„Ich wusste, dass ich nichts dafür konnte.“

Der Grat zwischen einvernehmlichem Sex und einem Übergriff kann schmal sein. Drei Frauen erzählen.

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Von Carolin Wiedemann

„This is not a rape“ – „Dies ist keine Vergewaltigung“, nannte die Kunststudentin Emma Sulkowicz 2015 das Video, in dem sie nachstellte, wie sie von einem Kommilitonen sexuell genötigt wurde. Bereits zuvor hatte sie monatelang eine Matratze über den Campus der Columbia University in New York getragen. Mit dieser Aktion wies sie nicht nur auf ihren eigenen Fall, sondern auf die Erfahrung von fünfzig Prozent aller Studentinnen an US-amerikanischen Universitäten hin, die gegen ihren Willen in Sex involviert oder auf eine Weise angefasst wurden, wie sie es nicht wollten – zum Großteil von Männern, die sie gut kannten.

Hierzulande sehen die Verhältnisse nicht anders aus, wie eine EU-Studie der Agentur für Menschenrechte schon 2014 nachwies. Sie zeigte auch: Die meisten Frauen benennen solche Übergriffe nicht. Sie zweifeln an ihrer Wahrnehmung oder machen sich selbst dafür verantwortlich, vor allem dann, wenn sie zunächst einer Form von Nähe und Kontakt zustimmten. Auch die drei Frauen in den folgenden Protokollen fragen sich: War es vielleicht doch kein Übergriff? Schließlich hatte ich selbst Gin Tonic mit ihm trinken wollen. Schließlich war ich gern mit ihm nach Hause gegangen. Schließlich lebte ich aus freien Stücken mit ihm zusammen.

Die Verunsicherung, das Gefühl der Ambivalenz ist Resultat der Art und Weise, wie wir über Sexismus und sexualisierte Gewalt sprechen. Wenn jungen Frauen eingebläut wird, sich nicht „zu sexy“ anzuziehen und nicht zu spät nach Hause zu gehen, folgt dies einer Logik, die vermittelt: selber schuld, wenn du als sexuell verfügbares Objekt angesehen wirst.

Auch Emma Sulkowicz wurde angegriffen: Warum sie denn nicht gleich zur Polizei gegangen sei? War es nicht so, dass sie den Sex doch wollte? …

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