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„Endlich tut sich was in der Sexshopszene!“

Das FuckYeah-Sexshopkollektiv aus Hamburg über das Schmuddel-Image der Sexbranche und genderneutrale Sextoys.

14.08.17 >

Interview: Carolin Wiedemann

FuckYeah – so soll der Sexshop heißen, den Fränky, Rosa, Zarah und Flo in Hamburg gründen wollen: ein sexpositiver Laden, in dem es vegane Toys gibt statt diskriminierende Bilder. Das Crowdfunding für das Kollektiv geht noch zwei Wochen. Wir haben mit Rosa gesprochen.

„Wir wollen keinen Frauenshop machen, sondern einen Laden für alle.“ ©Fuck Yeah

Die Stadt Hamburg hat die größte Sexshopdichte Deutschlands. Warum braucht es noch einen Laden?
Wir finden das Angebot der Sexshops in Hamburg bislang nicht zufriedenstellend und auch problematisch. Viele Läden sind schmuddelig. Sie bieten keine schöne Atmosphäre und verbreiten diskriminierende Bilder in den Videos und auf den Fotos, die sie im Laden zeigen und verkaufen.

Es gibt wirklich keine Ausnahme zu diesem Klischee?
Es gibt einen Shop, der anders und auch sexpositiv ausgerichtet ist, da arbeitet eine von uns bereits. Doch es werden in allen Läden in Hamburg etwa noch Toys aus schädlichen Kunststoffen angeboten, die in der Lebensmittel- und Spielzeugindustrie schon verboten sind. Es ist skandalös, dass wir die aber an intimen Körperstellen benutzen sollen.

Du erwähnst euren sexpositiven Ansatz. Was meint ihr damit?
Wir wollen verschiedene Körper und verschiedene Arten von Sexualität mit gleich viel Respekt behandeln – vorausgesetzt sie sind konsensual, werden also im Einverständnis aller Beteiligten praktiziert. Wir wollen z. B. positive Bilder von allen möglichen Körperformen verbreiten und verschiedenen sexuellen Richtungen einen gleichwertigen Platz bei uns im Laden verschaffen, BDSM etwa nicht hinten in eine Ecke verbannen, wie es die meisten Läden tun, und es auch nicht nur in Schwarz-Rot präsentieren, sondern genauso bunt, wie die Praktiken eben sein können.

Ihr seid auch explizit feministisch, oder?
Die weibliche Perspektive fehlt in den übrigen Sexshops meistens. Und wenn, dann gibt es Sexshops explizit für Frauen. Aber da wird weibliche Lust schon wieder zu sehr festgelegt. Wir wollen keinen Frauenshop machen, sondern einen Laden für alle, auch für nicht-binäre Personen.

Habt ihr in anderen deutschen Städten Vorbilder?
In Berlin gibt es Other Nature, einen Laden, der vegan und öko ist, und Sexklusivitäten, das ist ein Laden im Wohnzimmer von Laura Méritt, die ihre Kund*innen dort mit Umarmung begrüßt und einmal im Monat einen Salon veranstaltet. Und in Leipzig wird gerade die Vögelei eröffnet, die ein ähnliches Konzept verfolgt. Endlich tut sich was in der Sexshopszene.

Wird denn hierzulande schon genügend Passendes für euer Sortiment hergestellt?
In der Pornografieszene gibt es schon seit Jahren sexpositive Bestrebungen, ansonsten sieht es in Deutschland noch mager aus. In den USA experimentieren dagegen schon viel mehr Hersteller mit der Ästhetik von Toys, sie gestalten sie künstlerischer und spielerischer, Dildos etwa, die aussehen wie Tennissocken mit Streifen. Wir versuchen, uns mit anderen Sexshops zu vernetzen für den Bezug. Und wir hoffen, dass wir auch hierzulande Leute dazu anregen, Sachen zu produzieren.

Was ist dein Lieblingsspielzeug?
Der „Transformer“, ein genderneutrales Spielzeug. Es ist wie ein kurzes Seil aus Silikon, dessen Enden kleine Kolben sind. Die Kolben können vibrieren, sie lassen sich einführen in Körperöffnungen, machen aber auch außen Spaß. Und das Zwischenstück, das Seil, ist eigentlich kein Seil, sondern unter der Silikonoberfläche eine Art Draht, der sich ganz leicht in alle Richtungen biegen lässt und die Form behält, die gerade erwünscht ist. Das lässt sich sehr kreativ, allein oder zu zweit, benutzen.

Ihr wollt auch Workshops und Veranstaltungen organisieren in eurem künftigen Shop.
In manch anderen Läden gibt es auch Workshops, etwa zum Thema: Wie geht BDSM? Wir wollen gern noch viel grundsätzlicher an Sexualität rangehen und einen Raum schaffen, in dem Leute sich mit dem eigenen Körper, mit dem eigenen Begehren befassen können. So etwas im eigenen Wohnzimmer zu machen, wie bei Laura Méritt in Berlin, wäre mir zu privat, aber ein bisschen Wohnzimmer- oder Küchentischatmosphäre werden wir schon schaffen – das erleichtert es, über Sexualität ins Gespräch zu kommen.

Ihr bezeichnet euch als Kollektiv. Was heißt das für euch?
Wir arbeiten auf Augenhöhe und treffen alle wichtigen Entscheidungen im Konsens. Trotzdem haben wir verschiedene Aufgaben. Aber bisher ist das alles sowieso noch Vorarbeit.

Wie sieht es denn aktuell aus? Wann werdet ihr den Laden eröffnen?
Das Crowdfunding läuft bis zum 28. August. Wenn wir dann nicht 20.000 Euro haben, dann kriegen wir gar nichts. Deshalb muss noch was passieren.

Hast du für sie noch eine Empfehlung? Welche sexpositiven Produkte wirst du neuen Kund*innen im Laden ans Herz legen?
Mein Lieblingsbuch „The Feminist Born Book“ auf jeden Fall. Und eine Sammlung von Kurzfilmen namens „Dirty Diaries“, in der mir der Film „Skin“ besonders gefällt: Zwei Körper, die in einen Strumpf eingenäht sind, haben Sex und schneiden sich dann sukzessive heraus aus dem Strumpf. Das ist sehr schön und spannend, um einen Einblick in eine andere Ästhetik von Pornografie zu bekommen als die, die auf Youporn verbreitet wird.

  • DerFreak

    Achja, dass man BDSM in die letzte Ecke verdrängt, hat wohl eher etwas mit der geringeren Nachfrage zu tun, es ist eine sexuelle Minderheit. Und dafür gibt es bereits Fachgeschäfte in Hamburg, die Boutique Bizarre und die Dark Shadows Boutique zum Beispiel.
    Und der Szene jetzt die Stiefel lecken zu wollen, rettet euch nicht. Die haben nicht vergessen, wer sie einst bekämpft hat. Und sie verachten auch euch, nachdem sie die Feministen in den 90ern in ihrer eigenen Doppelmoral ertränkt haben. Als Frauen abgesprochen wurde, dominant sein zu können, um das lächerliche Konstrukt der Frauenverachtung in der BDSM-Szene zu rechtfertigen.


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