Missy 03/2017

Missy 03/2017

Im Februar 2008 saßen Sonja, Chris und Steffi beisammen und mussten sich einen Namen für das Magazinprojekt überlegen, das vor ihnen lag: eine feministische Zeitschrift, die Pop und Politik miteinander verbinden sollte. Chris schlug den Namen „Steffi“ vor, Steffi war dagegen. Sonjas Vorschlag lautete: Missy Magazine.

Für den Namen sprach: Sieht gut aus, ist cool und mehrdeutig. Und die Namensähnlichkeit zu Rapperin Missy Elliott sehr willkommen. Gegen Missy sprach: Bis in alle Ewigkeit werden manche Menschen uns für ein Mädchenmagazin halten und nicht ernst nehmen. Und genauso kam es dann auch. Manche lieben den Namen Missy, manche finden ihn gewöhnungsbedürftig, manche verstehen ihn falsch.

Ähnlich wie Missy ruft auch die Bezeichnung als Feminist*in ganz unterschiedliche Assoziationen hervor. Welche das sind, klären wir in unserem ausführlichen Dossier (ab S.50) über Namen und Bezeichnungen.

Wer sich sichtbar zum Feminismus bekennen und uns gleichzeitig unterstützen will, darf sich über unseren frisch eröffneten Onlineshop freuen. Dort feiert nicht nur unsere begehrte „Feminist“-Kette à la Beyoncé ihr Comeback, wir präsentieren auch viele neue Produkte, darunter unsere schönen „Stay Soft“-Shirts und -Aufnäher. Wen die derzeitige Vereinnahmungswelle von Protest in der Modeindustrie nervt, die*r sei auf unseren aktuellen Modetext (S. 78) hingewiesen. In dem Sinne: Stay soft and stay woke!

Dossier: Say My Name!

Namen transportieren Bedeutungen und Identitäten. Sie begegnen uns überall: auf der Straße, in der Geschichte, in Vorstellungsrunden, in der Popkultur, in der Werbung. Manchmal steckt in ihnen Trauma, Stigma oder Selbsthass, manchmal Selbstbestimmung und Ermächtigung. Mal wurden sie uns gegeben, mal geben wir sie uns selbst. 19 Seiten über das, was uns bezeichnet. Mit Beiträgen von Sonja Eismann, Sônia Kewan, Stefanie Lohaus, Frederik Müller, Clara Rosa, Ella Carina Werner und Hengameh Yaghoobifarah und Illustrationen von Cyanne van den Houten – 50

Titel: Wu Tsang

Insight Nightlife: Glitter, Kunst & Politik
Von Noemi Y. Molitor
Filmemacher*in, Künstler*in und Performer*in Wu Tsang arbeitet zur Praxis queerer Communitys und bewegt sich zwischen Dokumentation, Fiktion und Aktivismus. Die Kunsthalle Münster widmet ihr eine Einzelausstellung.– 70

Aufschlag

Radar – 8

Banden bilden: Kommune ohne Hippies
Von Valerie-Siba Rousparast
Jeden Tag Biogemüse, wenig Privatsphäre, enge Beziehungen zu Kindern und Erwachsenen abseits der Kleinfamilie: In einer WG groß zu werden rüstet für das Leben. – 10

Hä? Was heißt denn… Intersektionalität? – 11
Work Work Work: Pia Pigorsch, Bademeisterin – 12
Soulfood:  Sasha Perera über Schokolade aus Istanbul – 14
Konsumfail: Lavaerde – 15
Lieblingsstreberin: Yağmur Öztürk – 15

Kultur & Gesellschaft

Kuscheln in Athen
Von Isabelle Lindermann und Friederike Sigler
Neben Kassel ist Athen der zweite Schauplatz der diesjährigen documenta. Das Näherrücken an die Hauptstadt der europäischen Finanzkrise soll das Megakunstevent dekolonialisieren und queeren. Passt das zusammen? – 17

Mathe und Musik
Von Sonja Eismann
Die Elektronikproduzentin Jlin wurde mit ihrem ersten Album 2015 als Erneuerin des halsbrecherisch schnellen Footwork bejubelt. Jetzt geht sie mit dem Nachfolger „Black Origami“ noch einen Schritt weiter. Ganz ohne Samples schafft sie eine noch nie gehörte Form perkussiv-experimenteller Tanzmusik.– 20

In der „Akademie des Verlernens“ setzen sich die Wiener Festwochen mit gesellschaftlichen Normen auseinander und stellen marginalisierte Perspektiven ins Zentrum. Nadine Jessen und Nuray Demir, Teil des Kurator*innen-Teams, im Gespräch. – 22

Empowernde Apps: Über animierte Superheldinnen in Äthiopien, Kinder- und Jugendliteratur of Color und sexistisches Sprechverhalten. – 24

Das Internet erklärt:  Sinthujan Varatharajah über Rassismus & Emojis  – 25

Wie haben sich die Kriege im Libanon auf das Leben von Frauen ausgewirkt? Eine Porträtserie thematisiert veränderte Familienstrukturen und Rollenbilder – ebenso wie die unerfüllten Träume ihrer Protagonist*innen. – 26

Ohne Law and Order
Von Navina Nicke
Oft folgt auf Feierlaune, Rausch und Euphorie der ganz große Kater. Seltener, doch dafür schlimmer, sind Übergriffe im Nachtleben. Der Verein Safe Night aus Hamburg entwickelt Strategien, um sie zu verhindern.– 34

Ein supergutes Team
Von Mareice Kaiser
Über zwei Millionen Kinder in Deutschland leben mit einem alleinerziehenden Elternteil zusammen. Wir haben drei Familien besucht. Eine Reportage. – 36

Politik & Arbeit

Das steht mir zu!
Von Brigitte Theißl
Auch in der feministischen Szene fristet die Auseinandersetzung mit Klasse und Klassismus ein Nischendasein. Die Autorin Julia Roßhart will das ändern. – 43

Kolumne: Diese Frau verhütetet nicht
Von Jacinta Nandi
Zu jung, zu alt, zu riskant: Es ist nie der richtige Zeitpunkt, um ein Kind zu bekommen. – 46

Geburten am Fließband
Von Lisa-Marie Davies
Immer mehr Hebammen in Deutschland geben ihren Job wegen der schlechten Arbeitsbedingungen auf. Dabei sind sie für eine sichere Geburt äußerst wichtig.– 49

Mode & Machen

2000er-Jahre Retro-Look mit Olive Duran – 77

Protest zu verkaufen
Von Valerie-Siba Rousparast
Die politische Welt steht Kopf und die Werbe- und Modewelt reagiert darauf: Das Protest T-Shirt ist zurück. Ist das nur ein Werbegag oder politischer Aktivismus? – 78

In The Mood: Anti-Diät – 81
Reiseführerin: Antwerpen – 82
DIY:  Makramee – 84

Sex & Körper

Was lange währt
Von Valerie-Siba Rousparast
Langeweile oder Gelassenheit? Sex in Langzeitbeziehungen ist nicht ohne. Was es bedeutet, wenn man nach zehn Jahren Beziehung nur noch ab und zu Sex miteinander hat.– 87

Voruteile machen krank
Von Linda Hopius
Erfahrungen mit Diskriminierung erschweren den Zugang zu gesundheitlicher Versorgung. Ein Beispiel: die Krebsvorsorge bei LBQ-Frauen in den USA. – 88

Edutainment

Musik – 91
Now & Then: Sky Deep über Betty Davis  – 92
Filme und Serien – 97
Typenparade: Martin Provost – 102
Literatur und Comics  – 105
Missy präsentiert – 112
Kunst – 113
Kunst – 114

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