Gastblog Berlinale

Nur Mut companeras!

gabyberlinale-rahmen1Schön, schön, auch die Gewinnerin des diesjährigen 13. Panorama-Publikumspreises in der Kategorie Spielfilm ist eine Frau. Icíar Bollaíns Antikolonial-Film-im-Film “También la lluvia”, der vor dem Hintergrund des „Wasserkriegs“ von Cochamba und den Dreharbeiten zu einem kritischen Film über Kolumbus spielt, habe ich bereits in meinem Missy-blog „Es gibt Wichtigeres als Film“ besprochen – für mich gehört er zu den drei sektionsübergreifend besten Filmen der diesjährigen Berlinale. Warum er nicht im Wettbewerb lief – der in diesem Jahr eher lauwarm bis unterkühlt war, will sagen für meinen Geschmack von zu vielen antriebslosen und/oder fatalistischen Menschen handelte – ist mir ein Rätsel!
Platz 2 in dieser Kategorie belegte „Medianeras“, ein Film über zwei Menschen, Mariana und Martin, die im selben Block wohnen, sich aber nie kennenlernen, obwohl sich ihre Wege ständig kreuzen. Den Film habe ich mir nicht angeschaut, weil mir persönlich die Geschichte von vorneherein nicht gefiel. Aber wie ich mittlerweile gehört habe, kriegen sich die beiden sozialgestörten Menschen am Ende doch noch. Na also, nur Mut companeros und companeras!

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Theo gegen den Rest der Welt…

gabyberlinale-rahmenDie Siegerin des diesjährigen Caligari-Filmpreises, der von der Forumsabteilung der Berlinale vergeben wird, heißt in diesem Jahr Marie Loisier! Damit bin ich mehr als einverstanden, ihren zu Herzen gehenden herrlich intimen Film „The Ballad of Genesis and Lady Jaye“ habe ich Euch ja bereits in einem meiner ersten Missy-Berlinale-blogs kurz vorgestellt!
In der Urteilsbegründung der Jury hieß es sehr richtig (Achtung, Dr. Freiherr Karl Theodor zu Guttenberg, so geht das jetzt – ich gebe einfach die Namen der Jurymitglieder an, die diesen klugen Text aufgesetzt haben – Julia Teichmann (FILM-DIENST), Jennifer Borrmann (aka Freiburg) und Peter Link (Weitwinkel, Kommunales Kino Singen) – setze deren Worte in Anführungsstriche – und fertig ist die Laube, wie meine hemdsärmlige Freundin Ruth stets zu sagen pflegt…: Read more »

The Schrader way to start a film

gabyberlinale-rahmenHeute morgen bin ich mal nicht zum Berlinale-Palast und in den RAF-Film im Wettbewerb „Wer wenn nicht wir“ von Andres Veiel gegangen. ( Wann kommt eigentlich mal endlich das erste RAF-Musical oder wenigsten eine RAF-Groteske dachte ich gestern so bei mir, nachdem ich in aller Herrgottsfrühe Moritz Bleibtreu in „Mein bester Feind“ als moppligen und völlig unpassend stets quietschfidelen Juden erleben musste – es bleibt einem auf dieser Welt im allgemeinen und auf der Berlinale im Besonderen schließlich wenig erspart….) Weiterer Nebenschauplatz: Ich fordere zehn Jahre Nazifilmverbot für den unerschrockenen Moritz Bleibtreu, im Ernst jetzt!
Doch ich schweife ab: Heute morgen also bin ich stattdessen zum Berlinale Talentcampus getigert. (Jedes Jahr kann sich jeder auf der Welt, der mit Film zu tun hat – von der  RegisseurIn bis zur SounddesignerIn – dort bewerben. Beim Talentcampus trefft ihr dann eine Woche lang auf Experten, die Euch bei Eurem Fortkommen weiterhelfen)
Heute kam Paul Schrader, der legendäre Drehbuchautor von „Taxi Driver“, „American Gigolo“, „Raging bull“ und „Der Gejagte“ – um nur einige zu nennen. In vielen Filmen hat er zudem noch Regie geführt. Read more »

Planet July – Die Zukunft beginnt jetzt…

gabyberlinale-rahmen„Living is just a beginning and now the beginning is over“ sagt am Ende des Films „The Future“ von Miranda July die Expertin des Weltschmerzes, die Katze PawPaw. (An Julys 37ten Geburtstag, dem 15. Februar, feierte der Film auf der Berlinale seine Europapremiere.) “Pfötchen” aber hat im Tierheim darauf gewartet, dass das wuschelköpfige Slacker-Pärchen Jason und Sophie sie endlich abholen. Buhu! Die unzufriedene Tanzlehrerin für Kinder, gespielt von der vielseitigen Künstlerin Miranda July selbst – die zudem noch für Skript und Regie verantwortlich war – und ihr Freund Jason (Hamish Linklater), der für eine IT-Support-Hotline schuftet, wollten die verletzte Katze, die sie aufgelesen haben, eigentlich adoptieren. Doch dann fiel ihnen plötzlich siedendheiß ein, dass sie bald 40 werden – und Sophie sagt entsetzt „40, das ist fast wie 50 und nach 50 kommt nur noch Kleingeld“. Deshalb wollen sie in der Zwischenzeit, dem Monat in dem sie auf die frisch geimpfte Katze warten müssen, noch einmal in ihr junges Leben hineinhorchen, ein freies Leben ohne Verantwortung genießen. Sophie möchte gerne einen Tanz auf Youtube veröffentlichen (30 dances in 30 days) und Jason, das eigentliche Alter Ego der Regisseurin, möchte sich treiben lassen, in sich hineinhorchen. Schließlich beginnt er das Weltklima mit Hilfe der Aktion „Tree by Tree“ deren alleiniger ehreamtlicher Außendienstmitarbeiter er ist, zu retten. Read more »

Öde Premierenpartys und schöne Tage in Indien

gabyberlinale-rahmenWenigstens eine Premierenparty auf der Berlinale mitzunehmen halte ich für meine Blogbürgerpflicht –auch wenn am nächsten (Sonntag!) Morgen der Wecker wieder um 7 Uhr klingelt, weil die erste Wettbewerbs-Pressevorführung bereits um 9 Uhr morgens stattfindet!
Dieses Mal lande ich auf der Premierenparty von „Almanya“ – ein fröhlich-klamaukiger, aber auch anrührender Film über eine Gastarbeiterfamilie, dieses Mal aber aus weiblich-türkischer Perspektive erzählt! Während der Vorstellung ertappte ich mich bei dem Gedanken, Thilos Sarrazin (samt seiner unbelehrbaren Frau) den Film, so wie einst Alex in Clockwerk Orange, zwangsgucken lassen zu wollen…
Beim Eintreten hoffe ich insgeheim, dass die Musik diesmal besser ist als die Location (eine ehemalige Sparkasse in der Potsdamer Str.) – schließlich handelt es sich ja um den Film der hippen Samdereli-sisters. Read more »

Gebt der Putzfrau eine Stimme…

gabyberlinale-rahmenZum Auftakt des Berlinale-Wettbewerbs gab es heute einen im Ansatz sehr interessanten Film über die Auslöser der Finanzkrise – der mich dann letztlich jedoch nicht in seinen Erzählbann ziehen konnte:
Es handelt sich um ein Finanzdrama des Regie-Debütanten J.C. Chandor um den sogenannten „Margin Call“, ein Film der im Herbst 2008 am Vorabend der Finanzkrise spielt.
Chandors „Lehmann Brothers“ sind: Der junge Spock (Hinweis für Serienjunkies: Der Uhrmacher aus „Heroes“) Zachary Quinto, der den pfiffigen Ex-Raketenwissenschaftler und jungen Analysten Peter Sullivan mimt. Leider lenken mich dessen unglaubliche Augenbrauen immer ein wenig von seinem recht gekonnten Spiel ab. Weiterhin treten auf am Tag der Börsendämmerung: Stanley Tucci als Risikomanagement-Spezialist Eric Dale – der jedoch gleich zu Beginn des Films in einer vielversprechenden Szene gefeuert wird. An dieser Stelle begann ich auf einen ähnlich kritischen, womöglich auch nicht ganz humorfreien Film wie „Up in the Air“ mit George Clooney zu hoffen, dessen aalglatte Praktiken Mitarbeiter zu feuern von „Margin Call“ sogar noch übertroffen wird…(Bei den Finanzhaien bekommen die soeben Gefeuerten übrigens die Hochglanzbroschüre „Looking ahead“ ausgehändigt)

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Warum “True Grit” doch ein Frauenfilm ist!

gabyberlinale-rahmenKennt Ihr eigentlich schon den Bechdel-Test für Filme, mit dem Ihr überprüfen könnt, ob halbwegs normale und aktive Frauen in einem Film ausreichend repräsentiert werden? In dem 1985 erschienen Comic „Dykes to watch out for“ von Alison Bechdel erklärt eine Figur, dass sie grundsätzlich nur Filme anschaue, die folgende Kriterien erfüllen:

1. Spielen in dem Film mindestens zwei Frauen mit, die    Namen haben?

2. Sprechen diese beiden miteinander?

3. …über etwas anderes als einen Mann?

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Das wundersame Leben im Film

gabyberlinale-rahmen1Die Berlinale hat noch nicht einmal begonnen und ich habe bereits eine neue Lieblingsschauspielerin für mich entdeckt: Ronit Elkabetz, Israelin, Jahrgang 64.

Elkabetz ist gleich zweimal auf der Berlinale zu bestaunen, zum einen in dem Film der Regisseurin Michal Aviad „Invisible“, der im Panorama Weltpremiere feiert. Vor dem Hintergrund des israelisch-palästinensischen Dauerkonflikts spielt sie eine linke Aktivistin, die durch Zufall einer Fernsehreporterin begegnet, mit der sie ein schreckliches Schicksal teilt. Beide wurden von dem „polite rapist“, wie ihn die Presse einst widerlicherweise salopp nannte, vor Jahren vergewaltigt. Die beiden wunderbaren Frauen freunden sich an und beginnen sich ihrem Trauma zu stellen… Read more »

Es gibt Wichtigeres als Film…

gabyberlinale-rahmen1Auf die Frage meines letzten Berlinale-Blogs: Haben Frauen in Filmen eigentlich meistens nur Sex, wenn sie einsam, traurig und/oder verwirrt sind, erhielt ich einige mails von Freunden und Kollegen. So wurde mir in Erinnerung gerufen, dass Scarlett Johannson in allen Woody Allen Filmen Spaß am Sex hat. Und zwar mehrmals. An solche Szenen erinnere ich mich sehr gerne. Danke Jürgen! Cecile de France treibt es wohl auch mit viel Vergnügen in „Ein Geheimnis“ – das werde ich mir bei Gelegenheit mal anschauen – wogegen ich auf Sandra Speichert und Heiner Lauterbach in „Der Campus“ lieber verzichten möchte, denn der Heiner, der ist ja so gar nicht mein Typ. Sophie Guilleminin vernascht wohl auch fröhlich Monsieur Dépardieu in „Das Labyrinth der Wörter“ – obwohl mir vor dem Rest der kitschigen Geschichte ein wenig gruselt. Nachher hat mein Sitznachbar wieder keine Taschentücher dabei. Read more »

Der Dutt von Amy Winehouse und andere Berlinale Neuigkeiten

gabyberlinale-rahmen1Gabriele Scholz, Ex-Publizistik Studentin, Ex-Aushilfe an der Fleischtheke (mittlerweile halleluja vegetarisch unterwegs), Ex-Katholikin, Ex-Filmemacherin und Ex-Buchhändlerin schreibt für die altmodische Schublade, die Intro, die Berliner Zeitung und einige andere Publikationen. In meinem Gastblog werde ich vor allem die Rolle der Frauen und den Stand zwischenmenschlicher Beziehungen in den Filmen der diesjährigen Berlinale unter die Lupe nehmen. Interessant wird es dabei sicherlich, wenn man die in der Regel fortschrittlicheren Panorama- und Forums-Filme mit denen aus dem Wettbewerbs-Programm vergleicht. Read more »