(Kino)welt im Umbruch
Liebe Missys: Die diesjährige Berlinale endet ein klein wenig überraschend mit einem Goldenen-Bären-Gewinner, den ich – bei aller Sympathie für Jurypräsident Mike Leigh – als Altherren-Entscheidung empfinde. Zwar haben die über 80-jährigen Taviani-Brüder mit ihrem altmeisterlich hübsch in durchkomponierten Schwarzweißbildern fotografierten Film ein interessantes Thema aufgegriffen, sind meiner Meinung nach diesem aber nicht gerecht geworden. Ihr semidokumentarischer Film „Cesare deve morire“ („Cäsar muss sterben“) spielt in der römischen Strafanstalt Rebibbia: Dort sitzen verurteilte Mafiosi, Drogenhändler und Mörder ein. Gemeinsam proben sie das Shakespeare Stück „Julius Caesar“ ein. Zu Beginn des Films gibt es eine sehr gelungene Casting-Szene in denen die künftigen Laiendarsteller ihre biographischen Daten einmal weinerlich und einmal wütend vorbringen müssen. Was für Gesichter, was für schauspielerische Talente und wie viel Einfühlungsvermögen ist an diesen Menschen, die zum Großteil lebenslänglich einsitzen, für die Welt verloren gegangen! Jeder Zuschauer brennt förmlich darauf nun mehr von diesen Menschen und ihrer Lebensgeschichte zu erfahren, wir hoffen auf einen Film, der uns die dramatische Verbindung zwischen dem Leben der Männer und dem Stück aufzeigt, stattdessen werden wir größtenteils nur Zeugin des Entstehungsprozess der Inszenierung.
Posted: February 21st, 2012 under Gastblog Berlinale.
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Jedes Jahr gibt es einen Wettbewerbs-Film, den ich verpasse, weil er in aller Herrgottsfrühe im Berlinale Palast gezeigt wird und ich gerade kein weiteres schweres Menschenschicksal, dass womöglich noch in einem unterdrückten Land spielt, mehr sehen kann.