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„Die Musikindustrie ist stagnierend“

Die experimentelle Jazzmusikerin Matana Roberts über die Grenzen der kommerziellen Musik-Branche.

30.10.17 > Musik

Interview von Tasnim Rödder

Die US-amerikanische Jazzmusikerin Matana Roberts ist Texterin, Komponistin und Künstlerin. Dieses Jahr ist sie Teil des No! Music-Festival, das vom 09. bis 12. November 2017 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin stattfindet. Zu diesem Anlass komponierte sie ein neues Stück, welches sie gemeinsam mit dem Chor der Kulturen der Welt uraufführen wird.

©Jason Fulford

Die „Deutsche Tageszeitung“ nannte dich eine experimentelle Künstlerin. Würdest du zustimmen? 
Matana Roberts: Ja, ich sehe mich selber als eine Soundexperimentalistin. Ich genieße das Experimentieren um des Experimentierens willen.

Du hast deine eigene Interpretation von Jazzmusik geschaffen, als du Spoken Word mit Klarinette und Noisy-Elementen gemixt hast. Woher nahmst du deine Inspiration?
Ich empfinde es gar nicht, als hätte ich da etwas ganz Besonderes geschaffen. Ich mache hybriden Jazz, der sich von den verschiedenen Formen amerikanischer Musik ableitet, welche wiederum alle etwas mit Improvisation zu tun haben. Ich schöpfe meine Inspiration und Motivation aus meiner Liebe zur Geschichte und zum Unbekannten.

Du wirst in diesem Jahr Teil des No! Musik-Festival in Berlin sein. Das Festival möchte ein Zeichen gegen das kommerzielle Musikgeschäft setzen. Was ist deine Antwort auf das Mainstreammusikgeschäft?
An sich habe nichts gegen mainstreamige Musikproduktionen. Aber es ist einfach nicht mein Weg – denn es ist kein kreativer Pfad, der je mein Interesse wecken würde. Er ist meiner Meinung nach zu stagnierend.

Wie wehrst du dich gegen die kapitalistische Musikindustrie?
Das tue ich nicht. Das ist auch nicht wirklich möglich. Aber ich tue mein Bestes, um mich auf meine kreative Arbeit zu konzentrieren, die ja schon sehr nischig ist, so dass ich mich nicht allzu viel mit den kapitalistischen Aspekten beschäftigen muss.

Dein Multimediaepos „Coin, Coin“ ist eine musikalische und soziologische Untersuchung afroamerikanischer Geschichte entlang der Spuren deiner Vorfahren. 2015 veröffentlichtest du den neuesten Teil „Coin Coin Three: River Run Thee“. Insgesamt soll das Langzeitprojekt zwölf Teile umfassen. Auf dem Album thematisierst du die Kategorien Race, Klasse und Geschlecht aus einer US-amerikanischen Perspektive. Wie kamst du dazu?
Das „Coin Coin“-Projekt als Ganzes handelt von der amerikanischen Geschichte, deren Eckpfeiler die Ideen der Unterschiedlichkeit darstellen. Dabei geht es allerdings weniger um mich persönlich. Ich möchte mit dem Projekt neue Brücken des Verstehens bauen und verständlich machen, was es bedeutet, menschlich zu sein, was es bedeutet, Glauben zu haben, was es bedeutet, trotz unserer vielen Unterschiede an die Kraft der Gemeinschaft, der Hoffnung und der Liebe zu glauben.

Wie hat dein Publikum auf dieses Projekt reagiert?
Das ist schwierig zu sagen. Ich habe das Gefühl, dass ich immer noch dabei bin, das herauszufinden. Manchmal genießen es die Leute, meine Musik zu hören und die Gedanken dahinter zu verstehen – andere hassen es. Aber ich empfinde alle Reaktionen als gut.

No! Music-Festival findet vom 09. bis 12. November 2017 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin statt. Dabei sind u. a. Pussy Riot, Matana Roberts, Pan Daijing, Nihilist Spasm Band feat. Alexander Hacke, Bill Drummond, Arrigo Barnabé, Jandek u.v.a.

Würdest du deine Musik als politisch definieren?
Nein, ich definiere meine Musik als Musik und meine Arbeit insgesamt als eine Reise der medialen Kompositionen und verschiedenen Soundkonzepte. Was auch immer die Leute darunter verstehen mögen – ich kann es nicht kontrollieren.

Glaubst du denn an die politische Kraft der Kunst?
Ich glaube an die allgemeine Kraft der Kunst, die es ermöglicht, eine schnell verändernde Welt zu navigieren. Jedenfalls habe ich starke Hoffnungen in diese Kraft.

Heute ist Donald Trump, ein populistischer, sexistischer und rassistischer Mann Präsident der USA. Wie schaust du in die Zukunft? Wird es je wieder eine Gesellschaft ohne Diskriminierung und Armut geben?
Es gibt immer Hoffnung. Die Geschichte hat uns bloß diesmal wieder gezeigt, dass wir nicht aus unseren Fehlern lernen.

Freust du dich auf das No! Music-Festival in Berlin?
Ja, total! Ich komme gerne nach Berlin. Ich hatte immer eine tolle Zeit in dieser Stadt. Die aufgeweckten Leute und die vielen inspirierenden Momente überzeugen mich jedes Mal.

Planst du neue Projekte? 
Das Stück, welches ich mit dem Chor des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin uraufführen werde, ist ein neues Projekt! Außerdem produziere ich den nächsten Teil von „Coin Coin“. Und ich arbeite auch an einer Virtual-Reality-Soundinstallation, die nächstes Jahr präsentiert wird.

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