Care-Arbeit für teure Handtaschen

Sarah Fresh hat es mit ihren „Mami Moves“ leider verkackt.

16.01.18 > Leyla Yenirce
Profilfoto Leyla Yenirce

Leyla Yenirce
Leyla Yenirce (*1992) lebt und arbeitet als Autorin, Filmschaffende und Künstlerin in Hamburg. In Niedersachsen aufgewachsen, folgten dort ein Studium der Kultur der Metropole plus Einschreibung an die Kunsthochschule. Sie ist Gründerin des intersektionalen Musikkollektivs OneMother und arbeitet derzeit an einem Film über die yezidische Diaspora in Deutschland.

Von Leyla Yenirce
Schon wieder eine Chance vertan. Dieses Mal ist die Rede von Sarah Fresh, die Frau des Rappers Eko Fresh. Diese hat pünktlich zu Neujahr ein Musikvideo veröffentlicht mit dem Titel „Mami Moves“, in dem sie auf Cardi B’s „Bodak Yellow“ Beat über das Mutterdasein rappt und dabei ziemlich traditionelle Geschlechterrollen reproduziert. Schade.
Auch rappende Frauen können mehr sein als nur Mütter © Tine Fetz
Dass der Name in der Musikwelt unbekannt erscheint, liegt daran, dass Sarah Fresh eigentlich keine Musik macht, sondern einen YouTube-Channel betreibt, in dem sie über den Alltag des Mutterdaseins berichtet. Vielleicht hätte sie lieber dabei bleiben sollen, denn in ihrem neuen Song kommt vor allem eines zum Vorschein: Frauen machen Care-Arbeit, Männer das Geld. 
Das Mutterbild, das sie repräsentiert, ist leider nicht sonderlich beeindruckend. Es handelt sich in ihrem Track um eine Mami, die die ganze Zeit zu Hause hockt und sich um das Kind kümmert, während ihr toller Rapper-Mann unterwegs ist. Aber ist ja auch alles total in Ordnung, solange er seiner Frau Gucci-Taschen kauft. Mit Sätzen wie „Ganzen Tag machen und tun, er kauft mir Taschen und Schuh“ reproduziert sie traditionelle Geschlechterrollen und glorifiziert ihre Rolle als neoliberale Frau eines Rappers. 
Cool wäre es gewesen, wenn sie ein Video gemacht hätte, in dem sie ihr Make-up macht und Eko das Mikro aus der Hand nimmt, während er die Windeln wechselt. Dann würde sie vielleicht auch auf seine Handtaschen scheißen, so wie ihr Baby in die Windel.
Die Kritik, die sie dafür kassiert, kommt wie absehbar nicht von Frauen, sondern von Männern aus der HipHop-Community. Diese beziehen sich aber selbstverständlich nicht auf ihre Inhalte, wie es bei männlichen Künstlern der Fall ist, sondern wie so oft bei Frauen auf ihr Aussehen. Ein Blick in die Kommentarspalte von HipHop-Plattformen wie 16Bars oder hiphop.de genügt. 
Auch wenn „Mami Moves“ kein feministisches Manifest darstellt, muss man es Sarah Fresh dennoch anrechnen, dass sie genügend Mut besitzt, eine Rap-Parodie rauszubringen, die selbst als Parodie nicht mal wirklich zum Lachen ist, sondern tatsächlich eher wie überzogene Selbstdarstellung wirkt. Am Ende zeigt es vielleicht, dass Sarah Fresh doch nicht nur Mami sein will, sondern auch YouTube-Star oder Moderatorin, wie sie es in einem Interview mit der „Promiflash“ äußerte. Zu Recht, wenn der Mann schon nur am Rappen ist, ohne einen Finger krumm zu machen, kann die Frau das ja dann auch.
Immerhin feiert die weibliche HipHop-Community im Netz das Video, das mittlerweile über 120.000 Klicks erreicht hat. Viele Frauen können sich identifizieren. Userin tesiTasty schreibt „du sprichst mir aus der Seele Schwester“, während La Adriana sie als „Hammer boss lady“ betitelt. Hoffen wir, dass das Video das empowernde Potenzial ausschöpft und nicht noch mehr Frauen dazu anregt, die Abstinenz von Männern bei der Erziehung von Kindern durch teure Taschen auszugleichen. Zumal die meisten Menschen sich jene ohnehin nicht leisten können, wenn sie nicht so wie Eko ordentlich Patte besitzen.
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