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Missy 04/10 erscheint am 15. November 2010.

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Gastblog Popkontext

Laurie Andersons “Homeland” und ein Videoexkurs in den New Wave.

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Der Mai ging schneller vorbei als ich schauen konnte. Gern hätte ich noch etwas über Frauenbilder in der Popmusik geschrieben, aber das wäre dann auch eher was für ein Buch als für einen Blogeintrag. So will ich in meinem letzten Beitrag hier als Missy-Gast noch etwas zu einer Frau schreiben, die zu den Ikonen des Genres gehört und die demnächst ein neues Album veröffentlichen wird: Laurie Anderson.

Sie stammt wie Gudrun Gut nicht zufällig aus einer Generation, in der man voller Hoffnung war, dass sich die Frauenbilder im Pop diversifizieren werden – und sich auch Räume jenseits des Singer-Songwritertums öffen, in denen die Frauen aus der zweiten Garde heraustreten können und eigene Akzente setzen (Ein kleiner Videoexkurs dazu am Ende des Artikels).

Laurie Anderson 2009 / Foto: Steffi Loos / Fotokombinat.net

Laurie Anderson 2009 / Foto: Steffi Loos / Fotokombinat.net

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Popkontext gratuliert Gudrun Gut zum 50.!

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Heute bin mal nicht ich der “Stargast”, sondern im Mittelpunkt steht die Musikerin, Labelbetreiberin und Radiomacherin Gudrun Gut, die ihren 50. Geburtstag feiert. Am Dienstag habe ich einen Ausflug nach Schöneberg gemacht, ins Headquarter ihres Labels Monika Enterprise. Anlass war ein neues Album, das sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Antye Greie gemacht hat.

Auf dem neuen Album haben die beiden experimentellen Elektronikmusikerinnen ihre geballten musikalischen und menschlichen Erfahrungen zusammengeworfen – die neun Jahre jüngere, in der DDR sozialisierte Greie und die in der Lüneburger Heide aufgewachsene Gut, die man aber inzwischen als Berliner Urgestein bezeichnen kann. Auf die Frage was Greie an Gut so faszinierend findet, folgt eine Lobpreisung nicht nur einer tollen Musikerin, sondern auch eines wichtigen weiblichen Rollenvorbilds. Als dann noch das Wort Legende fällt, grinst Gut ein wenig verlegen, sagt „Ach“ und wischt es mit der Hand weg. Aber natürlich weiß sie um ihre musikalische Bedeutung und ihrer Vorbildrolle.

Gudrun Gut 2010

Gudrun Gut / Foto: Barbara Mürdter


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Popkontext fragt: Warum ist das Reden und Schreiben über Musik Männersache?

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Ich wurde als Gastbloggerin eingeladen, weil ich die einzige Frau sei, die die Redakteurin kenne, die regelmäßig und kompetent über Musik schreibt. Möglicherweise gibt es noch mehr von meiner Sorte da draußen – aber ehrlich gesagt kenne ich auch keine*. Wie kommt das? Die Frauen in meinem Freundeskreis sind durchaus musikinteressiert, besuchen regelmäßig Konzerte und lesen Musikzeitschriften. Eine ist Tontechnikerin, sammelt und sortiert akribisch Liveaufnahmen und betreibt ein kleines Nerdlabel, Vinyl only! Eine andere ist ebenfalls eine leidenschaftliche und kenntnisreiche Plattensammlerin. Letztere ist die einzige, die im stolzen Alter von fast 40 gerade überlegt, selbst einen Blog zu schreiben, vermutlich auch angeregt durch meine derzeitigen Aktivitäten.

Auch auf Veranstaltungen, in denen es um Musikgeschichte und -theorie geht, um das Reden über Musik, finden sich nach meiner Erfahrung mindestens ein Drittel interessierte Frauen ein – nur am Rednerpult sitzen fast ausschließlich Männer. Frauen betreuen wenn dann die Journalisten und Gäste, organisieren und sorgen für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung.

Odd One Out: Der Diskurs über Popmusik ist noch immer fast ausschließlich männlich bestimmt. / Illustration: Barbara Mürdter

Odd One Out: Der Diskurs über Popmusik ist noch immer fast ausschließlich männlich bestimmt. / Illustration: Barbara Mürdter

Es gibt kaum einen gesellschaftlichen Bereich, in denen die Diskursmacht noch so sehr in männlicher Hand ist wie beim Reden über Musik. Auch wenn man spätestens seit den Riot Grrrls um ihre Existenz weiß, ist der Female Geek noch immer kein akzeptiertes Rollenvorbild für Mädchen und Frauen. Und Männer kommen zumeist gar nicht auf die Idee, dass man sich mit Frauen kompetent über Musik unterhalten kann.
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Musiktipp von Popkontext: Eine Begegnung mit Nina Nastasia

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Bevor es mit den richtig schweren Themen losgeht, zunächst ein Musiktipp zu einem demnächst erscheinenden Album, verbunden mit einem Konzerttipp für alle Berliner/innen. Ich hatte gestern das Vergnügen, ein paar Stunden mit der wunderbaren Nina Nastasia zu verbringen.

Die New Yorker Musikerin macht ungern Interviews, weil sie die Abfragesituation nicht mag und so das Gefühl hat, nicht adäquat reagieren zu können. In einem Geschäft, wo man nicht nur gute Musik machen muss, sondern sich auch jeden Tag aufs neue umgänglich geben muss und in einer Maschinerie aus Konzerten und Interviews geben funktionieren muss, ist das auf jeden Fall ein Hindernis. Dabei ist Nastasia durchaus eine liebenswürdige Person, die auch interessante Dinge zu erzählen hat: Die Begegnung mit ihr und ihrem langjährigen Lebenspartner Kennan Gudjonsson war, als ob man einfach ein nettes Paar irgendwo kennen lernt und mit ihnen über Gott und die Welt plaudert.

Nina Nastasia backstage im Admiralspalast Berlin / Foto: Barbara Mürdter

Nina Nastasia backstage im Admiralspalast Berlin / Foto: Barbara Mürdter

Die heute Anfang 40jährige Nina Nastasia wuchs unter schwierigen Bedingungen – ihre Mutter war schwer krank - mitten in Hollywood auf. Ihre Mutter und Großmutter bezeichnet sie als wichtige Rollenvorbilder, ebenso ihren Vater, der Komponist war. Obwohl sie als Kind Musicalfilme mochte und nach langem Drängen auch ein Klavier bekam, begann Nastasia erst spät selbst Musik zu machen: Anfang der 90er schrieb sie ihre ersten Songs, 1999 machte sie ihre ersten Aufnahmen.
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Musik zum Mai: Popkontext stellt sich vor

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Der Mai ist schon ein paar Tage alt und ich habe mich noch nicht einmal vorgestellt: Das sei jetzt ganz schnell getan. Ich habe die Ehre, für diesen Monat Gastbloggerin beim Missy Magazin zu sein.

Mein Name ist Barbara Mürdter, ich lebe in Berlin, bin freie Journalistin und gehöre mit 40 Jahren sicher zum oberen Segment der Missy-Kernzielgruppe. Ich betreibe seit einem Jahr den Popkulturblog „Popkontext“. Da geht es momentan zumeist um Musik, weil das derzeit mein Themenschwerpunkt ist. Der Blog ist eine Zusammenführung mehrerer kleinerer Blogs, die ich seit 2006 betrieben habe – und vor allem Fortsetzung von 10 Jahren Musiksendungen im Radio, die ich beim Bürgerfunk Radio Flora in Hannover gemacht habe. Musikinteressiert war ich schon immer, aber in dieser Zeit habe ich mir ein systematisches Musikwissen erarbeitet, während ich mich ansonsten meinem Soziologie- und Anglistikstudium und später einer journalistischen Fortbildung gewidmet habe.

An die inhaltliche Gestaltung der Popkontext-Seiten gehe ich mit einem journalistischen Anspruch, und schreibe mit einem politischen, feministischen und antirassistischen Ansatz. Ich achte bei der Themenauswahl besonders darauf, wo es gute, interessante Musiker/innen und Bands gibt, die im weiß und männlich geprägten Diskurs, den die gängigen Blogs und Musikzeitschriften vorgeben, zu kurz oder gar nicht vorkommen. Zudem versuche ich in die Betrachtung der Themen meine soziologischen Kenntnisse ebenso wie meine persönlichen Erfahrungen einzubringen und sie entsprechend zu beleuchten – ich bin zum Beispiel durchaus der Meinung, dass Texte ein Geschlecht haben.

Deshalb halte ich es für fatal, dass der Diskurs über Popmusik fast ausschließlich männlich bestimmt ist. Warum Frauen in den Radio- und Magazinmusikredaktionen, aber auch hinter den Plattentellern, als Instrumentalistinnen und auf den Podien der Diskussionsveranstaltungen zu Popkultur / - musik so wenig zu melden haben, nur als Handlangerinnen arbeiten, oft genug als Deko betrachtet oder gleich gar nicht beachtet werden, wird in diesem Monat Thema sein. Aber es soll nicht nur geklagt werden – es wird auch Tipps und Infos zu interessanten Musikerinnen, Events und Lektüre geben. Und Ideen, wie Frauen mehr Einfluss im Musikdiskurs bekommen können. Bevor es dann nächste Woche richtig losgeht, starte ich erstmal ins Wochenende, im Ohr drei Musikerinnen, die ich gerade entdecke: Andreya Triana, Alicia Renee Smith und Natalie Storm. Wenn ich sie auch nach genauerem Hinhören noch richtig toll finde, vielleicht bald hier mehr dazu, ansonsten sicher auf meinem Blog Popkontext.