Kolumne alleine lässt ja schon großartiges erwarten.

Pinar Tuzcu, „Ich bin eine Kanackin“. Decolonizing Popfeminism – Transcultural Perspectives on Lady Bitch Ray, transcript verlag
Der Diskurs um postmigrantische Popkultur in Deutschland wird durch Pinars Buch um einen vielversprechenden Beitrag erweitert. Lady Bitch Ray als hybride Kunstfigur passt in diesen Diskurs gut rein. Klingt alles gut, finden wir.

Henna Räsänen, A Hypothetical Love Triangle. Comics, Illustration, Frustration, edition assemblage
Die queere Femme Henna erzählt in ihren Comics von ihren Erfahrungen in der queeren Berlin-Bubble (angereichert mit Helsinki-Erfahrungen): von witzigen Missverständnissen, von unangenehmen Situationen und von vorherrschenden Normen. Ihre Comics sind in zahlreichen Zines, auf Postkarten und in der „an.schläge“ schon zu bewundern, deshalb freuen wir uns sehr auf das Buch.

Mareice Kaiser, Alles inklusive, Aus dem Leben mit meiner behinderten Tochter, Fischer Taschenbuch
Auf ihrem Blog „Kaiserinnenreich“ schreibt Mareice Kaiser über ihr Leben mit ihren Töchtern, mit und ohne Behinderung. Witzig und schön und immer zum laut Ja-Rufen. Im November erscheint ihr erstes Buch und es kann eigentlich nur gut werden.

Claus Leggewie, Anti-Europäer – Breivik, Dugin, al-Suri & Co., Edition Suhrkamp
Wer verstehen will, welche Personen und Strömungen Europa bedrohen,  welche ideologischen und/oder realen Verbindungen es  zwischen dem norwegischen Rechtsterroristen Anders Breivik, dem russischen Chefideologen Alexander Geljewitsch Dugin, den rechtspopulistischen Parteien AfD, FPÖ und Front National sowie Al Quaida und dem IS gibt, der lese dieses Buch.

Kate Tempest, Hold Your Own, Edition Suhrkamp
Kate Tempest macht nicht nur Musik, sie schreibt auch, Lyrik und Theaterstücke. „Hold Your Own“ ist ihr zweiter, wirklich großartiger Lyrikband. Kate Tempest verbindet Alltägliches mit Mythologie und Götter mit Geschlecht. Feinste Lyrik in einem Buch!

Marcia Zuckermann, Mischpoke!, Frankfurter Verlagsanstalt
Marcia Zuckermanns fulminanter Roman erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie über vier Generationen hinweg zwischen „Westpreußen“, dem roten Wedding der 1920er-Jahre und der Gegenwart. Ein Familienroman im allerschönsten Sinn, der Tragisches manchmal sehr komisch erzählt und an den nicht-bürgerlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus erinnert. 

Marc Aurel, Selbstbetrachtungen, Reclam
Manchmal darf es auch ein Klassiker sein. Denn immer, wenn es Emily schlecht geht, sie nicht genau weiß, warum sie sich mal wieder so einen Kopf macht, dann blättert sie in diesem Reclam-Heftchen. Sie hat es schon so oft gelesen und verschenkt, dass alleine der Einband sie schon ruhiger werden lässt. Wir finden, das kann ruhig mal weiterempfohlen werden.

Annika Reich, Lotto macht, was sie will!, Hanser Verlag
Zahnputzregeln, Waschtage, Mülldienste und Ins-Bett-Gehen, Lotto entdeckt in jeder öden Alltagspflicht ein Riesenabenteuer. Das witzige Kinderbuchdebüt von Annika Reich ist ein tolles Buch zum Vorlesen und natürlich zum ersten Selberlesen.

Katherine Applegate, Crenshaw – Einmal schwarzer Kater, FISCHER Sauerländer
Crenshaw ist kein gewöhnlicher Kater, denn er ist riesengroß und isst gerne lila Geleebohnen und er ist unsichtbar. Der Einzige, der ihn sehen kann, ist Jackson. Immer wenn alles zu schlimm für Jackson wird, denn Geld ist immer knapp und seine Mutter muss mehrere Jobs gleichzeitig machen, taucht Crenshaw auf. Er versteht Jackson wie kein anderer und zeigt ihm, dass es ok ist, wütend zu sein. Ein lustiges Buch, das ein wichtiges Thema anspricht: Kinderarmut.

Nancy J. Della, Das Wort, das Bauchschmerzen macht, edition assemblage

Eine spannende Geschichte um die Schwarzen deutschen Zwillinge Lukas und Lennard, die (nicht nur) Kindern zeigt, wie verletzend rassistische und diskriminierende Sprache ist. Aber auch, wie sich Eltern, Lehrer*innen und nicht zuletzt die Kinder selbst aktiv für ein respektvolles Miteinander einsetzen. Zum Vorlesen und Miteinander-Reden. Wir freuen uns darüber.

Jochen Raiß, Frauen auf Bäumen, Hatje Cantz Verlag
Total begeistert und aus dem Häuschen empfehlen wir wärmstens diesen Bildband, denn alle Bilder sind aufgegabelt, Fundstücke aus privaten Fotoalben und einfach wunderschön und witzig.
Jochen Raiß versammelt die Bildfunde eines charmanten Genres, das zwischen den 1920er- und 1950er-Jahren beliebte, aber bislang in keinem Buch thematisierte Motiv von Frauen auf Bäumen, die er in über 25 Jahren Flohmarktsuche zusammengetragen hat. Ob lässig in die Astgabelungen geschmiegt oder sportlich die Baumwipfel erklimmend – jedes Bild hat seine ganz eigene Geschichte! Cool!

Mark Blake, Freddie Mercury – A Kind of Magic, Knesebeck Verlag
Gestern wäre Freddie Mercury 70 Jahre alt geworden. Zu seinem Geburtstag gibt es einen beeindruckenden Bildband mit wundervollen, schönen Bildern.


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