Gastblog annalist

Wikiperiment

Über den Versuch, bei Wikipedia einen Link einzubauen – Drama in neuneinhalb Akten

annalist-rahmenEnde September fand in Leipzig die Wikipedia-Konferenz “Ein kritischer Standpunkt” statt. Ich war zur Teilnahme an der Podiumsdiskussion zum Abschluss eingeladen (Video unten), obwohl und vielleicht auch weil ich die Interna von Wikipedia nicht gut kenne (Bericht im Konferenz-Blog).

Meine Rolle war, die kritische Außensicht zu repräsentieren, was nicht bei allen gut ankam. Eins meiner Argumente war (und ist), dass ein Projekt wie Wikipedia seine unterschiedlichen Standbeine gleichmäßig belasten sollte: es ist nicht nur Enzyklopädie, nicht nur online, sondern auch partizipativ und transparent. Read more »

Deutsche Medien bestehen vor allem aus Männern

annalist-rahmenMänner und Frauen sind gleichberechtigt. Wissen wir alle, steht ja auch im Grundgesetz, und bis auf ein paar ewig mäkelnde Männerhasserinnen haben es inzwischen die meisten begriffen. Bleiben noch ein paar, die zuviel (oder zuwenig, je nachdem) Judith Butler gelesen haben, und zu zucken beginnen, wenn überhaupt Wörter wie “Frauen” und “Männer” vorkommen.

Geblieben ist so Kleinkram, wie ich gerade in meinem Gewerkschaftsblättchen fand: Die Situation von Frauen in den Medien ist einigermaßen unwürdig.

Lediglich 24% der Menschen in den Nachrichten sind weiblich. Deutschland liegt mit 21% unter dem internationalen Durchschnitt.

Das ist eins der Ergebnisse im Abschlussbericht des Global-Media-Monitoring-Project GMMP Who makes the News?, der bereits im September vorgestellt wurde (geriet das eigentlich in die Medien?). Seit der UNO-Frauenkonferenz 1995 beobachtet das Projekt die Präsenz von Frauen in den Medien und hat jetzt zum vierten Mal ermittelt,

wie häufig die beiden Geschlechter in Presse, Radio, Fernsehen und Internet vorkommen, wie sie dargestellt werden und wer diese Bilder produziert.

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Kommissar Beck und die Polizeistatistik

annalist-rahmenDie Serie Kommissar Beck, erfunden von dem legendären AutorInnen-Paar Maj Sjöwall und Per Wahlöö, ist unter Krimi-Guckenden sehr beliebt. Dass sich Geschichte wiederholt, wenn wir nichts aus ihr lernen, wissen wir schon. In “Verschlossen und verriegelt“, geschrieben 1972, gibt es eine Beschreibung der Bedeutung der Polizeilichen Kriminalstatistik, die auch knapp 40 Jahre später hätte geschrieben worden sein können:

Vor einigen Jahren hatte jemand im Polizeitapparat die Möglichkeit entdeckt, mit einfachen, aber nicht sofort durchschaubaren Methoden die Kriminalstatistik so zu steuern, dass sie gänzlich irreführend wurde, ohne deshalb direkt falsch zu sein. Das Ganze fing damit an, dass man eine militante und einheitlichere Polizei, eine größere technische Ausstattung und vor allem eine umfassendere Bewaffnung haben wollte. Um das alles bekommen zu können, galt es, die Gefahren des Berufs zu übertreiben. Da allgemeines Geschwafel als politisches Druckmittel nicht ausreichte, fand man einen anderen Ausweg: die Manipulation der Statistik.

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BKA darf keine Journalist_innen-Daten an die NATO weitergeben

annalist-rahmenDas BKA hat eine hübsche kleine Schlappe eingesteckt: das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat letzte Woche entschieden, dass es Daten von Journalist_innen nicht an die NATO weitergeben darf, berichtete gestern tagesschau.de. Hat es aber, weswegen die NATO zwei Journalisten vor dem NATO-Gipfel in Straßburg im Frühjahr 2009 die Akkreditierung verweigerte. Geklagt hatte Kamil Majchrzak, ein polnischer Journalist, der u.a. für Le Monde Diplomatique schreibt; außerdem betroffen war Björn Kietzmann, Fotograf für’s Neue Deutschland.

Der polnische Journalist, der vor dem Verwaltungsgericht geklagt hatte, hatte im Januar 2009 über das Internet eine Akkreditierung beantragt. Die NATO übermittelte seine persönlichen Daten daraufhin dem BKA. Die Behörde in Wiesbaden glich diese mit dem polizeilichen Informationssystem INPOL ab. Auf dieser Grundlage empfahl das BKA der NATO, die Akkreditierung abzulehnen. (tagesschau.de)

Nach geltendem Recht ist das alles ganz legal, solange etwa die Daten an “Dienststellen der Stationierungsstreitkräfte oder an eine internationale kriminalpolizeiliche Organisation” weitergereicht werden, aber beim NATO-Hauptquartier hört’s dann auf, fanden die Richter. In der Pressemitteilung des Gerichts lässt sich ganz gut nachlesen, an welchen Punkten das BKA-Gesetz demnächst wohl nachgebessert werden wird.

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Super Awesome Sylvia

Gelegentlich wird die Frage aufgeworfen, warum Frauen und Technik so schlecht zusammen passen (anscheinend). Super Awesome Sylvia zeigt, was fehlt:

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Gefunden über den Eclectic Tech Carnival.

netz:regeln mit Regelschmerzen

annalist-rahmenDie grünennahe Heinrich-Böll-Stiftung hat sich einen ziemlichen Faux-Pas geleistet. Sie organisiert am 9. Oktober eine netzpolitische Veranstaltung, “netz:regeln. Chancen und Risiken künftiger Netzregulierung”. Als ich sie Mittwoch nacht fand, war unter den 21 eingeplanten Referenten nicht eine Frau. Auch drei oder vier wären für eine Stiftung, die Gender ganz groß im Image trägt, ziemlich peinlich. Aber gar keine?

Es gibt zwei Websites zur Veranstaltung: die bei der Böll-Stiftung selber, und eine mixxt-Community. Bei letzterer stand eine Frau auf der Liste.

Mir stellt sich mal wieder die Frage: Wie kann denn sowas passieren?

Referenten für netz:regeln, Screenshot am 28.9. gemacht von Christian Soeder

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Neue Gastbloggerin im Oktober: Anne Roth von annalist

Anne Roth ist die neue Missy-Gastbloggerin im Oktober. Anne lebt in Berlin, ist Medienaktivistin, Journalistin, Mutter zweier Kinder und seit Juli 2007 vor allem bekannt als Partnerin des Stadtsoziologe Andrej Holm, der in ihrer gemeinsamen Wohnung als Terrorist festgenommen wurde. In ihrem Blog annalist begann Anne damals über die Innenansicht einer Terrorismusermittlung zu berichten, “weil ich mitten in der Debatte Freiheit vs. Sicherheit auch andere wissen lassen wollte, wie das im Alltag für die aussieht, die davon betroffen sind”.

Mit dem Blog gelang es Anne, die Perspektive zu spiegeln und die staatlichen BeobachterInnen zumindest ein Stück weit selbst unter Beobachtung zu stellen. Damit fand und findet sie zurecht große Beachtung. Seit die Ermittlung abgeschlossen ist, schreibt sie allgemeiner über Terrorismus- und Extremismus-Diskurse, über die Polizei und manchmal auch über die Geschlechterverhältnisse im Netz.annalist-rahmen

Wir haben euch Annes Blog bereits Anfang 2010 in Missy 01/10 vorgestellt. Jetzt freuen wir uns ganz besonders, dass sie den kommenden Monat über hier bloggen und mit uns und euch diskutieren wird.