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May Ayims Geburtstagssause

Bei “M(a)y Sister” verhandeln und feiern Aktivistinnen und Künstlerinnen afrodeutsches Empowerment im HAU.

27.04.17 > Theater

Interview von Sônia Kewan

Sie ist Inspirationsquelle und Vorbild für viele afrodeutsche Aktivist*innen. May Ayim würde nächste Woche ihren 57. Geburtstag feiern. Die akademische Aktivistin Natasha A. Kelly nimmt diesen Tag zum Anlass, um die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von afrodeutschen Frauen kunstvoll zu thematisieren.

Natasha A. Kelly und die Sisters bei der Buchpremiere von „Sisters and Souls“ 2016. @ Pierre Gaulke

Anlässlich des Geburtstags von May Ayim findet am 03. Mai die Performance „M(a)y Sister“ im HAU statt. Was erwartet die Besucher*innen?
Natasha A. Kelly: Um diese Frage zu beantworten, muss ich einen Schritt zurück machen. 2015 gab ich das Buch „Sisters and Souls. Inspirationen von May Ayim“ heraus. Das Buch entstand in Andenken an die afrodeutsche Wissenschaftlerin, Aktivistin und Poetin May Ayim, deren zwanzigster Todestag im August 2016 war. Mit der Person May Ayim und ihrem Werk beschäftigte ich mich bereits in meinen wissenschaftlichen Arbeiten sowie in meinen Seminaren. Ein Buch rund um ihr Schaffen herauszugeben, war also eine besonders spannende Aufgabe für mich. Die Buchpremiere fand dann im HAU statt. Die Präsentation war ein voller Erfolg. Danach folgten zahlreiche Lesungen gemeinsam mit verschiedenen Autor*innen. Aus diesem Grund wollen wir von Sisters and Souls dieses Jahr den Geburtstag von May Ayim im HAU feiern und das Erbe, das sie uns hinterlassen hat, zelebrieren.

Am ersten Abend thematisieren Autor*innen von Sisters and Souls in verschiedenen Kunstformen sowie im Dialog Fragen zur Schwarzen feministischen Identität. May Ayim war, neben Katharina Oguntoye, eine der ersten Schwarzen Deutschen, die das Wort „afrodeutsch“ überhaupt geprägt hat und so die zweite Welle der afrodeutschen Bewegung maßgebend beeinflusst hat. Am zweiten Abend setzen wir wieder dort an und sprechen über unsere Zukunftsvisionen. Fragen wie etwa „Wo wollen wir als Afrodeutsche hin?“ und „Wie können wir unsere Ziele politisch realisieren?“ werden diskutiert sowie künstlerisch umgesetzt.

„M(a)y Sister 1+2“ finden am 03. und 05. Mai 2017 jeweils um 20 Uhr im HAU3 statt. Zum detaillierten Programm geht es hier.

Wer sind Sisters and Souls?
Sisters and Souls sind 25 Schwarze Frauen verschiedener Generationen und Zugehörigkeiten, die sich mit May Ayim auseinandersetzen. Die einen kannten May persönlich. Die anderen kennen vor allem ihre Gedichte oder beziehen sich direkt auf ihr Buch „Farbe bekennen“. In der Textsammlung „Sisters and Souls. Inspirationen von May Ayim“ beschreiben sie ihren Zugang zu May Ayim, ihrem Werk sowie die neuen Projekte, die daraus entstanden sind.

Ist May Ayims Werk und Engagement heute für Schwarze Frauen in Deutschland noch aktuell?
Ja! Ich glaube, May Ayim steht stellvertretend für uns alle. Sowohl für Schwarze Frauen wie auch für die afrodeutsche Community insgesamt. Sie war Mitbegründerin dieser Community und war selbst auch stark in der Frauenbewegung aktiv. Ihre Texte bieten vor allem jungen afrodeutschen Frauen einen Zugang zu einer selbstbestimmten Identität. Aus diesem Grund performen zu ihrem Geburtstag im HAU auch bewusst nur Schwarze Frauen – musikalisch unterstützt werden wir dieses Jahr zusätzlich von einem Bruder, einem grandiosen Didgeridoo-Spieler.

An diesen Abenden geht es darum, Synergien zu schaffen, einen künstlerischen Raum für diese Thematik zu öffnen und sich gegenseitig zu empowern. Alle Frauen, die im HAU auftreten werden, identifizieren sich in irgendeiner Form mit May Ayims Leben, ihren Texten und ihrem Engagement. Deshalb denke ich, dass May Ayim eine konstante Referenz und Inspirationsquelle für viele afrodeutsche Frauen ist – heute wie auch in Zukunft. Trotzdem möchte ich betonen, dass nicht ausschließlich May Ayim als Person im Mittelpunkt der Abende stehen soll, sondern das, was sie repräsentiert. Und das lässt sich im Beitrag jeder einzelner Sister wiederfinden.

Übrigens geht auch der Veranstaltungstitel „M(a)y Sister“ auf das Gedicht der jungen Schwester Janine Fuentes zurück. Darin schreibt sie von der Gewissheit, nicht alleine dazustehen, die ihr Ayims Gedichte verleihen. In diesem Sinne stehen wir an beiden Abenden in Sisterhood und als Community zusammen!

Natasha A. Kelly bedankt sich an dieser Stelle beim Orlanda Verlag, bei dem ihr Buch erschienen ist, dem HAU sowie allen Sisters and Souls für ihr Engagement.

Natasha A. Kelly ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin und Soziologin und lebt in Berlin. Sie arbeitet in verschiedenen Bereichen zu den Themen Postkolonialismus und Feminismus/Intersektionalität. 2015 gab sie das Buch „Sisters and Souls. Inspirationen von May Ayim“ heraus.

May Ayim ist am 03. Mai 1960 in Hamburg geboren. Als afrodeutsche Feministin, Wissenschaftlerin und Poetin war sie stark in der zweiten Welle der afrodeutschen Bewegung aktiv und legte mit ihrem Buch „Farbe bekennen“ 1986 den Grundstein für diese Bewegung.

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