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Der WTF-Moment

Aus Octo Octas neuem Album „Where Are We Going?“ sprechen Glück und Queerness – mit einer Prise Unbehagen.

28.04.17 > Musik

Von Liz Weidinger

In einem Interview von 2013 erzählt Octo Octa stolz, dass sie sich als Produzentin elektronischer Musik das erste Mal so richtig ernst genommen fühlte, als ihr großes Vorbild Terre Thaemlitz aka DJ Sprinkles einen Edit ihres Tracks anfertigte. Denn in „seriösen“ Musikkreisen wurde Octo Octas Labelheimat, das von Amanda Brown gegründete 100% Silk aus Los Angeles, schon mal gerne belächelt.

© Jef McMahan

Heute ist das anders. Fast selbstverständlich führt Octo Octa anlässlich ihres neuen, zweiten Albums „Where Are We Going?“ bei Electronic Beats ein ausführliches Gespräch mit Thaemlitz. Resident Advisor gibt der Platte 4,1 von 5 Punkten und kritisiert, dass es sich gegen Ende zu sehr wie das Meilensteinalbum „Midtown 120 Blues“ von DJ Sprinkles anhört. Die Nerds beim Onlinemagazin „Das Filter“ finden es klassisch und clean produziert: Es sei ein Album, das die gesamten House-Requisiten durchexerziert. Okay, dass es dieses lange und lesenswerte Gespräch zum Album gibt, mag auch damit zusammenhängen, dass die neue Platte die erste ganz offizielle von Octo Octa als trans Frau ist – und Terre Thaemlitz eine Institution, wenn es um das Nachdenken über Queer- und Transsein, House und Underground geht.

 

Im Gespräch mit Thaemlitz sagt Octo Octa alias Maya Bouldry-Morrison: „Es hat ewig gedauert, bis ich die neue Platte fertig hatte, weil ich es mag, wenn die Tracks zusammenpassen. Das Album sollte eine offen queere Message haben und eine Erzählung, die es zusammenhält.“ Klar erkennbar ist diese Message auch auf dem Albumcoverfoto mit einer verträumt posenden Bouldry-Morrison und in Tracktiteln wie „No More Pain (Promises To A Younger Self)“ oder „Move On (Let Go) (De-Stress Mix)“.

Octo Octa „Where Are We Going?“
(Honey Soundsystem Records / Above Board), bereits ersch.

Vocals gibt es auf dem Album neben gesampelten und nach Mariah Carey klingenden „Aaahhhs“ über fünf Oktaven auf „No More Pain“ nur im Abschlusstrack. Da heißt es immer und immer wieder: „Do you feel better? Are you going to feel better?“ Es sei diese Frage gewesen, die ihr seit dem Coming-out als trans Person am häufigsten gestellt worden sei, so Octo Octa. Die Antwort darauf fällt genauso aus wie die Stimmung der Platte: happy, wenngleich mit einem gewissen Unbehagen. Klar gehe es ihr persönlich besser – aber es gebe immer noch genügend gesellschaftliche WTF-Momente.

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