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Popfeminismen // Die Kunst der Stunde

share tweet  In den Augen alternder Generationen der Frauenbewegung charakterisiert der Popfeminismus eine neue Nebensächlichkeit. In ihren Geschichten von hehren Revolutionen, politischer Privatheit und harten Freiheitskämpfen ist er das ungeliebte Kind einer Konsumgesellschaft. Die leichtherzige Freiheit, mit der heute feministischer Sexappeal kommuniziert wird, verfliegt angesichts des wahrgenommenen Mangels an Politisierung für die Eltern der Bewegung nicht …

28.01.10 >

In den Augen alternder Generationen der Frauenbewegung charakterisiert der Popfeminismus eine neue Nebensächlichkeit. In ihren Geschichten von hehren Revolutionen, politischer Privatheit und harten Freiheitskämpfen ist er das ungeliebte Kind einer Konsumgesellschaft. Die leichtherzige Freiheit, mit der heute feministischer Sexappeal kommuniziert wird, verfliegt angesichts des wahrgenommenen Mangels an Politisierung für die Eltern der Bewegung nicht selten in der heißen Luft. Kämpferisch, links, öko und überzeugt – die einst überlebensnotwendige Aneinanderreihung von Adjektiven neigt zur Zwanghaftigkeit in einem aktuelleren Kontext, in dem sich eine Feministin in erster Linie über den eigenständigen Geist und gelebte Unabhängigkeit definiert. Eine Vertreterin vormals klar strukturierter Ideale begegnete mir diese Woche in einem älteren Artikel auf Spiegel Online: die indische Feministin und Umweltaktivistin Vandana Shiva. Auf die eine erste provokante Frage nach Germany’s Next Topmodel fand sie die nicht anders erwartet bissige Antwort: „…was diesen Teil des Lebens anbelangt, bin ich wirklich ignorant. Top-Models könnten an mir vorbeilaufen, und ich würde sie nicht erkennen. Nach Super-Models zu suchen, während das Klima und die Weltwirtschaft im Chaos versinken, ist so, als würde Nero fiedeln, während Rom brennt.“

Der Punkt gegen die kommerzialisierte Prosiebensauce in einer Komposition aus Hypermutter und durchschnittsschönen Zicklein geht an sie. Zumal eine bereits aus deutscher Sicht sinnentleerte Zurschaustellung hohler Mädchenideale aus der Perspektive von Shivas Heimatland, in dem ganz andere Dinge im Argen liegen, eines gewissen ironischen Untertons nicht entbehren kann. Doch nicht nur ihre pauschalisierende Antwort – auch die Frage des Spiegel offenbart eine Betrachtung des Feminismus, die für viele, wie auch für mich, nicht mehr zeitgemäß erscheint. Während eine alte Garde mit ihren fundamentalen Anhänger_innen fehlende politische Aspekte in einem popkulturell geprägten Feminismus anmahnt, besteht der Gewinn aus meiner Sicht in intelligenten Betrachtungen von Frauen über die Facetten des Zeitgeschehens, die kulturelle Themen und nicht zuletzt Mode ganz selbstverständlich einschließen. Entgegen des allschließenden Urteils gelingt es einer neuen unabhängigen Weiblichkeit, breitgetretene Schönheitsvorstellungen anzuprangern, ohne sich selbst das Interesse an Mode in ihrem breiten Spektrum von künstlerischem Talent und Individualität abzusprechen.

Im Popfeminismus liegt die ideale thematische Heimat für ein Mädchen, dass Straßencafés dafür liebt, Menschen in ihren äußerlichen Eigenheiten zu betrachten, dass mit roten Lippen und einem Glas Wein die Nacht erobert, dabei verkappten Chauvinismus  und neoliberale Ignoranzen an die Wand diskutiert. Mädchen, die zum Beat des Abends tanzen und den Tag danach mit Büchern, Zeitungen und Netzlektüre auf dem Sofa verbringen. Die Kunst der Stunde liegt darin, den Blick für die kleinen und großen wichtigen Dinge zu behalten. Auch in neuen Formen der Emanzipation, die sich der Kultur ebenso bedienen wie des Politischen haben die Worte von Erica Jong in Angst vorm Fliegen nicht an Glanz und Anspruch eingebüßt: „Man muss sich nicht entschuldigen, weil man seine Seele besitzen will.“ Eine Verweigerung gegenüber den diversen Versuchen, Weiblichkeit in Schubladen zu pressen.

Da es der redaktionellen Pflege eines gängigen Zeitschriftenschemas für Frauen bisher nicht gelang, Diäten durch Inhalte zu ersetzen und ansprechende Ausreißer unter den Printmagazinen vereinzelt bleiben, werde ich nicht müde, auf die jungen, wilden bis nachdenklichen, wunderbaren Schmuckstücke der weiblichen Blogosphäre hinzuweisen, die Abhilfe im Flachland der sogenannten Frauenthemen schaffen – 25 von ihnen stehen noch bis Sonntag bei der Mädchenmannschaft zur Wahl des Bloggermädchens 2009.

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Abschied. Der begrenzte Zeitraum eines Monats geht zur Neige, der Stargast des Januars verneigt sich und gibt den Missy Blog frei für kommende Bloggerinnen. Politisches, Lebensfetzen, Musik, Mode und weitere popkulturelle Streifzüge findet ihr zu jeder Zeit auf stadtpiratin.blogspot.com, mein feines Blog freut sich weiterhin über Besuch. In der Zwischenzeit erwarte ich mit Spannung die nachfolgenden Gäste und verbleibe mit herzlichst rockenden Grüßen.

[Bild: Maja Casablancas // polkadots & vodkashots]


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