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Sonntags-Musik

Wir waren gestern Abend auf dem Reeperbahn-Festival unterwegs und haben uns ein paar Musikerinnen und Bands für euch angehört. – Den Anfang machten Clara Bow in der Hanseplatte: vier Frauen aus der Stadt, die im Ankündigungstext als „Hamburgs Antwort auf Le Tigre“ angepriesen werden und von sich sagen, sie machten „D.I.Y. / NY No Wave…

26.09.10 >

Wir waren gestern Abend auf dem Reeperbahn-Festival unterwegs und haben uns ein paar Musikerinnen und Bands für euch angehört.

– Den Anfang machten Clara Bow in der Hanseplatte: vier Frauen aus der Stadt, die im Ankündigungstext als „Hamburgs Antwort auf Le Tigre“ angepriesen werden und von sich sagen, sie machten „D.I.Y. / NY No Wave Punk Glitter-Garage Indie Trash something“. Eine Riot Grrrl Band aus Hamburg, benannt nach einem 20er-Jahre-It Girl? Klingt erst mal interessant. Wir hören aber nur ein Lied durchs Schaufenster und wollen deshalb kein Urteil über die Live-Qualitäten abgeben. Hört lieber selbst: http://www.myspace.com/clarabow

– Wir ziehen weiter zu Minna von Bahrenfeld im Grünen Jäger. Eine Freundin rechts neben mir meint: „klingt wie Pat Benatar auf deutsch“. Ich finde den Vergleich etwas zu wohlwollend, auch wenn von Bahrenfeld, begleitet nur von Kristoffer Pohlam Schlagzeug, ihre verzerrte Gitarre gut einzusetzen weiß. Aber Pat Benatar hat ja auch erst mit Ende 2o Platin gewonnen. http://www.myspace.com/minnavonbahrenfeld

– Höhepunkt des Abends wird das Konzert von „Forgotten Birds“, das zwar nichts mit dem Reeperbahn-Festival zu tun hat, aber im Café Meinke stattfindet, das auf dem Weg vom Grünen Jäger in die Hasenschaukel liegt. Jan Gazarra und Judy Willms, die hier zusammen spielen, schaffen es, mit ganz leisen Klängen – getragen nur von ihren beiden Stimmen, Gitarre und Keyboard – einen Bann auszuüben, dass die Menschen auf der Straße stehen bleiben, um ihnen durchs Schaufenster zuzuhören. Wir ahnten es ja schon, freuen uns aber trotzdem über diesen klanggewordene Beweis, dass berührender Singer-Songwriter-Folk auch außerhalb der US-Bundesstaaten Oregon, Kalifornien und New York entstehen kann. http://www.myspace.com/forgottenbirds

– Wir eisen uns von den beiden los und ziehen weiter in die Hasenschaukel zum US-kanadischen Duo „Potion“. Das klingt ein bisschen, der Name deutet es schon an, wie eine Popadaption des Soundtracks zu „Das letzte Einhorn“. Etwas düster, etwas magisch. Etwas für Freundinnen des Pathetischen: http://www.myspace.com/potionthebandk

– Den Ausklang macht dann Gonzales, unseren aktuellen Boy-Du-Jour aus der Rubrik „Das andere Geschlecht“. Der kommt im gewohnten Morgenmantel auf die Bühne und wird seinem Ruf als großmäuliger Entertainer sehr gerecht: bearbeitet das Klavier als sei er einer der Muppets, schäkert zwischendurch mit dem Publikum, rappt, reisst Witze über Rap und spielt am Ende noch mit den Füßen. Einziger Dämpfer ist die Showeinlage gegen Ende, zu der er sich eine „Assistentin“ auf die Bühne holt, die er zuerst auffordert, ihn sich einfach nackt vorstellen und dann anschliesst, dass er auf ihrem schwarz-weiss gestreiften Piano-Kleid „auch sehr gerne mal spielen lernen würde“. Sie findet das offensichtlich nicht lustig. Wir auch nicht. Verbuchen das aber als kurzen Abfall im Niveau eines sonst hochkarätigen Alleinunterhalters.