Gastblog Stadtpiratin

Körperzirkus

Die Brigitte-ohne-Models-Geschichte ist so ziemlich durch. Die Kampagne, die zu ihrer Bekanntgabe einige feministische Bloggerinnen aufhorchen ließ, hier und dort überstürzter Jubel und rundherum mit medialer Aufmerksamkeit überschüttet, ist mittlerweile zwischen den neuen alten Diätratschlägen abgetaucht, alles nur PR, die Vermutungen über revolutionäre Avancen schnell verflüchtigt, und die großen Modemagazine haben sich für die neuen “echten Frauen” sowieso nicht interessiert.

Während ich zwischendurch online die neue Brigitte ohne Models, dafür mit Kalorientabelle für die Handtasche durchblättere, erledigt sich das Thema annehmbare Frauenzeitschrift hier mit jeder Seite noch ein kleines bisschen mehr als sie ohnehin schon nicht auf meinem Printmedienstapel neben der Couch landen könnten – erledigt ist die Debatte um richtige oder echte Maße durch den laschen Versuch einer Zeitschrift für die fitte Lady mittleren Alters deswegen aber noch lange nicht. Die Kurven bleiben als Mittel im Kampf um die Auflage an der öffentlichen Oberfläche wie bei blica aktuell zu sehen ist: Angefangen bei der fülligen Powerdame Beth Ditto, ihres Zeichens Frontfrau der Band Gossip, über aussagekräftigen Hüftspeck im V Magazine, fotografiert von Solve Sundsbo, bis hin zur Dove-Real-Beauty-Kampagne, einer der werbewirksamsten ihrer Zeit. Sofern es bis dato irgendwelche Schlussfolgerungen aus dem Körperzirkus zu ziehen gibt, liegen sie irgendwo zwischen anhaltendem Magerwahn und ein paar verkaufsfördernden Rundungen, die für sich genommen wenig Anlass bieten, die Ära der Hungerhaken an den Nagel hängen zu können. Denn was wir noch immer nicht zu sehen bekommen sind Menschen, in denen wir uns wiederfinden, zwischen überbordendem Speck mit einer Prise Sexappeal und gestählten Knochenkörpern bleibt eine Lücke, die weder die Modeindustrie noch die Vertreiber von Pflegeprodukten in nächster Zeit stopfen werden. Das Ziel, das alles erlaubt wäre, dass individuelle Ausstrahlung gängige Schönheitsideale vom Tisch fegte, geht zwischen Marketingstrategien verloren. Read more »

Sekt und Kurze

Darf ich vorstellen: Eva Ricarda Lautsch, die Stadtpiratin, mich. Ich trete diesen Januar an, euch politisch mit Genderspitzen, popkulturmäßig und überhaupt mit prallem Leben auf dem Laufenden zu halten. Und ein frohes Neues allerseits, ich mein’s ernst.

Während ich mich dieses Wochenende eingehend damit beschäftigt habe, auf beliebigen Polstermöbeln meinen Kater zu pflegen, ist mir im dahindämmernden Fernsehprogramm unter anderem irgendeine Wiederholung der Quarks Arena im WDR zwischen tiefhängende Lider gekommen, beliebiges TV-Show-Konzept, Thema: Frauen, Männer und die pseudowissenschaftliche Widerlegung alteingesessener Vorurteile. Während in der Sendung Frauen und Männer unermüdlich gegeneinander einparken, multitasken und zuhören geht es unter anderem um den Themenbereich Partnerschaft. Hetero natürlich, achso, um beim seichtbelassenen Thema zu bleiben. In einem kurzen Film mit einigem Haareschütteln und aufreizenden Blicken wird gezeigt was eigentlich nicht neu sein dürfte: es stimmt gar nicht, dass Männer beim Flirt immer den ersten Schritt machen müssen. Allein für diese Erkenntnis hat sich das Einschalten noch nicht gelohnt, es geht weiter im Film. 4 von 5 Heiratsanträgen werden dafür angeblich von Männern, selbstverständlich kniend, an die Frau gebracht und ein Psychotest mit einem der Studiogäste zeigt, dass das soziale Gedächtnis dieser Gesellschaft noch immer auf der Welle traditioneller Rollenbilder surft. Zu den Heiratsanträgen kann ich mich mangels Erfahrung nicht näher äußern. Dafür umso besser zu diesem im Grunde ebensowenig sensationellen Testergebnis.

night fever

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New girl on the blog

stadtpiratin-rahmenNeues Jahr, neues Programm: ab sofort laden wir jeden Monat eine Gastbloggerin ein, unsere Seite um eine thematische Kolumne zu bereichern. Den Auftakt macht Eva Ricarda Lautsch aus Heidelberg, in der deutschen Blogosphäre besser bekannt als die Stadtpiratin. Seit 2007 bloggt Eva auf stadtpiratin.blogspot.com über Girl Culture, Feminismus, Gender Studies, Rechtswissenschaft (sie studiert Jura), Datenschutz, Mode ohne Miezekätzchen und alles andere, was sie in ihrem Alltag sonst noch zu Gedankenakrobatik herausfordert. Ansonsten quetscht sie “den Saft aus meiner Wahlheimat Heidelberg bis sie ausgesaugt ist und es mich woanders hinzieht.”

Viele von euch kennen sie schon – als eine der smartesten jungen Kommentatorinnen, die sich im Netz zu diesen Themen zu Wort melden. Wer es noch nicht tut, kann sie jetzt hier in den kommenden Wochen kennen lernen. Wir freuen uns sehr, sie als ersten Gast begrüßen zu können und wünschen euch, ihr und uns viel Spaß und bildschirmseitenweise interessante Diskussionen.