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Von Pflanzen und Musik – Nilüfer Yanya im Gespräch

Singer-Songwriterin Nilüfer Yanya über Pflanzen, grenzenlose Kunst und das Gefühl, langsam berühmt zu werden.

24.08.17 > Musik

Interview von Caren Miesenberger

Yanya, Tochter eines Künstler*innenpaares, begann bereits während ihrer Kindheit, Klavier zu spielen. Als Teenager wechselte sie zur Gitarre und spielt diese auch auf „Plant Feed“. Ihre Musik gibt der eingestaubten Kategorie Singer-Songwriter ein frisches, nonchalantes Antlitz. Yanya poliert das durch Macker wie Jack Johnson dominierte Genre nonchalant auf. Im September kommt sie für ein Konzert beim Reeperbahnfestival das erste Mal nach Deutschland.

©Stella Malfilatre

An einem sonnigen Augustnachmittag probt Nilüfer Yanya im Londoner Stadtteil Peckham mit ihrer Band. Im luftigen weißen T-Shirt nimmt die gebürtige Londonerin in einer Ecke des Studios unter eingerahmten Fotos von Musiker*innen Platz. Mit Kopfhörern im Ohr und ihrem Smartphone in der Hand spricht sie via Skype mit Missy. Auf ihrer zweiten EP „Plant Feed“, die im Juni erschien, säuselt die 22-Jährige mit der tiefen Stimme lethargisch und mit größtmöglichem Desinteresse an Typen.

Mit Missy sprach sie über Pflanzen, grenzenlose Kunst und das Gefühl, langsam berühmt zu werden.

Missy: Du bist gerade im Studio und probst gemeinsam mit deiner Band. An was arbeitet ihr gerade?
Nilüfer Yanya: Meine ehemalige Lehrerin ist momentan da und hilft uns ein bisschen. Sie gibt uns neue Ideen. Mit der Zeit wird es manchmal schwierig. Nicht so sehr, sich zu motivieren. Aber frische Ideen für die Musik zu haben, die wir mittlerweile seit fast einem Jahr spielen. Wir sind am richtigen Punkt, um das Niveau noch mal anzuheben.

Du bist Gitarristin und sagtest gerade, dass deine ehemalige Lehrerin dir hilft. Deine Gitarrenlehrerin?
Nein, ich habe bei ihr Songwriting-Workshops besucht. Sie heißt Sorana Santos und ist selbst auch Sängerin und Songwriterin. Sie war heute im Studio, um uns bei der Vorbereitung auf die Konzerte zu helfen.

Deine neue EP heißt „Plant Feed“. Auf deinem Twitter-Account las ich, dass du bei einem deiner Konzerte Pflanzensamen verkauft hast. Was ist denn an Pflanzen so cool?
Die wachsen, das mag ich sehr gerne. Außerdem lebe ich vegan, weshalb sie als Symbol ganz gut zu mir passen. Und auch zu meinen Lyrics. In denen geht es darum, dass ich mich ausprobiere und sehe, wie weit ich gehen kann.

Am 21.09.2017 spielt Nilüfer Yanya auf dem Reeperbahnfestival Hamburg.

Wenn du eine Pflanze wärst – welche wärst du?
Ich habe so viele Lieblingspflanzen! Vielleicht Unkraut, das überall wächst? So fühle ich mich ein bisschen. Mein Name bedeutet Wasserlilie, das wäre auch eine nette Blume.

©Hollie Fernando

Gemeinsam mit deiner Schwester hast du „Artists in Transit“ initiiert. Für das Projekt fuhrt ihr nach Griechenland, um Geflüchteten Kreativworkshops zu geben. Wie kamt ihr auf die Idee?
Es war die Idee meiner Schwester. Sie war im vergangenen Jahr ein bisschen lost, nachdem sie auf griechischen Inseln Leuten half, von Booten zu kommen. Wir beobachteten all das, was passierte, aus London und hatten das Gefühl, dass wir nichts machen können. Das ist auf eine gewisse Art richtig, aber man kann auch einfach dort hinfahren, um Leute zu treffen. Das fühlt sich dann zumindest so an, als täte man etwas. Ich weiß nicht, ob das, was wir dort taten, hilfreich ist oder große Probleme löst. Aber es fühlte sich schlichtweg richtig an.

Vor Ort habt ihr mit den Leuten, die ihr traft, ein Zine erstellt.
Genau. Das geschah auf Basis der Arbeit, die die Leute dort kreiert haben. Das war uns ganz wichtig: Wir wollten nicht, dass unsere Stimme da irgendwie drin landet. Unser Ziel war, dass die Leute, mit denen wir gearbeitet haben, es herstellen. Viele der Kinder waren gut im Nähen, dann haben wir Teddys hergestellt. Wir haben Schmuck gemacht, Stillleben, Porträts. Das Ganze war ein bisschen wie im Schulunterricht.

©Stella Malfilatre

Wie hast du die Zeit in Griechenland erlebt?
Gut! Manche Leute interessieren sich natürlich nicht für Kunst oder haben keine Lust darauf. Aber es war ein super Weg, Leute kennenzulernen und zu kommunizieren. Vor allem, wenn es die Sprachbarriere gibt: Man schafft etwas Gemeinsames. Wir waren im Frühjahr wieder da und fahren im September erneut hin.

Letztes Jahr bist du medial erstmals in Erscheinung getreten, in diesem Jahr wirst du so langsam berühmt. Wie ist das für dich?
Es ist cool! Wenn es jetzt aus dem Nichts heraus wäre, wäre das total komisch. Aber es ist schön, zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich für meine Musik interessieren und die ihr gerne zuhören. Je mehr ich da reinkomme, desto mehr lerne ich auch, dass mein Job die Musik ist. Ich muss mich darauf konzentrieren und die so gut wie möglich machen. Ich habe eine Chance. Vielleicht kaufen und hören Leute eine meiner Platten, aber möglicherweise nie die nächste. Deshalb muss ich meine Musik so gut wie möglich machen.

Mit wem würdest du gerne mal zusammenarbeiten?
Es gibt eine Band namens BadBadNotGood, die ziemlich coole Musik machen. Mit denen würde ich gerne arbeiten. Ich mag auch Angel Olsens Style. Feist ist auch cool. Es gibt so viele!

Vielen Dank für das Interview!

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