Gastblog ARGE Dicke Weiber

»Unser Körper, unser Leben« *

ARGE Dicke Weiber

Keine Vergleiche mehr

Jeder Körper ist unvergleichbar, jeder Mensch ist unvergleichbar. Wir schaden einander, wenn wir uns vergleichen und bewerten – wenn wir miteinander konkurrieren, wenn wir einander herabwürdigen. Jeder Körper ist wie er ist, weder gut noch schlecht, weder besser noch schlechter als ein anderer. Unsere Körper spezifizieren uns, machen uns und unsere Erfahrungen einzigartig.

Ich will nicht länger verglichen werden und nicht länger vergleichen. Es ist Gehirnwäsche, die bereits mit der Geburt und seit Ultraschalluntersuchungen schon vor der Geburt beginnt. Wir werden normiert, werden gemessen, werden gewogen, werden verglichen, werden bewertet. Bereits im Krankenhaus erfährt man wie außergewöhnlich ein Kind ist, wenn es größer, schwerer, kleiner, leichter als die durchschnittlichen Babies ist.

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Buch- und Filmtipps für ein dickes Selbstbewusstsein

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Englischsprechende sind eindeutig im Vorteil, denn dickenfreundliche Bücher und Filme in deutscher Sprache sind rar – feministische ganz besonders. Aber auch im anglo-amerikanischen Raum ist es keineswegs so als wäre »fat positive culture« an jeder Straßenecke zu finden. Im Gegenteil, auch hier muss frau nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen suchen. Ein paar dieser Nadeln haben wir gefunden und möchten sie hier mit euch teilen. Es sind Bücher und Filme, die ein positives Körperbild vermitteln und dickes Selbstbewusstsein fördern.

Viel Vergnügen!

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Riots not Diets

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Schönheits- und Körpernormen sind Gewalt gegen Frauen. Wehrt euch!

Der Schlankheitswahn, der Jugendlichkeitswahn, der Enthaarungswahn und der Gesundheitswahn sind sexistische Herrschaftsinstrumente um Frauen zu unterdrücken.

Von Medien, ÄrztInnen, PolitikerInnen und von der Kirche wird das Bild der unzureichenden Frau und ihrem unvollkommenen Körper postuliert. Frauenkörper haben vermarktbar zu sein, sie haben einer bestimmten Norm zu entsprechen, sie müssen sich biegen, verformen und anpassen lassen. Wenn der Körper einer Frau sich nicht anpasst, dann wird sie dazu verdammt sich selbst zu verachten und zu verabscheuen. Der Wert einer Frau wird durch ihren Körper bestimmt. Auch der Selbstwert einer Frau hat sich durch den Körper zu bestimmen – so die allgemeine Meinung.

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»Wir sorgen uns um Ihre Gesundheit!«

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Wenn Dickenhass Einzug in die Medizin hält

Bereits beim Schularzt/der Schulärztin ist die Sorge um die Gesundheit des dicken Kindes vornehmlich auf sein »Über«-Gewicht beschränkt. So muss man in den niederen Schulstufen vor der gesamten Klasse abgewogen werden und in den höheren Schulstufen mit 3-5 anderen gleichgeschlechtlichen Kindern. Vor den anwesenden MitschülerInnen wird das dicke Kind dann darüber belehrt, was es wann und wie essen darf und wie oft es sich bewegen soll. Es wird ihm mitgeteilt, dass es doch Diät machen soll und abnehmen müsse. Es wird ausgefragt was und wie es isst und wie viel es sich bewegt. Im Unterschied dazu wird ein »normalgewichtiges« Kind nicht gefragt wie viel es sich bewegt oder was es isst. Das dicke Kind wird vor allen beschämt und gedemütigt – die psychologischen Folgen solcher Demütigungen, die von Erwachsenen im Beisein anderer Kinder ausgeübt werden, sind ganz bestimmt ungesund. Doch diese Folgen scheinen niemanden zu interessieren und schon gar nicht die SchulärztInnen. Auch die körperlichen Folgen die eine Diät (also die schulärztliche Empfehlung) verursachen kann, werden nicht erläutert. Viele dicke Kinder fürchten sich bereits vor dem/der Schulärzt/in.

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Top 10 FETTnäpfchen

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Für FreundInnen dicker Frauen

»Gut gemeint« ist meist das Gegenteil von gut und hinter schnell dahingesagten Sätzen verbergen sich manchmal massive Angriffe und eingeschränkte Weltbilder. Deshalb haben wir die zehn häufigsten Kommentare aus unserem FreundInnenkreis gesammelt, die sich bei genauerem Hinsehen als ziemlich dickenfeindlich entpuppen.

1. »Wow, du siehst aber gut aus. Hast du abgenommen?«

Eines der beliebtesten Komplimente. Schließlich soll Abnehmen ja Willenskraft, Durchhaltevermögen und Fleiss erfordern und kommt gleich nach Den-Nobelpreis-gewinnen. Glückwünsche und Standing Ovations sind da ein Muss. Die Botschaft, die hinter diesem Satz steckt, ist allerdings nicht ganz so schmeichelnd. Denn eigentlich wird damit ausgedrückt: »Mir fällt kein anderer Grund als das Abnehmen ein, warum du möglicherweise gut aussehen könntest.«. Weitergedacht heißt das, »Du gefällst mir besser, wenn du schlank(er) bist.« und »Ich finde es toll, dass du abnimmst.«. Und was bedeutet das anderes als die Schönheitsnorm-Gehirnwäsche »Dick ist hässlich«?

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One size does NOT fit all!

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Körpernormen in der Modeindustrie

Kleidung ist klimabedingt notwendig und im öffentlichen Raum auch weitestgehend gesetzlich vorgeschrieben. Neben dieser Funktion dient Kleidung aber auch als Ausdruck eines individuellen Lebensstils oder als Zeichen einer kollektiven Zugehörigkeit, die bis hin zu Uniformierung gehen kann. Kleidung war und ist ein höchst reglementiertes Feld und wurde deshalb von Feministinnen und Lesben immer schon als ein Werkzeug für ihre gesellschaftliche Befreiung verwendet. Die Verweigerung des Korsetts Ende des 19. Jahrhunderts, das Tragen von Hosen in den 1920er Jahren und die BH-Verbrennungen der 1970er Jahre sind Beispiele dafür. Auch für dicke Frauen ist das Ausbrechen aus den einschränkenden Kleidungskonventionen mehr als persönliche Selbstverwirklichung. Es ist politischer Widerstand!

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Was heißt hier essgestört?

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Essstörungen und Gewicht hängen nicht miteinander zusammen

Ein großes Problem ist der Gebrauch des Wortes »Essstörungen« in Zusammenhang mit dicken Frauen. Nein, es ist ein Irrtum wenn man es in einem Atemzug verwendet und damit jeder dicken Frau unterstellt, sie hätte eine Essstörung sonst wäre sie ja nicht dick. Man unterstellt damit auch jeder dicken Frau, sie wüsste nicht wie sie sich richtig ernährt und glaubt, dass Ratschläge angebracht seien wie die Frau denn abnehmen könnte – auf welches Essen sie achten sollte etc.

Ganz besonders störend ist dabei das Wort »Esssucht« – man unterstellt jeder dicken Frau esssüchtig zu sein. In Wahrheit ist Dicksein aber Teil der körperlichen Vielfalt. Es gibt die runde Körperform genauso wie die eckige, die große genauso wie die kleine. Frau ist nicht dick, weil frau zu viel isst. Frau ist nicht dick, weil frau an Esssucht leidet. Frau ist dick, weil frau dick ist.

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Erfahrungen aus dem dicken Alltag – Teil II

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Im Supermarkt

Vorgestern war ich Lebensmittel einkaufen. Vor einem Nudelregal stellt sich eine ältere Frau neben mich und schaut in meinen Einkaufswagen, dabei macht sie die Bemerkung, ich solle doch weniger Lebensmittel mit Kohlehydraten kaufen, sondern mehr Obst und Salat. Sie meinte, es wäre besser für mich mehr Light-Produkte zu essen, die hätten weniger Fett. Danach wollte sie mir einen langen Vortrag halten, was gute und schlechte Lebensmittel seien und wie man sich am Besten ernähren sollte. Ich konnte es nicht glauben, dass eine wildfremde Frau sich hinstellt und meint, besser zu wissen was gut für mich ist als ich selbst. Ich ignorierte es und versuchte weiter meinen Einkauf zu erledigen. Später an der Kassa meinte plötzlich auch die Kassiererin: ich solle wohl »angebrachtere Lebensmittel« kaufen – was auch immer das heißt. Vor dem Geschäft stand eine Gruppe Jugendlicher, die sich dann noch erdreistet haben, sich über mich und meinen Einkauf lustig zu machen. Sie machten Bemerkungen wie: »Die kauft aber viel ein – ist aber auch kein Wunder so viel wie die frisst!« – »Die ist so ungehalten wie ein wildes Tier und stinkt genauso!«

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Erfahrungen aus dem dicken Alltag – Teil I

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Klamotten kaufen

Meine Freundin Susie wollte unbedingt mit mir shoppen gehen. Wir waren in etlichen Geschäften und liefen uns die Füße ab. In jedem einzelnen Geschäft hat sie tausend Sachen anprobiert und gemeckert es würde ihr da an dieser Stelle nicht passen und dort nicht passen (weil es mache ihr einen zu großen Hintern, zu dicke Oberarme, etc.). Immer wieder forderte sie mich auf, mir doch auch etwas zu suchen. Ich sah mich um und stellte fest, dass die größte Größe, die ich finden konnte eine 44 war. Für mich war das nicht überraschend, jedoch war Susie der vollen Überzeugung eine 44 müsste mir doch passen und als sie dann auch noch eine einzige Bluse in 46 fand, glaubte sie, ich würde ihr einfach nur den Einkauf vermiesen wollen. Doch nein, leider passt mir auch keine 46 – ich habe nun mal Größe 56-60. Ihr zu Liebe versuchte ich dann aber die Bluse anzuprobieren – ich steckte bereits bei den Ärmeln fest – vom Zuknöpfen nicht zu reden.

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Diät? Nein, danke!

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Achsel- und Beinhaaren, Falten, Hängebrüsten, Cellulite und ganz besonders dem Körperfett wurde offiziell der Krieg erklärt. Ganze Wirtschaftszweige forschen, produzieren, verkaufen und operieren mit Milliardenumsätzen um diese Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten und alle Frauen werden zum potentiellen Schlachtfeld. Denn eine »Problemzone« ist schnell gefunden. Fast keine Frau hat heutzutage einen Körper mit dem sie einfach so zufrieden sein darf.

Die meisten dieser unerwünschten Körperlichkeiten entwickeln sich im Laufe der Pubertät oder mit den Jahren und sie sind untrennbar mit dem erwachsenen Körper einer Frau verbunden. Vom Kampf gegen das Fett jedoch sind bereits sehr junge Mädchen betroffen. Eltern, Haus- und SchulärztInnen, SportlehrerInnen und andere PädagogInnen sind die ersten, die dicken Mädchen zu verstehen geben, dass etwas mit ihrem Körper nicht stimmen würde. Sie sind auch die ersten, die Mädchen zu Diäten anstiften oder sie dazu zwingen.

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