Editorial 01/14

Liebe Leserinnen. Liebe Leser.

Selten hat uns ein Thema so sehr beschäftigt, so sehr zum Nachfragen und -lesen animiert und uns so sehr die Köpfe rauchen lassen wie das Dossier dieser Ausgabe. Schon lange hatten wir ein Special über Sexarbeit geplant, das  vorurteilsfrei AkteurInnen und ExpertInnen befragt, doch spätestens seit dem Wirbel um die Kampagne zur Abschaffung von Prostitution war klar, dass wir uns jetzt dazu äußern müssen und wollen.

Statt einfache Antworten auf komplexe Fragen zu geben, lassen wir diejenigen zu Wort kommen, die wirklich Bescheid wissen, was in den Debatten um gekauften Sex und vermeintliche Befreiung, um verantwortungslose Freier und „Deutschland als Bordell Europas“ sonst noch alles mitschwingt: Rassismus, Klassismus, Heterosexismus und eine Sexualmoral, die für alle gelten soll.

Nun kann man uns vorwerfen, zu einseitig über das Thema zu berichten, denn Fragen zu Menschenhandel und Zwangsprostitution werden auf diesen Seiten nicht behandelt. Für uns ist Menschenhandel kein Teil von Prostitution, sondern ein krimineller Akt, der strafrechtlich verfolgt gehört. Mit den Rechten von Frauen, die sich für diese Arbeit bewusst entschieden haben, hat das nichts zu tun. Und um die geht es in diesem Dossier.

Neben dieser auch für uns nicht immer leichten Auseinandersetzung gab es diesmal aber durchaus Themen, die weniger Sprengkraft bergen: etwa die zweite Platte unseres Titel-Acts Warpaint, deren Ankündigung unsere Redakteurin Katrin Gottschalk schon seit Monaten in Aufregung versetzte. Caroline Ausserer beschreibt in ihrer Reportage aus sehr persönlicher Sicht den Alltag als Familie abseits der Heteronorm. Mit radikalen künstlerischen und politischen Äußerungen von altbekannten und neuen Role Models wie der Bürgerrechtlerin Angela Davis, der Musikerin Planningtorock oder der raffiniert Genres durcheinanderwirbelnden Autorin Sheila Heti zucken dazu belebende Blitze am Horizont – die Zukunft sieht hell aus.

Eure Redaktion