Magazin

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Missy 02/2016

Gerne feiern wir großartige Kunst, Feminismus und das Leben auf diesen ersten Zeilen einer jeden Ausgabe, schließlich sind wir selbst erklärte Meister*innen des positiven Denkens. Nur dieses Mal fällt es uns schwerer als sonst, obwohl wir Multitalent Bat for Lashes für’s Cover gewinnen konnten.

Nein, das gesellschaftliche Klima ist schuld. Ein Klima, in dem rassistische Gewalt zunimmt, in dem die Anliegen von Frauen, Transpersonen, Queers und Personen of Color diffamiert werden, in dem Rechtspopulist*innen überall in Europa zweistellige Wahlergebnisse einfahren. Seitdem es Missy gibt, fühlte sich die politische Situation noch nie so ­bedrohlich für emanzipatorische Werte an. Deswegen ist es uns ein Anliegen, doch noch auf die Debatten um die Kölner Silvesternacht einzugehen, etwas, was aufgrund unserer Produktionszyklen bisher nicht möglich war. Mit unserem Dossier versuchen wir, Diskurslücken sichtbar zu machen: Hat die Debatte dazu geführt, dass die Gesellschaft nun Überlebenden sexualisierter Gewalt zuhört? Woher kommt Gewalt, die von Gruppen ausgeht? Warum liegt das Bild des muslimischen Täters so nahe?

Diese Ausgabe verschlägt es uns aber nicht nur ins Rheinland, sondern auch an andere Orte: nach Paderborn etwa oder nach Brasilien. Unsere in Rio lebende Autorin Astrid Kusser berichtet, wie sich das Leben von Schwangeren in Zeiten von Zika verändert hat – und wie Frauenorganisationen darauf reagieren. Ansonsten findet ihr auf 114 Seiten nicht nur Empörendes und Kritisches, sondern wie immer auch Lustiges und Erbauliches.

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Dossier: Nach Köln

Rassismus, Vergewaltigungskultur, koloniale Mythen, Silencing. Vor fünf Monaten wurden Hunderte Frauen auf der Kölner Domplatte teils massiv sexuell belästigt. „Nach Köln“ ist damit zur Chiffre für das Ende der deutschen Willkommenskultur geworden. Doch vieles blieb in den aufgeregten Mediendebatten unsichtbar. Zeit, genauer hinzuschauen. 18 Seiten über das postcologniale Zeitalter. Mit Beiträgen von Rasha Abbas, Stefanie Lohaus, Anna Mayrhauser, Tasnim Rödder, Margarita Tsomou und Hengameh Yaghoobifarah — 54

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Titel: Bat for Lashes

Die Braut als Kunstwerk
Von Liz Weidinger
Die Britin Natasha Khan beschwört als Bat for Lashes gerne dunkle Rituale herauf. Für ihr neues Album interpretiert sie die Hochzeit neu: als Katalogtraum, der in einen Albtraum kippt  — 72

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Aufschlag

Now & Then: Kristin Kontrol über Madonna  — 12

Duales System: Alienbabys und Wunderwesen
Von Ella Carina Werner
Schwangerschaftsbücher sind selten lustig. Aber jene für Männer versuchen es  — 13

Typenparade: Édouard Louis — 14
Lieblingsstreberin: Seltsame Hobbys pflegen mit Abby Sciuto — 15
Queer Kids on the Blog  — 15

Kultur

Die revolutionären Vivs und der Punk
Von Christina Mohr
Viv Albertine und Viv Goldman haben in den 1980ern Londons Subkultur aufgemischt. Nun schauen sie mit neuem Material zurück und sprechen mit uns über Punk als Aufstand  — 17

Hammerbraut
Von Leyla Yenirce
Ihr Flow ist hart, ihre Rhymes sind fresh, ihre Träume unantastbar. Sonita ist ein afghanisches Mädchen in Teheran, das Rapperin werden möchte. Eine Filmemacherin begleitet, wie sie mit Musik gegen ihre Verheiratung kämpft – und spielt am Ende selbst eine entscheidende Rolle für ihre Zukunft  — 20

Gülsün Karamustafa, Grande Dame und kritische Stimme der zeitgenössischen türkischen Kunst — 22
Die Performer*innen von Henrike Iglesias bringen das queer_matriachale Paradies auf die Bühne — 24
YouTube and Chill — 26

Tweef
Von Hengameh Yaghoobifarah
Früher stritten alle die ganze Zeit und keine*r bekam es mit. Twitter sei Dank können sich jetzt auch Otto-Normal-Verbraucher*innen öffentlich in dramatischen Zankereien inszenieren. Doch nur bei Prominenten landet dieser Zoff auch in anderen Medien. Der Schlagabtausch auf 140 Zeichen ist allerdings nur bedingt ein Quell der Freude — 27

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Leah Edelman-Briers Fotografien erzählen von Schwesternschaft im Wald — 28

Politik

Christlich-konservative Kommunalpolitik gegen Abtreibungsrechte: Ganz schön katholisch hier
Von Lisa-Marie Davies
Eine ungewollte Schwangerschaft abzubrechen, ist in Deutschland straflos möglich. Doch abseits von Großstädten ist der Zugang oft immer noch schwierig. Eine Reportage aus Paderborn — 39

Zika-Virus, Schwangerschaft und Klassismus in Brasilien — 46

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DIY

123: Ein gutes Fotos schießen — 49
Reiseführerin: Kopenhagen — 50

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Naturkosmetik mit Kokosöl selbstmischen — 52

Mode

Styleneid: Inspiration aus dem Internet mit Karen P —  83

Der Aufstand der Chubby Guys
Von Sonja Eismann
Dass dicke Frauen selbstbewusst Mode reklamieren, ist längst ein wichtiger Bestandteil im Kampf um mehr Diversität. Doch wo sind die fetten Männer, die sich für coole Fa(t)shion begeistern? —  80

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Sex

Freund*innenschaft in Pornos — 85
Test: Sex auf Drogen — 86

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Wellness für Untenrum
Von Laura Méritt
Besser als Detox: das Mösendampfbad. Früher als Behandlungsmethode für weibliche „Hysterie“ angewandt, dient es heute der selbstermächtigenden Entspannung — 87

Edutainment

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Traumfabrik — 89
Musik — 90
Filme und Serien — 96
Literatur — 103
Kunst — 111
Missy präsentiert – 112

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