Editorial 02/09

Liebe Leserin, lieber Leser.

Als ob wir’s geahnt hätten: Gab es in der letzten Ausgabe von Missy noch ein umfangreiches Dossier zum Thema Frauen und Finanzen, in dem wir uns aus aktuellem Anlass den gerne vernachlässigten Zusammenhängen von Feminismus und Ökonomie gewidmet hatten, hat unsere ganz persönliche Wirtschaftskrise mittlerweile auch bei Missy wie eine Bombe eingeschlagen. Und das, obwohl wir doch den bei MusikerInnen so berüchtigten »Sophomore Slump«, also den formtiefen Absacker beim zweiten Album oder eben Heft, fröhlich-ignorierend ausgelassen und so unbeirrt wie überarbeitet die Nummer drei in Angriff genommen haben. Eins ist der Beginn, Zwei die Nachfolge, aber erst die Drei ist der Nachweis, dass Missy viele ist und gekommen, um zu bleiben.

Doch die Krise schläft nicht, und so war es schwerer und mit mehr Zitterpartien verbunden als je zuvor, die für die Produktion nötigen Mittel aufzutreiben. Der Dank dafür, dass es doch noch geklappt hat, geht nicht nur an unsere stets energetische Anzeigenleitung, sondern vor allem auch an all die LeserInnen und AbonnentInnen, die uns zusätzlich fast täglich mit befeuernden Worten unterstützt haben.

Natürlich macht Missy weiter – wäre ja auch gelacht. Schließlich hatten Feministinnen im Laufe der Geschichte schon wesentlich härtere Gegner zu bekämpfen als eine globale Finanzmisere: Olympe de Gouges beispielsweise, unser »Big Player« dieser Ausgabe, wurde 1793 geköpft, weil sie es wagte, die Forderungen der Französischen Revolution allzu wörtlich zu nehmen und die erkämpften Menschenrechte auch für Frauen zu fordern.

Heute sind wir zum Glück schon so weit, dass unsere Titelheldin Peaches fordern kann, jetzt sollten endlich auch mal die Männer über Feminismus reden – und die Macherinnen des Berliner Bastelkreises Pussystübchen unverblümt ihre Liebe zu »Handarbeit an Pussys« äußern können. Außerdem wünschen wir euch viel Spaß beim Lesen über kantige Grrrls bei Roller Derbys, idealistische Porno-AktivistInnen im Netz und nicht zuletzt mit unserem Dossier zu Frauen hinter den Kulissen der Musikbranche – denn auch wenn ganze Wirtschaftszweige vertrocknen, DIY-Aktivismus lebt doch weiter.

In diesem Sinne,
eure Sonja Eismann, Chris Köver & Stefanie Lohaus