Ein Berliner Sommer

In „Tigermilch“ kämpfen zwei Teenager mit Herzschmerz, Schulstress und existenziellen Fragen.

18.08.17 > Film & Serien

Von Cana Durmusoglu

Die beiden 14-jährigen Teen-Girls Nini (Flora Li Thiemann) und Jameelah (Emily Kusche) wollen die Sommerferien genießen und schmieden schon heftig Pläne. Dabei mischen sie sich ihren Lieblingsdrink: Tigermilch, ein Mix aus Milch, Maracujasaft und Schnaps. Doch schon bald wird die ausgelassene Stimmung getrübt: Ein Abschiebeverfahren bedroht den Aufenthalt der im Irak geborenen Jameelah, die für den Einbürgerungstest lernt, und ihrer Mutter. Und nicht genug damit tobt eine Familienfehde in der Nachbarschaft, einem Wohnblock im ehemaligen West-Berlin.

© 2017 Constantin Film Verleih

Entmutigen lassen wollen sich die beiden besten Freundinnen davon aber trotzdem nicht. Nini und Jameelah planen für diesen Sommer das Projekt „Defloration“ – aber weil die Jungs in ihrem Alter noch keinen Sex mit ihnen haben wollen, stellen sie sich zum „Üben“ auf den Straßenstrich. Als die Situation in der Nachbarschaft eskaliert und die beiden Zeuginnen eines Mordes werden, wird ihre Freundschaft zum ersten Mal auf die Probe gestellt.

In „Tigermilch“, der auf dem gleichnamigen und viel gelobten Roman von Stefanie de Velasco basiert, müssen Nini und Jameelah nicht nur mit den für Coming-of-Age-Filme typischen Problemen wie Liebeskummer und Schulstress kämpfen, sondern sehen sich auch mit existenziellen Fragen konfrontiert. Wie in Buchverfilmungen leider häufig der Fall ist die Story stark verkürzt, worunter die Logik der Handlung etwas leiden muss.

„Tigermilch“ DE 2017. Regie: Ute Wieland. Mit: Flora Li Thiemann, Emily Kusche, David Ali Rashed, Narges Rashidi u. a., 106 Min., bereits im Kino

Auch die „Jugendsprache“ der Protagonistinnen klingt oft eher hölzern als authentisch. Nichtsdestotrotz sind die Charaktere absolut liebenswert und die im Film immer wieder aufgeworfenen Fragen nach Migration, Identität und Zugehörigkeit hochaktuell. Über die etwas abgelutschten Bilder von tatsächlich niemals ganz so „wilden“ Partys muss man dafür aber hinwegsehen können.

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