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Antifaschismus in Feministisch

Vor dem Parteitag der AfD in Hannover sprach Missy mit „Nationalismus ist keine Alternative“ über Protest.

30.11.17 > Inland

Von Janne Knödler

Ohnmacht in Widerstand verwandeln, heißt es in der Beschreibung der Kampagne „Nationalismus ist keine Alternative (NikA)“. Weil man mit Rechtsextremen sowieso nicht reden kann und weil Schweigen Zustimmung bedeutet, will die Kampagne vor allem laut sein, Widerstand leisten und blockieren. Und jede*r kann mitmachen. Missy sprach mit Andreas und Ulrike aus der Aktionsgruppe darüber, was NikA jetzt vorhat, warum der Kampf gegen Nationalismus ein feministisches Anliegen ist und wie Antifaschismus wieder hipper wird.

Spontandemonstration von „Nationalismus ist keine Alternative“ am 8. März 2016 ©NikA

Missy: Wie kam es zur Gründung von NikA?
Andreas:
Wir haben die Kampagne Anfang letzten Jahres in Frankfurt gestartet. Anlass war der Rechtsruck, der sich damals in Protesten gegen Geflüchtetenunterkünfte, Pegida, aber auch in dem Aufstieg der AfD ausgedrückt hat. Wir wollten das antifaschistische Spektrum einen und wieder mehr für antirassistische Kämpfe mobilisieren. Und auch das Feindbild erweitern. Vorher waren das Kameradschaftsnazis und die NPD. Heute muss man gar nicht mehr so weit nach Nationalismus schauen.

Ulrike: Grundidee der Kampagne ist es, Antifagruppen auch abseits der Großstädte einen Organisationsrahmen zu bieten. NikA ist ein offenes Label, das jede*r für sich nutzen kann.

Offenes Label heißt dann auch, dass es keine einheitlichen Strategien gibt?
Andreas: Natürlich gibt es eine Verständigung, wo wir hinwollen. Was dann rauskommt, hängt von den Leuten ab, wir sind für verschiedene Aktionsformen offen. Unser Ziel ist es auf jeden Fall, dem Rechtsruck spürbar etwas entgegenzusetzen und zu zeigen, dass es noch etwas anderes gibt als Pegida und AfD auf der einen und Merkel auf der anderen Seite.

Wen möchtet ihr denn mit euren Aktionen ansprechen?
Ulrike:
Es geht uns nicht darum, Rechte zurück in die Gesellschaft zu holen. Da müsste man auch ganz anders herangehen. Wir wenden uns an alle, die keinen Bock mehr haben auf AfD und Co. Wir geben ihnen eine Möglichkeit, mit uns auf die Straße zu gehen und das zu zeigen!

Andreas: Und das in einer Radikalität, die sie von vielen anderen Akteur*innen, vor allem den Parteien, leider nicht erwarten können. Wir wollten z. B. von Anfang an institutionalisierten Rassismus thematisieren. Viele Parteien, die sich gegen die AfD stellen, unterstützen aber leider rassistische Politiken. Schüler*innen, die sich dagegen wehren wollen, dass Klassenkamerad*innen abgeschoben werden, können sich nicht an die SPD wenden. Sondern an uns.

Ulrike: Das müssen nicht nur Menschen sein, die sich sowieso schon klar links positionieren. Um sich in unseren Inhalten wiederzufinden, reicht schon ein bestimmter Gerechtigkeitssinn. Wir wollen Antifaschismus zugänglich machen, niedrigschwellig und nah.

Mit wem solidarisiert sich NikA?
Andreas:
Erst mal mit allen, die Kämpfe führen, die in die richtige Richtung gehen. Ob es jetzt um Gewerkschaftskämpfe oder die Anerkennung nicht-binärer Identitäten geht. In der Praxis sind unsere Bündnispartner*innen meist aus der radikalen Linken, antifaschistischen oder antirassistischen Gruppen. Mobilisiert haben wir z. B. auch gegen den Marsch des Lebens. Wir wollen die Kämpfe zusammenbringen! Die rechte Bewegung ist ja auch Teil der antifeministischen Bewegung, wir wollten unsere Kritik nicht auf Rassismus verkürzen.

Warum sind Nationalismus und Antifeminismus denn so verbändelt?
Ulrike:
Antifeministische Positionen gehören zum Kern der Neuen Rechten. Der ständige Bezug auf das Volk, die deutsche Familie und die Hetze gegen Genderideologie drücken das aus. Da wird einem Idealbild nachgeeifert, das jeder emanzipatorischen Bewegung widerspricht. Umso schlimmer ist es, dass an der AfD-Spitze eine Frau steht, obwohl der Prozentsatz der Frauen innerhalb der Partei minimal ist. Da merkt man, wie professionell die Neue Rechte ist. Nicht-deutsche Frauen, Women of Color oder trans Frauen sind von deren Hetze gleich doppelt und dreifach betroffen.

©PM Cheung

Wie arbeitet ihr daran, nicht nur die Kritik, sondern auch die Mobilisierung integrativ zu gestalten?
Ulrike:
Ja, das ist ein wichtiges Thema. Wir kommen leider nicht umhin zu sagen, dass die Antifa und die Linke extrem weiß sind, aus der Mittelschicht kommen und meist studiert haben.

Andreas: Das hat in Deutschland eine lange Geschichte und auch mit dem Organisationsmodell der Linken zu tun. Die Vernetzung findet zum Großteil in Universitäten und Feierabendpolitgruppen statt. Wir haben keine kommunistische Partei, die irgendeine Rolle spielt, und sei es nur als Negativfolie, von der man sich abgrenzen kann. Die Gewerkschaften kann man vergessen und auch Stadtteilarbeit ist hier unpopulär. In einer akuten Situation wie heute, wo sich ganz Europa nach rechts bewegt, bleiben uns auch nicht die Ressourcen oder die Zeit, die radikale Linke neu zu erfinden. Das muss jetzt innerhalb der Praxis passieren.

Ulrike: Ich will hier auf jeden Fall betonen, dass bei uns alle sehr herzlich willkommen sind! Auch, um Kritik auszuüben und zu formulieren, was für sie anders laufen muss. Wir versuchen außerdem, den Zugang zu Treffen und der Blockade des Parteitages der AfD so niedrigschwellig wie möglich zu gestalten.

Dafür geht’s ja Samstag schon nach Hannover. Was steht denn gerade in der Organisation an?
Andreas:
Wir sind jetzt dabei, die Busse voll zu kriegen, zu mobilisieren und Leute davon zu überzeugen, dass das richtig gut wird! Unser Ziel ist es auf jeden Fall, am 2. Dezember wirklich materiell in den Parteitag einzugreifen und es nicht bei einem symbolischen Protest zu belassen. Das hängt dann natürlich auch davon ab, ob die Polizei wieder mit einem SEK kommt wie in Hamburg und wie viele wir sind. Wir werden zusammen Richtung Kongresszentrum laufen, so weit wir halt kommen. Am besten natürlich in das Gebäude rein! Wir wollen uns bemerkbar machen, denen den öffentlichen Raum streitig machen.

Was gibt es zu gewinnen bei der Blockade?
Ulrike:
Vor allem Aufmerksamkeit. Gerade die Medien, die vor Ort sind, können dann davon berichten, dass es nicht nur einen Rechtsruck gibt. Sondern auch Menschen, die sich dem entgegenstellen. Mit der Aktion sagen wir den Rechten den Kampf an. Die sollen sehen, dass es nicht einfach wird, ihr Ding zu machen. Und letztlich wird es empowernd für uns alle sein, da zusammen zu stehen und zu merken: Wir sind viele und wir sind laut.

Warum denn blockieren statt reden?
Andreas:
Ich frage mich, warum das so ein großes Thema ist. Was soll der Dialog denn bringen? Dass wir uns im herrschaftsfreien Diskurs den Positionen von Höcke und Gauland annähern? In Diskussionen mit gleichen Grundannahmen lasse ich mich gerne überzeugen, aber ich werde nicht mit Leuten darüber diskutieren, ob FLTI-Personen weniger wert sind oder ob Schwarze Menschen nach Deutschland gehören. Und diese Menschen damit als legitime Gesprächspartner adeln!

In der Diskussion geht es oft auch darum, dass wir das verteidigen sollen, was wir schon haben. Wie können wir denn Rückschritte verhindern, ohne den Status quo dabei zu glorifizieren? Schließlich lief auch schon vor der AfD einiges schief …
Ulrike:
Das ist natürlich ein Kernproblem antifaschistischer Politik. Plötzlich ist man in einer Position, aus der man den Staat oder das Grundgesetz verteidigen muss. Staat und Nation wollen wir aber konkret angreifen! Das ist eine Gratwanderung.

Andreas: Na ja, wir wünschen uns eine ganz andere Gesellschaft! Aber dafür müssen erst einmal die Grundbedingungen stimmen. NikA könnte ohne die Freiheit, politisch mobilisieren zu können und unsere Meinung auszudrücken ja gar nicht existieren. Und viele Menschen in prekären Situationen sind jetzt gerade massiv von Einschnitten betroffen. All die Rechte, die wir haben, sind das Ergebnis von Kämpfen und die werden wir sicher nicht wehrlos augeben.

Busse zum Protest gegen den AfD-Parteitag in Hannover am 2. Dezember gibt es bundesweit. Hier kannst du herausfinden, wo du in deiner Nähe mitfahren kannst.

Überzeugt. Wie kann man denn jetzt bei euch mitmachen?
Ulrike:
Zuallererst: Kommt nach Hannover zum AfD-Parteitag! Aus Berlin gibt es auf jeden Fall noch Bustickets. Ansonsten finden jetzt monatlich offene Treffen statt, die stehen auf unserer Seite auch ausgeschrieben. Wer schon organisiert ist, kann sich auf jeden Fall auch auf uns beziehen.

Andreas: Oder man schließt sich mit zwei, drei solidarischen Freund*innen in Hintertupfingen zusammen und startet unter dem NikA-Label eine geile Aktion. Hauptsache dabei sein!

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