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Den Fundis die Hölle heißmachen

Warum der Protest gegen den „Marsch für das Leben“ kurz vor der Bundestagswahl besonders wichtig ist.

14.09.17 > Inland, Körper

Von Lene Glinsky

Am 16. September werden sich in Berlin wieder Tausende christliche Fundamentalist*innen und Unterstützer*innen der sogenannten „Lebensschutzbewegung“ zusammenfinden, um gegen das Recht auf Abtreibung und professionelle Sterbehilfe zu protestieren. Unter den Befürworter*innen des „Marschs für das Leben“ finden sich neben Erzkonservativen (wie den zahlreichen CDU-/CSU-Politiker*innen, die Grußworte für den diesjährigen Marsch senden) auch Menschen aus dem neurechten Spektrum.

©WTF

Nicht nur deshalb wirkt es besonders geschmacklos, dass in der Berliner Erklärung des „Marschs“ eine „Willkommenskultur für (ungeborene) Kinder“ propagiert wird – eine Formulierung, die sich auch im aktuellen Parteiprogramm der Alternative für Deutschland findet. Die Partei befürwortet die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und hat schon in den vergangenen Jahren den „Marsch für das Leben“ unterstützt.

Auch angesichts des wahrscheinlichen Einzugs der AfD in den Bundestag ist es wichtig, am kommenden Samstag ein öffentliches Zeichen für sexuelle Selbstbestimmung und Vielfalt zu setzen und dem heteronormativen Weltbild der „Lebensschützer*innen“ Paroli zu bieten. Möglichkeit dafür bietet sowohl der Aktionstag des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung als auch die parallel stattfindende Gegendemonstration des Berliner What-the-Fuck?!-Bündnisses, einer Allianz queerfeministischer und antifaschistischer Gruppen.

Die Arbeit von What the Fuck?! hat in den knappen zehn Jahren seit der Gründung des Bündnisses an Umfang gewonnen. Anfangs rief es nur zu vereinzelten Störaktionen gegen den „Marsch“ auf, seit drei Jahren organisieren die Aktivist*innen auch eine eigene queerfeministische Gegendemonstration und versuchen, die Parade der selbsternannten „Lebensschützer*innen“ aktiv zu blockieren.

Sarah Bach, Pressesprecherin von What-the-Fuck?!, registriert eine wachsende Vernetzung und Mobilisierungsfähigkeit der „Lebensschutzbewegung“: „LebensschützerInnen sind keine sektiererischen SpinnerInnen mehr, sie machen handfeste Lobbyarbeit und sie haben Geld. Das macht sie zu einer realen Gefahr.“ Die bundesweiten und öffentlichkeitswirksamen „Märsche für das Leben“ sind neben Mahnwachen und sogenannten „Gehsteigberatungen“ vor Abtreibungskliniken nur eine der vielen Aktionsformen der Abtreibungsgegner*innen. Absurd ist, dass sich diese zu „Lebensschützer*innen“ stilisieren, aber selbst einen massiven Eingriff in das Leben und die Rechte von Schwangeren fordern.

Die „Lebensschutzbewegung“ ist kein ausschließlich deutsches Phänomen, vor allem durch den Aufschwung der Neuen Rechten in ganz Europa wird eine repressive Sexualpolitik und die Forderung nach der Aufrechterhaltung konservativer Familienkonzepte bekräftigt. Zuletzt machte auch Donald Trumps „Global Gag Rule“ deutlich, dass selbst in vermeintlich modernen westlichen Gesellschaften das Recht auf Abtreibung immer wieder infrage gestellt wird.

Aktion gegen den „Marsch für das Leben“
16.09., Berlin:
10.30 Uhr: Treffen am U-Wittenbergplatz zur queerfeministischen Großdemonstration des Bündnisses What the Fuck?!
ab 13 Uhr: Protestaktionen und Blockaden des „Marschs für das Leben“
whatthefuck.noblogs.org

Aktionstag des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung
16.09., Berlin:
12 Uhr: Auftaktkundgebung am Brandenburger Tor
sexuelle-selbstbestimmung.de

„Wir sehen in den europäischen Ländern wie Polen oder Spanien, dass reproduktive Rechte Angriffsziele neurechter Parteien sind, und sicherlich wird es sich auch die AfD nicht nehmen lassen, den Burgfrieden in Sachen § 218 anzugreifen“, so Sarah Bach. Abtreibungen gelten in Deutschland laut § 218 des Strafgesetzbuchs immer noch als Straftat, die nur unter bestimmten Bedingungen straffrei bleibt. Langfristiges Ziel des What-the-Fuck?!-Bündnisses ist daher die vollständige Entkriminalisierung von Abtreibungen.

Laut Bach gibt es in Deutschland noch eine Menge zu tun für eine selbstbestimmte Körperpolitik. Am Samstag ist es aber erst mal wichtig, auf laute und vielfältige Weise den Fundamentalist*innen entgegenzutreten und den „Marsch für das Leben“ weiterhin zu einem „legitimierungsbedürftigen Spektakel“ zu machen: „Wir zeigen, dass man es nicht linken Cis-Typen überlassen muss, militant, laut und inhaltsstark zu sein. Also join the club, macht mit uns den Fundis die Hölle heiß!“

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