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Im Mai: Das dritte GenderCamp in der Nähe von Hamburg

Im Mai 2012 geht es für das GenderCamp in die dritte Runde. Um was geht es dabei genau? Das Camp ist eine politische Bildungsveranstaltung, die über drei Tagen einen  Begegnungsraum außerhalb des Netzes und digitalen Communities schaffen möchte, in dem sich die TeilnehmerInnen in entspannter Atmosphäre gemeinsam über feministische und queere Themen, digitale Lebensaspekte und die jeweiligen Schnittstellen austauschen können. Die Konzeption lehnt sich an das Prinzip von BarCamps an, was bedeutet, dass der Großteil des Workshop-Programms gemeinsam mit den TeilnehmerInnen vor Ort auf die Beine gestellt wird, indem sie ihre eigenen Ideen bei morgendlichen Sessionplanungen mit einbringen können und sollen. Wen es schon jetzt in den Fingern juckt, kann seine Vorschläge auch schon einmal im Camp-Forum gemeinsam mit anderen Interessierten diskutieren.

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Kaputte Familien und eiserne Ladies

Ihr kennt ja sicher das Zitat von Tolstoi: Jede unglückliche Familie ist auf ihre Art unglücklich. In den letzten Berlinale-Tagen schossen mir diese weisen Worte wieder öfter durch den Kopf. Dysfunktionale Familien sind im Weltkino zur traurigen Normalität geworden. Bei „Jayne Mansfield’s Car“ (<–Trailer), einem herrlich durchgeknallten (aber auch durchdachten!) und berührenden Film von Billy Bob Thornton, den dieser übrigens mit russischem Geld produziert hat – wahrscheinlich haben die Amis bei soviel abgedrehtem Humor dankend abgewunken – geht es um eine total kaputte Familie in Alabama im Jahre 1969…: Der Patriarch Jim Caldwell – herrlich knorrig gespielt von Robert Duvall – dessen Besitz ungefähr so groß ist wie die Heimatplantage Tara in „Vom Winde verweht“ – hadert mit seinem Schicksal und seinen Söhnen: Zwei von ihnen sind im Zweiten Weltkrieg gewesen und haben die Schnauze vom Kriegspielen dermaßen voll, dass der eine von ihnen (Kevin Bacon) seine Freizeit hauptsächlich damit verbringt, Drogen zu konsumieren und gegen den Vietnam-Krieg zu demonstrieren und der andere – gespielt von Thornton höchstpersönlich (übrigens der Ex von Angelina, ein bisschen gossip darf ja wohl sein) – ist ein richtig schräger Nichtsnutz, der Autos sammelt und immer sagt was er denkt… Read more »

MISSY 01/12 ist da!!!

Ab dem 13.02. in euren Briefkästen und ab dem 20.02. in allen gut sortierten Bahnhofs-Buchhandlungen und Zeitschriftenläden! Hier eine kleine Vorschau auf den Inhalt: fettes Interview mit der britischen Rapperin Speech Debelle und ein Dossier zu und mit “Funny Women” von Katrin Bauerfeind bis Lady Bitch Ray. Kein Scherz jetzt.

Zum Tode verurteilt versus Überleben in der DDR

Begonnen hat der Wettbewerb der diesjährigen Berlinale mit dem ödesten Revolutionsfilm aller Zeiten: “Leb wohl, meine Königin!”  Mit Wehmut dachten viele an Kirsten Dunst in Sofia Coppolas hinreißende Verfilmung des Lebens von “Marie Antoinette” zurück. Diane Krugers Schauspielkunst, die wir in “Barfuss auf Nacktschnecken” noch bewundert haben, mußte angesichts des unschlüssigen Drehbuchs versagen. Weder nehmen wir ihr in dem Film, in dem es um die letzten Tage vor Ausbruch der französischen Revolution am Hof von Versailles geht, die Königin, noch ihre lesbischen Neigungen ab. Immerhin gab es ein paar hinreißenden Roben zu bestaunen, so dass ich mich nicht wie mein Sitznachbar gezwungen sah, ein Nickerchen einzulegen.

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Antwortbrief von Mithu Sanyal

Liebe Christina Weber,

danke für deinen Brief, der genau zum richtigen Zeitpunkt kommt, da ich immer noch versuche, auszuloten wo die möglichen Missverständnisse, Knackpunkte etc. bei meinem Buchprojekt liegen. Gerade Vergewaltigung ist ja ein Thema, das schon durch seine bloße Erwähnung traumatisieren kann, und das ist natürlich das letzte, was ich will.

Konkret geht es dir um meinen Satz:  “Der amerikanische Feminist Michael Katz schreibt, dass die Täteridentität ja auch nicht prima ist. Wie fühlt sich das denn für einen Mann an, wenn er nachts die Straße entlanggeht und Frauen die Straßenseite wechseln?” Dazu schreibst du “Denjenigen meiner Freundinnen, die Angst haben, nachts allein nach Hause zu gehen, ist ganz sicher nicht damit geholfen, dass ich ihnen sage: “Hör mal, für die Männer, die nachts unterwegs sind, ist das aber nicht toll, dass du Angst hast! Hab mal keine!””
Damit hast du natürlich recht. Das sollte auch keineswegs eine Aufforderung an Frauen sein, jetzt die möglichen Empfindlichkeiten der Männer auf der Straße hinter ihnen mitzudenken. Ich habe selbst häufig genug (nicht nur) die Straßenseite gewechselt – und bin immer noch der Ansicht, dass das einige male auch ganz schlau war. Und das Hören auf Gefahrsignale, halte ich für eine wichtige Fähigkeit. Das, sich selbst ernst genug nehmen.

Worum ging es mir also mit meinem Satz?

In den letzten Jahren begannen Feministen wie Jackson Katz, Michael Kimmel (sic! da gab es einen Tippfehler im Interview) und Don McPherson die Frage zur Diskussion zu stellen, ob die Identität Täter tatsächlich so erstrebenswert sei. Ein Junge lernt in unserer Kultur, seine Empfindlichkeiten mit sich selbst auszumachen. „Seine Schwäche nicht zu zeigen. Seine Sinnlichkeit mundtot machen. Sich in tristen Farben zu kleiden, stets dieselben klobige Schuhe tragen, nicht mit seinen Haaren spielen, nicht zu viel Schmuck tragen oder jemals irgendwelches Make-up. Immer den ersten Schritt machen zu müssen. […] Nicht zu wissen, wie man um Hilfe bittet. […] Nur bedingt Zugang zu Vaterschaft zu erlangen. […] Nicht mit Puppen spielen, sich immer mit kleinen Autos und superhässlichen Plastikwaffen zufriedengeben.“(Virginie Despentes) Das Ergebnis ist, dass diese Jungen nicht darauf vorbereitet sind, ihre warmen, nährenden Anteile auszuleben, wenn dies von ihnen als Männer verlangt wird.

Feministinnen haben lange darüber diskutiert, wie das Opfer/Beute Stereotyp Frauen in ihren Ausdrucksmöglichkeiten beschränkt. Die Auswirkungen des entsprechenden Täter/Jäger Stereotyps auf Männer sind dagegen kaum erforscht. In einer Kultur, in der Frauen generell als Sexobjekte wahrgenommen werden, nehmen Frauen diese Rolle an, um sexuell attraktiv zu sein. Ebenso nehmen Männer die Rolle des sexuellen Agressors an, weil natürlich auch sie sexuell anziehend sein wollen. Die Folgen sind, dass diese Rollen nicht nur gespielt, sondern verinnerlicht werden

Mich interessiert das brennend, weil ich hier einen der vielen Ansatzpunkte für gesellschaftliche Veränderung sehe. Aber wie gesagt, halt nur einen. Dass das nicht jedermanns und jederfraus Teetasse ist, ist völlig in Ordnung. Auch, dass es genügend andere Ansatzpunkte gibt. Aber die Tatsache, dass das Patriarchat es auch Männern nicht ermöglicht, ihr gesamtes menschliches Potential auszuleben, sondern sie wie Frauen auf die Hälfte beschränkt, nur eben auf die andere Hälfte, gibt mir immer Hoffnung. Damit ist die Motivation für Männer, Frauen und alle anderen gegeben, die Machtstrukturen zu verändern, die u.a. Vergewaltigung in unserer Kultur festschreiben.

Herzliche Grüße
Mithu

 

Leserinnenbrief

Wir veröffentlichen diesen Leserinnenbrief, der sich auf den gleichnamigen Beitrag in der aktuellen Printausgabe bezieht. Mithu Sanyal, um deren Statements es in diesem Brief auch geht, wird in Kürze dazu Stellung beziehen, bevor wir die Diskussion öffnen und schon sehr gespannt auf eure Meinung sind!

Betreff: Vergewaltigung gibt es nicht

Liebe Missy-Redaktion,

ich habe Euer Magazin im Abo und bin nach wie vor froh, dass es Missy
gibt. Hut ab vor Eurer Leistung. Und Feminismus ahoi, immer, überall.

Aber: Über das in der aktuellen Missy abgedruckte Gespräch zwischen
Mithu Sanyal und Etta Hallenga habe ich mich geärgert. “Das ist genau
der queer missverstandene bzw. missverstehende Quatsch, den ich nicht
in einer feministischen Zeitschrift lesen will!”, habe ich beim Lesen
gedacht.

Besonders wichtig ist mir der folgende Punkt, an dem sich mein Problem mit dem Gespräch zwischen den beiden Frauen und der Tatsache, dass Ihr
das so abgedruckt und eingeleitet habt, wie Ihr’s habt, sehr deutlich
machen lässt: Gegen Ende des Gespräches sagt Sanyal: “Der amerikanische Feminist Michael Katz schreibt, dass die Täteridentität ja auch nicht prima
ist. Wie fühlt sich das denn für einen Mann an, wenn er nachts die
Straße entlanggeht und Frauen die Straßenseite wechseln?”

Wie bitte?! Mich interessiert nicht, wie sich irgendein Mann, und möge
er noch so feministisch sein, fühlt, wenn eine Frau beim Anblick
seiner die Straßenseite wechselt. Deal with it, men of the world. Mich
interessiert, wie sich diese Frau fühlt und weshalb sie das tut.
In meinem Verständnis von Feminismus geht es in einer feministischen
Analyse einer solchen ‚Straßenseiten-Situation’ nämlich nicht darum,
zu beklagen, dass das doch für die Männer auch nicht toll sei, als
potentielle Vergewaltiger wahrgenommen zu werden, sondern es geht
darum, gesellschaftliche Strukturen und Machtmechanismen zu
hinterfragen und offen zu machen, die Strukturen, die zu eben dieser
Situation wieder und wieder führen.

Anders gesagt:
Denjenigen meiner Freundinnen, die Angst haben, nachts allein nach
Hause zu gehen, ist ganz sicher nicht damit geholfen, dass ich ihnen
sage: “Hör mal, für die Männer, die nachts unterwegs sind, ist das
aber nicht toll, dass du Angst hast! Hab mal keine!”

Konkret ist ihnen auch nicht mit dem Verweis auf die besagten
gesellschaftlichen Strukturen geholfen, das sehe ich wohl, aber der
Verweis auf diese würde ihnen zumindest keinen Vorwurf machen, wie es
der Hinweis auf die Männer, für die’s nicht toll ist, als potentielle
Vergewaltiger wahrgenommen zu werden, leider tut.
Call it old school, second wave – whatever. That’s me.

Ich verstehe, dass es Sanyal um die Auswirkungen diskursiver Praktiken
geht, ich verstehe, was sie meint, wenn sie sagt, Vergewaltigung sei
das Verbrechen, das uns am meisten gendere und ich respektiere ihren
Wunsch, diese Diskurse offen zu legen, um letztlich die festen
Zuschreibungen von ,Frau-Opfer-Angsthaben’ vs.
,Mann-Täter-Machtausüben’ zu durchbrechen und Vergangenheit werden zu
lassen. Ich glaube nur nicht, dass das so funktioniert.

Ich finde es wichtig, darauf hinzuweisen – so wie Sanyal es tut –, dass es auch der gesellschaftlich wirksame Diskurs ist, der zur Konstitution von Opfern und Tätern beiträgt und ich halte es für sinnvoll, darauf hinzuweisen – so wie Sanyal es ebenfalls tut –, dass die Frauen in unterschiedlichster Form ständig präsentierte Wiederholung der Möglichkeit, Opfer von Vergewaltigung zu werden, zu Ohnmacht führen kann und dass das nicht wünschenswert, dass es falsch ist – ich finde es nur null Empowerment, Frauen – seien sie Opfer von Vergewaltigung geworden oder nicht – vorzuschlagen, dass sie sich man nicht bedroht fühlen sollen, bitte, denn sonst bleibe der Diskurs so mächtig und wir kämen da nicht raus, aus dem Diskurs.

Empowerment aber halte ich für notwendig.
In meinem Verständnis ist es Empowerment, Leute ernst zu nehmen, so
wie sie sind, da, wo sie stehen, mit dem, was sie fühlen und gemeinsam
für eine Veränderung der bestehenden Verhältnisse zu kämpfen.

Und Queer ist in meinem Verständnis u.a. eine Einstellung, Theorie und
Praxis, die es Menschen ermöglichen soll, eine Wahl darüber zu
treffen, wie sie leben wollen, wer sie sein möchten, mit wem sie Sex
haben wollen – all das in Unabhängigkeit von ihrem biologischen
Geschlecht.

Leider sind wir noch weit entfernt von einem Zustand, in dem Leute
diese Wahlen wirklich frei treffen können – sex does still matter, and so does
gender.

Deshalb war in diesem Leserbrief auch die Rede vom Missverstehen von Queer: das bloße Ignorieren von Geschlechterkategorien ist nicht queer. Ignorieren ist nicht dekonstruieren. Ich halte es nicht für nützlich, Geschlecht in kriminologischen Statistiken unkenntlich zu machen, um die Binarität Frau-Opfer-Angst Mann-Täter-Macht zu durchbrechen, wie es Sanyal im Gespräch vorschlägt.
Wir sind auf die Kategorien ,Frau’ und ,Mann’ und auch auf die Arbeit
mit ihnen, zumindest in einem gewissen Maß, angewiesen, so lange reale
Unterdrückungsmechanismen und Machtgefälle entlang dieser Kategorien
verlaufen. Das ist paradox, ja – sich auf etwas zu stützen, das man
eigentlich loswerden möchte – aber manchmal ist ein Paradoxon das
Beste, was wir kriegen können.

Mit den besten Grüßen, Christina Weber

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Missy präsentiert: Les femmes s’en mêlent in Berlin

Das Festival „Les Femmes S’en Mêlent” (Frauen mischen sich ein) ist eigentlich ein französisches welches. Vor 14 Jahren wurde es zum ersten Mal in Paris veranstaltet und hat sich seitdem in unterschiedliche Himmelsrichtungen Europas verbreitet.

Am 9. und 10. Dezember wird es dann das dritte Mal in Berlin gastieren. Der Name ist Programm – das Festival ist ein Forum für besondere Musikerinnen und unterschiedliche Facetten weiblicher Musikalität. Die Künstlerinnen kommen aus den Bereichen Independent, Electro, Punk und Folk.

Acts sind diesmal am Freitag: Notic Nastic (Live) – Kaleid (Electrosexual feat. Dorian E) (Live) – DAT Politics (Live) – Anna Otto (Live) – Mlle Caro – Mary Velo – rRoxymore – Kritzkom – Sarah Adorable – Hedda. Und diese Damen trefft ihr am Samstag an:  Gudrun Gut – Mansfield Tya – Christine and The Queens – Yula – und eine Playtime Party mit Dj Female Macho steht ebenfalls auf dem Plan.

Mehr Infos über die einzelnen Künstlerinnen und die ein oder andere Hörprobe findet ihr auf der Facebook-Seite des Festivals.

Wann & Wo
Am 09. Dezember ab 23:59 Uhr im im :// about blank, Markgrafendamm 24c (Ostkreuz) und am 10. Dezember ab 21 Uhr im .HBC, Karl-Liebknecht-Straße 9 (Alexanderplatz/Hackescher Markt).

Team Alltag/Lifestyle: Burgerking – Warum darf Geschmack nicht auch „Queen“ sein?

Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass die Fast-Food-Kette „Burger King“ ihre Werbekampagne auf eine einzige Zielgruppe ausrichtet: Junge Männer. Bewirkt die Art, wie Burger King wirbt, dass sich jeder andere, der oder die nicht jung und geschlechtlich männlich ist, sich von Burger King distanziert? Warum fährt der Fast-Food- Riese keine allgemeine Werbekampagne, die ein breiteres Zielpublikum anspricht?
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Team Alltag/Lifestyle: Frauenfußball kann, muss man(n) aber nicht mögen!

Nicht selten hat ein Sportereignis die Gender-Diskussion so angestachelt wie die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer, und in ebenfalls keinem anderen Kontext wurden so viele ausgelutschte Klischees zum Besten gegeben, die für noch mehr Unverständnis in allen Lagern sorgten.

Unumstritten ist: AnhängerInnen der gesamten Nation unterstützten „unsere“ Elf und die Behauptung, dass männliche Zuschauer Spaß am Kick des anderen Geschlechts gefunden hatten, ist ebenso zulässig und korrekt wie die Aussage, dass nicht jede Frau dem Team um Bundestrainerin Silvia Neid während der Spiele die Daumen drückte.

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