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Butch Stone Blues

Das neue Musikvideo von BOIBAND feiert Premiere. MISSY spricht mit den Boys über Pop und Erinnerungspolitik.

17.11.17 > Musik

Interview von Hengameh Yaghoobifarah

Der Titel eures neuen Songs bezieht sich auf Leslie Feinbergs ikonisches Buch „Stone Butch Blues“. Feinberg starb vor drei Jahren und war ein*e wichtige*r Protagonist*in in der trans Geschichte. ‪Am 20. November ist der Trans Day of Remembrance. Heute erscheint euer Video. Alles Zufall?
BOIBAND: Leslie Feinberg ist für BOIBAND herzenswichtig. Sich auf dem Sterbebett nach einem so ereignisvollen Leben mit den Worten zu verabschieden „remember me as a communist“ ist warm wie konsequent. Nun geht es in „Butch Stone Blues“ allerdings um die Gräber der an Hassgewalt Verstorbenen. Die Polizeimeldungen und mitunter ihre Grabsteine setzen die Gewalt an ihren Körpern fort, wenn sie mit bürgerlichen Namen genannt und misgendert werden. Wir sitzen Shiwa für die Verlorenen und erweisen ihnen zum Transgender Day of Remembrance einen letzten Dienst: als sie selbst sichtbar und als Lied erinnert zu sein. So many short short stories with mortal endings. In this lapidarium of comrades, the cranes twitter lamentations.

© BOIBAND

Der Text besteht fast nur aus Namen. Um wessen Namen handelt es sich hierbei?
Der Song besingt unsere Schwestern und Brüder, deren Leben unfreiwillig unterbrochen wurden. Wir beklagen die gewaltvollen und jungen Tode dreier Generationen Wahlverwandtschaft. Darunter die Stonewall-Pionierinnen Marsha P. Johnson und Silvia Riviera, auch ermordete junge Frauen aus Istanbul oder Indien und auf der ganzen Welt.

Welchen Bezug habt ihr zu diesen Menschen?
Das Lied mahnt die Versehrbarkeit transgressiver Körper an. Für unser Leben und unseren Tod sind nicht nur wir allein selbst verantwortlich. Uns erwischt hier das Mitgefühl der Wahlverwandtschaft. Wir wollen in die Zukunft und zwar mit allen. Lebendig.

BOIBAND besteht aus Black Cracker, Hans Unstern und Tucké Royale. Ihre Mission ist die Effeminisierung des Abendlandes und das Dekonstruieren von Maskulinität. Ihr Debütalbum „The Year I Broke My Voice“ erschien dieses Jahr bei Staatsakt/Caroline/Universal.


Gibt Pop uns Möglichkeiten, Geschichte anders zu erzählen?
Ja, unbedingt. Der Blues ist dafür auch bekannt. Vielen unserer Schwestern und Brüder war und ist es nicht möglich, Teil der Hochkultur zu sein, geschweige denn in dieser selbstverständlich und selbstständig vorzukommen. Popkultur orientiert sich nicht an elitären Mechanismen und nimmt direkte Wege. Pop wird unterschätzt und genau das macht Pop auch für die Geschichtsschreibung und Bewusstseinsbildung nach wie vor so gefährlich. Unser Song „Butch Stone Blues“ wird Oral History: Tragt die Namen der Getöteten singend weiter, sagt es weiter.

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