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B-Ware

share tweet  Weithin sichtbare Augenringe am Morgen nach einem Zweitagestrip nach Strasbourg. Das Europaviertel volle 48 Stunden in nasskaltem Nebel versunken, der sich auch bei mir nach langen wartenden Minuten vor diversen offziellen Gebäuden in den Knochen breitmachte; Hechtsprünge zwischen Europäischem Rat, Parlament und Gerichtshof für Menschenrechte. Während die (Mode-)Blogosphäre spätestens seit dem gestrigen Mittwoch mit…

21.01.10 >

Weithin sichtbare Augenringe am Morgen nach einem Zweitagestrip nach Strasbourg. Das Europaviertel volle 48 Stunden in nasskaltem Nebel versunken, der sich auch bei mir nach langen wartenden Minuten vor diversen offziellen Gebäuden in den Knochen breitmachte; Hechtsprünge zwischen Europäischem Rat, Parlament und Gerichtshof für Menschenrechte. Während die (Mode-)Blogosphäre spätestens seit dem gestrigen Mittwoch mit Adleraugen um Berliner Laufstege kreist, habe ich mich in Gegenrichtung der brodelnden Aufmerksamkeit über die französische Grenze bewegt, um mir eine versunkene Bilderbuchstadt und einige Häppchen des politischen Europa aus der Nähe anzusehen.

Dass die EU ab und an mit einem akzeptablen Frauenanteil hadert, wurde spätestens mit Vorstellung der aktuellen, noch immer nicht im Amt befindlichen EU-Komission offenbar. Nach Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages am 1. Dezember 2009 wurde in Person der Baronesse Ashton für den Anfang eine Frau ins neugeschaffene Amt der Hohen Vertreterin für Außen- und Sicherheitspolitik gehievt, die jedoch nicht wegen ihres Geschlechts sondern aufgrund von Spitzzüngigkeiten über politische B-Ware als unbeschriebenes Blatt ihres Aufgabenbereichs nicht ganz zu Unrecht wenig warmherzig empfangen wurde. Erste Eindrücke der Baronesse of Upholland von parlamentsblauen Klappsesseln der Besuchertribüne waren am Dienstag nicht dazu geneigt, mich eines Besseren zu belehren. Vielmehr bestärkte ein herzloses Referat von Mrs Ashton über die Lage in Jemen den Eindruck kühler Farblosigkeit – es braucht ein wenig mehr, um die Europäische Union aus ihrer genderpolitischen Trägheit zu wecken.

Nicht nur die EU, auch der Europäische Rat gibt sich zuweilen phlegmatisch im Voranbringen zahlenmäßiger Geschlechtergleichheit. Das aus 47 Mitgliedsstaaten bestehende Organ, dem auch der Gerichtshof für Menschenrechte angehört, kämpft seit dreißig Jahren neben fortschreitendem Kompetenzklau durch die EU halbherzig gegen die Unterrepräsentation von Frauen an diversen Fronten. So sieht sich beispielsweise Malta seit 2006 weder in der Lage noch in der Pflicht, zur Neubesetzung des maltesischen Richterpostens am EGMR (=Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte), neben zwei Männern auch eine Frau dem Rat zur Wahl vorzuschlagen, wie es das Verfahren vorschreibt. Unterdessen bleibt der aktuell von Malta entsandte Richter, die Altersgrenze von 70 Jahren immer weiter überschreitend, bis zu unerwarteten neuen Einsichten der Regierung im Amt.

In Begleitung einer der Müdigkeit angemessen großen Kaffeetasse an den Schreibtisch zurückkehrend haben meine angespannten Augen noch Schwierigkeiten, vergangene Ereignisse, studentische Pflichten und Bilderfluten aus Berlin in Einklang zu bringen. Bis sich etwas wie Erholung nach zwei schlaflosen Tagen einstellt empfehle ich

+ einen Artikel der Taz zur zwielichtigen Koalition von Feministinnen mit islamfeindlichem Rechtspopulismus in der Schweiz. Die Engstirnigkeit der Thesen führt das Bust Magazine vor Augen: Beispielsweise iranische Frauenrechtlerinnen werden von schweizer Scheuklappen ohne nachzudenken über alte Kämme geschoren.


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