Gastblog DreiMinuten

Und vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

dreiminuten02-rahmen1Es war mir eine Freude. Zum Abschluss hier noch ein paar Empfehlungen on- und offline.

Trish Keenan, kürzlich verstorbene Sängerin der Band Broadcast, hatte einen extrem guten Musikgeschmack und ein Händchen für das Zusammenstellen von Compilations mit abseitiger Musik aus den 60er und 70er Jahren. Überzeugen kann man sich davon auf der diesen Monat online aufgetauchten “Mind-Bending-Motorway-Compilation”.

Anna schreibt seit Anfang Januar auf ‘different needs’ ein lesenswertes Riot-Grrrl ABC zusammen.

Und für alle, die in Berlin leben: Morgen startet die transmediale, Berlins’ Festival für digitale Kultur und Medienkunst. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Feminist DIY Workshop von Mz Baltazar’s Laboratory, präsentiert vom Missy Magazin.

Die neue Weiblichkeit der Lykke Li

dreiminuten02-rahmen1Lykke Li kultiviert in den Musikvideos und Kurzfilmen zu ihrem neuen Album “Wounded Rhymes” ein Image, dass mit dem netten Mädchen mit dem Dutt nichts mehr zu tun haben will. Mit offenen Haaren und ‘Heavy-Metal’-Körperschmuck beschwört sie im Video zu “Get Some” einen esoterisch angehauchten Weiblichkeitskult.

“I’m a prostitue – you gon get some” als eine Form der Selbstermächtigung oder ‘pussy power’, wie sich selbst in einem Interview dazu äußert. Als Inspirationen nennt sie Anaïs Nin, Simone de Beauvoir, Edith Piaf, Patti Smith, Gena Rowlands – ‘just badass women’ eben. Das Video zu “Get Some” zitiert großzügig alles von Schamanimus bis Amazonentum: Lykke Li tanzt im Kerzenzirkel vor psychedelischen Videosequenzen von bewaffneten Frauen. Read more »

Hörempfehlung: Anne Briggs


dreiminuten02-rahmen1Anfang der 60er Jahre waren die für das Musikbusiness verwertbaren Rollen für weiblichen Musikerinnen überschaubar. Eine davon, der “family entertainer”, singt nette Folksongs, will die Welt ein bisschen besser machen und lässt sich gut zur Heiligen stilisieren. Joan Baez hat dieses Image bis heute, Joni Mitchell entzieht sich ihm erfolgreich durch komplette Medienabstinenz. Die britische Folksängerin Anne Briggs hat sich immer außerhalb dieser verwertbaren Kategorien bewegt; ihre Alben aus den 70ern werden erst jetzt wieder entdeckt.

Anne Briggs wird 1944 in der Nähe von Nottingham geboren. Bei einer Fahrradtour nach Edinburgh lernt sie Bert Jansch kennen, der gerade am Anfang seiner Karriere als britischer Dylan steht. Die beiden sehen sich wohl so ähnlich, dass sie oft für Geschwister gehalten werden. Sowohl privat als auch künstlerisch sind die beiden ein Paar – Anne schreibt das Arrangement für einen von Jansch’ bekanntesten Songs ‘Blackwaterside’. Er vergleicht ihren Einfluss auf den Folk im Nachhinein gerne mit dem Einfluss des Punk auf die Rockmusik. Unberechenbar auf der Bühne, spielt sie ihr Set nur dann zu Ende, wenn sie es sich für richtig erachtet und tritt sowieso viel lieber ‘außerhalb von Gebäuden’ auf. Vier Wochen vor ihrem 18. Geburtstag beschließt sie, Musikerin zu werden und zieht von zu Hause aus um sich dem ‘Center 42′ anzuschließen – einer Gruppe von Künstlern und Musikern, die im Großraum London herumziehen und in Pubs und auf Festivals spielen. Read more »

‘Last Night A Djane Saved My Life’

dreiminuten02-rahmen1Samstag – Wochenende – Weggehen. Die Dreieinigkeit der Freizeitgestaltung zwischen Donnerstag und Sonntag. Ebenfalls dazwischen: Überlegungen zu einer weiblichen DJ – Kultur und das Nichtvorhandenseins eines Kults.

“Either you can hear his-tory, or history, and the only way you gonna hear the real historical view on it is by the people who were actually there…” Grandmaster Flash über eine Geschichte der DJ-Kultur in Ulf Poschardts ‘DJ Culture’.

Das ist nicht so gemeint. Aber so, wie ‘his-tory’ hier im Schriftbild auseinander gezogen wird: was ist denn dann mit ‘her-story’?Wenn es so etwas wie eine weibliche Geschichtsschreibung in der Popmusik* geben würde, wie könnte die aussehen? Die Frau im Pop – Pop hier weniger als Musikrichtung als einen im selben Referenzraum stattfindender musikalischer Mainstream – ist  vor allem Objekt des männlichen Blicks. Den Versuch, eine alternative – weibliche – Musikgeschichte aufzuzeichnen, hat die britische Kulturwissenschaftlerin Angela McRobbie 1978 in einem Essay über ‘Rock and Sexuality’ gemacht. Sie untersucht frauenfeindliche Tendenzen in der Rockmusik und stellt fest: “Some feminists have argued that rock is now essentially a male form of expression, that for women to make nonsexist music it is necessary to use sounds, structures, and styles that cannot be heard as rock.” Read more »

Hörvorschlag: Those Dancing Days

Letzes Jahr haben Those Dancing Daysdreiminuten02-rahmen aus Stockholm ein nettes Popalbum veröffentlicht. Die erste Single ihres neuen Albums ‘Daydreams and Nightmares’ möchte nicht mehr nett sein, flucht viel und schüttelt die langen Haare. Im Video zu ‘Fuckarias’ sieht das nach ziemlichem Spaß aus. Oder?

‘Daydreams And Nightmares’ erscheint am 25.02.2011 auf Witcha Recordings. Those Dancing Days spielen in den kommenden Monaten einige Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

24. Februar – Molotow, Hamburg

25. Februar – Zwischenbau, Rostock

1. März – Studio 672, Köln

2. März – Magnet, Berlin

4. März – Flex, Wien

8. März – Mascotte, Zürich

Jetzt für Musikfernsehen bezahlen?

dreiminuten02-rahmen1Seit dem Jahreswechsel kann man den Musiksender MTV nicht mehr frei empfangen. Wohin mit dem Musikvideo? Das hat im Netz schon ein neuen Platz gefunden – und eine neue Existenzform.

Angefangen hatte alles mit “Video Killed The Radio Star”, aufhören sollte es am Silvesterabend mit “Viva Forever” von den Spice Girls. Nur ein bisschen Selbstironie oder auch ein Verweis auf den jetzt nicht mehr im Schatten stehenden Schwestersender? MTV wird 2011 Premium und ist als Paket mit mehreren Musikspartensendern käuflich zu erwerben. Dafür gibt es mehr Musik, mehr Serien und vor allem weniger Werbung. Der andere Kanal des Viacom-Unternehmens – Viva – wird weiterhin kostenlos auf Sendung bleiben und geht mit neuem Image und neuem Logo ins neue Jahr.

Als MTV 1981 sein erstes Video sendete war die Welt für die Musikindustrie noch in Ordnung: LPs, CDs und Singles wurden in Plattenläden verkauft und nicht wahllos geladen. Für die Breitenwirkung ihrer Künstlern produzieren Plattenfirmen lange, teuere Filme mit Zombies und Supermodels in Badewannen. MTV wird innerhalb kürzester Zeit von der Musikwerbefilmabspielstation zur einer Jugendkultur – mit eigener Sprache, eigenen visuellen Codes. Musikfernsehen war wie Radio mit Bild – the Smell of Teen Spirit und für mich als Teenager vom Dorf die Bestätigung, dass es (in den anderen größeren Städten) so eine bunte Welt geben muss.

Musikvideokurzfilmhybrid von Spike Jonze zu dem Arcade Fire Song “The Suburbs” (2010)

Dann kam YouTube und schuf den Platz für ein kollektives visuelles Gedächtnis, inklusive aller jemals gedrehten Musikvideos. Was man sehen wollte, war also immer verfügbar – wozu noch vor dem Fernseher warten? Irgendwann gab es auch im Musikfernsehen immer weniger Musik zu sehen. Im Netz hatte das Musikvideo den nötigen Freiraum, um sich zu entwickeln – nicht höher, schneller, weiter. Im der digitalen Nische einer Musikrichtung und/oder Szene gediehen Musikvideos, die nicht mehr nur Werbeträger waren oder sein wollten: das Musikvideo als Form des Kurzfilm erlebte eine Renaissance. Das Musikvideo wurde selbst zum Produkt. Produkte, auf dessen individuell abgestimmten Konsum sich mittlerweile verschiedenen Online-Musikfernsehsender spezialisiert haben.

Das Konzept MTV als Pay-TV-Kanal anzubieten funktioniert bereits in anderen Ländern, in denen die Zuschauer bereit sind für mehr Musik auch mehr zu zahlen. Schwierig ist heute nicht das Suchen und Finden, sondern das Auswählen aus einer unüberschaubaren Masse an Musik. Spannend zu sehen, ob das neue Musikfernsehen das Bedürfnis nach Übersicht – auf verschiedenen medialen Kanälen – erfüllen kann.

Jetzt endlich mal über Musik sprechen.

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In Linz fand im vergangene Monat ein Workshop zu zu frauenfördernden Maßnahmen und Strategien im Musikveranstaltungsbereich statt. Der Titel: “Können wir jetzt endlich mal über Musik sprechen?” Schön, wenn es bei Musik von Frauen/mit Frauen auch mal wirklich um Musik geht – und nicht um das Geschlecht. Schön wäre das. An dieser Stelle soll es diesen Monat tatsächlich vor allem um Musik gehen, die von Frauen gemacht wird und wurde. Jetzt also endlich mal über Musik sprechen. Und zum warm werden: Musik von Julianna Barwick aus Brooklyn. Die Musik ganz ohne Worte macht.

“I don’t think there’s any guitar”. Stattdessen: die menschliche Stimme, bis ins unkenntlich verzerrt und im Hall aufgelöst. Julianna Barwick konstruiert auf ihrem ersten Album “The Magic Place” neun Musikstücke zwischen Äther und Fußboden. Die Musik ist größtenteils A-Cappella und setzt sich aus Barwicks Stimme – mehrspurig und durch eine Loop-Station geschickt – zusammen. Das erinnert an einen Kirchenchor (viel, sehr viel Raumhall) und irgendwie auch an Techno (eine sich Schicht für Schicht erst aufbauende, dann abbauende Struktur). Der Soundtrack für das Post-Silvester-Dilerium.

“The Magic Place” erscheint am 22. Februar auf Asthmatic Kitty Records.

Und jetzt noch: Die neue Gastbloggerin

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Nachdem Brigitte von der Denkwerkstatt zum Abschied noch mal die schönsten feministischen Aufreger und Knaller des vergangenen Jahres passieren lässt (vielen Dank!), stellen wir euch jetzt wie versprochen ihre Nachfolgerin vor:

Ann-Kathrin, geboren 1990, schreibt auf ihrem Blog dreiminuten.blogspot.com (und ab und zu auch auf roteraupe.de und auftouren.de) über Musik, realen Popfeminismus und sowohl bewegte als auch statische Bilder. Seit September studiert sich zusätzlich Musikwissenschaft und Kunstgeschichte in Berlin. Sie war gerade sehr erkältet, jetzt geht es ihr aber besser – zum Glück – so dass sie ab morgen ihre neue Blogstelle bei uns antreten kann. Ihr Gastblog soll sich vor allem um diejenigen Musikerinnen, Journalistinnen und sonstigen weiblichen Vorbilder drehen, die in ihren Augen besondere Aufmerksamkeit für ihre Arbeit/Musik/Texte verdient haben. Der Januar ist mit Sicherheit viel zu kurz, um sie alle unterzubringen, aber zumindest eine Auswahl wird sie für uns porträtieren. Wer alles auf ihrer Liste steht? Erfahrt ihr dann im Laufe des Januars. Stay tuned…